Schenkelhalsfraktur

Schenkelhalsfraktur – einfach erklärt

Oberschenkelhalsfrakturen sind häufige Verletzungen an den Beinen, die vor allem bei älteren Patienten auftreten können. Durch die erhöhte Wahrscheinlichkeit eines unsicheren Gangs und einer verminderten Knochenmineraldichte besteht im Alter ein höheres Risiko, eine Schenkelhalsfraktur zu erleiden. Am stärksten gefährdet sind ältere Frauen, die zugleich an Osteoporose leiden.

Auftreten der Schenkelhalsfraktur

Die Gesamtzahl der Schenkelhalsfrakturen in Deutschland liegt bei rund 160.000 jährlich. Bei Patienten zwischen 65 und 99 Jahren treten Schenkelhals- und intertrochantäre Frakturen mit etwa gleicher Häufigkeit auf.

Pathologie der Schenkelhalsfraktur

Schenkelhalsfrakturen gehören für Mediziner zur Gruppe der proximalen Femurfrakturen. Der Schenkelhals ist der schwächste Teil des Oberschenkels.

Da die Unterbrechung der Blutversorgung des Femurkopfes von der Art der Fraktur abhängt und eine signifikante Morbidität verursacht, ist die präzise Diagnose und Klassifizierung dieser Frakturen für den weiteren Behandlungserfolg sehr wichtig.

Oberschenkelhalsfrakturen werden als intrakapsuläre Frakturen (auch proximale Femurfrakturen genannt) bezeichnet.

Intrakapsuläre Frakturen beinhalten:

– Unterkapital: Femurkopf-Hals-Verbindung
– transzervikal: Mittelteil des Schenkelhalses
– basicervical: Schenkelhalsbasis

Weiterhin wird die Schwere einer Subkapitalfraktur nach der Garden-Klassifikation der Hüftfrakturen eingestuft.

Entstehung einer Schenkelhalsfraktur

– Stürze bei älteren Menschen
– Signifikante Traumata (zum Beispiel durch Kfz-Unfälle) bei jüngeren Patienten

Bei älteren Patienten entstehen die Verletzungen meist durch direkte Verletzungen an der Hüfte oder durch bestimmte Körperdrehungen, bei denen der Fuß des Patienten stehen bleibt und sich der Körper dreht. Der elastische Widerstand im gebrochenen Knochen ist bei diesen Patienten in der Regel mangelhaft.

Bei jungen Patienten ist überwiegend eine axiale Belastung während eines starken Traumas die Ursache für eine Schenkelhalsfraktur. Typische Auslöser sind Verkehrsunfälle. Hierdurch kommt es bei einer abduzierten Hüfte zu einem Oberschenkelhalsbruch. Ist die Hüfte hingegen adduziert, so wird durch die Belastung eine Hüftfrakturversetzung verursacht.

Diagnose – Radiografische Merkmale

Die Diagnose einer Schenkelhalsfraktur erfolgt mithilfe der bildgebenden Verfahren der Radiografie. Auf den Röntgenbildern sind dabei je nach Art der Fraktur bestimmte typische Merkmale zu erkennen:

– Shenton’sche Linienunterbrechung: Verlust der Kontur zwischen der normalerweise durchgehenden Linie von der medialen Kante des Schenkelhalses und der unteren Kante des oberen Schambeins.
– Durch die externe Rotation des Oberschenkelknochens ist der reduzierte Trochanter deutlicher zu erkennen.
– Der Oberschenkelknochen ist bei einer Schenkelhalsfraktur durch ungehinderte Iliopsoen in zahlreichen Fällen in Flexion und Außenrotation positioniert.
– Es besteht eine Asymmetrie des seitlichen Schenkelhals/Kopfes.
– In der Frakturebene ist eine Sklerose sichtbar.
– Durch Impaktion ist eine verschmierte Sklerose auf dem Röntgenbild ersichtlich.
– Die Knochentrabekeln sind gewinkelt.
– Nicht versetzte Frakturen können auf dem Röntgenbild subtil erscheinen.

Diagnose Checkliste des Arztes

Nachdem die Röntgenbilder erstellt wurden, werden diese vom Arzt anhand einer festen Checkliste begutachtet. Dabei achtet der Arzt auf die folgenden Merkmale, die für eine Schenkelhalsfraktur typisch sind:

– Das AP-Becken und die laterale Hüfte werden sorgfältig betrachtet, da Beckenfrakturen ähnliche klinische Merkmale einer Hüftfraktur zeigen können.
– Der Verlauf der Shentons Linie wird verfolgt.
– Bei der Beurteilung der Symmetrie kann insbesondere der Trochanter minor auf eine Außenrotation der Knochen hinweisen.
– Begutachtung der Knochentrabekeln
– Anzeichen einer Sklerose
– Anzeichen vorheriger Verletzungen und möglicher Verunreinigungen der Knochenstruktur

Behandlung und Prognose

Die medizinische Behandlung von Oberschenkelhalsfrakturen ist wichtig. Ohne chirurgischen Eingriff können bei einer Fraktur des Schenkelhalses sehr häufig signifikante Komplikationen wie Gefäßnekrose auftreten. Die Behandlungsmöglichkeiten umfassen die nichtoperative Behandlung, die interne Fixation oder den prothetischen Ersatz. Neben der Art und Schweregrad der Fraktur hängt die gewählte Behandlungsmethode auch vom Alter der Patienten und dem allgemeinen Gesundheitszustand ab.

Die interne Fixation der gebrochenen Knochen kann dabei mit mehreren Stiften, intramedullärer Hüftschrauben (IHMS), gekreuzten Schraubennägeln oder Kompression mit einer dynamischen Schraube und Platte durchgeführt werden. Ist der Ersatz des Femurkopfes notwendig, so wird dies entweder durch eine Halb- oder eine Hüftendoprothetik erreicht.

Die hohe Morbidität und Mortalität bei Hüft- und Beckenfrakturen nach einem Trauma ist wissenschaftlich gut dokumentiert. Die Prognose ist unterschiedlich. Diese wird aber oftmals durch das fortgeschrittene Alter der Patienten erschwert. Hüftfrakturen erhöhen das Risiko des Todes und der schweren Morbidität bei älteren Menschen.

Das Risiko einer avaskulären Knochennekrose (AVN) hängt von der Art der Fraktur ab. Die Delbet-Klassifizierung korreliert mit dem Risiko einer avaskulären Knochennekrose:

Typ 1 (transphyseal): ~90% AVN-Risiko
Typ 2 (Subkapital): ~50% AVN-Risiko
Typ 3 (basisch/transzervikal): ~25% AVN-Risiko
Typ 4 (intertrochantär): ~10% AVN-Risiko

In der Regel wird eine interne Fixation für junge, ansonsten gesunde Patienten mit geringem AVN-Risiko empfohlen. Der prothetische Ersatz erfolgt in der Regel bei Frakturen mit hohem Risiko für AVN sowie bei älteren Patienten.

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