Pavlik Bandage – einfach erklärt

Die Pavlik Bandage kommt bei Neugeborenen und Säuglingen zum Einsatz, wenn die Hüftgelenke eine Korrektur benötigen, da eine angeborene Fehlstellung der entsprechenden Gelenke besteht. Bezeichnet wird die Pavlik Bandage auch häufig als Spreizhose, da die Beine des betroffenen Babys in eine bewusst gespreizte Position gebracht werden.

Eine Pavlik Bandage ist ein komplexes Bandagen-Modell, das sich aus einer Riemenzügelbandage, dazu einen Brustgurt und zwei Unterschenkelbandagen für die Beine zusammensetzt und dabei eine Fersensicherung aufweist, um dem Säugling eine bestimmte Beinhaltung vorzugeben, die der Korrektur der Hüften beziehungsweise der Oberschenkelgelenke dient. Dabei werden die Beine des Säuglings in eine ausgeprägte Beugung, die sogenannte Flexion, gebracht.

Die Vor- und Nachteile der Pavlik Bandage

Die von Arnold Pavlik, einem Tschechen, entwickelte Bandage, die dementsprechend auch seinen Namen trägt, ist eine Behandlungsbandage, die die Behandlungsmöglichkeiten von Säuglingen revolutioniert hat. Entwickelt wurde die Bandage im Jahr 1950. Sie bietet die Möglichkeit, auf stabile und gleichzeitig sanfte Art eine Retention des Hüftkopf im Acetabulum, bietet dem Säugling aber gleichzeitig mehr Bewegungsfreiheit, als dies in vorangegangenen Behandlungsmethoden der Fall war.

Die Pavlik Bandage gilt als sehr sicher und schonend und ist besonders effizient, wenn sie bei Säuglingen innerhalb der ersten Lebenswochen schon genutzt wird. Mit Ausnahme der Adduktion und der Streckung der Beine bietet die Bandage ansonsten große Bewegungsfreiheit für das Baby. Dabei erfolgt die Behandlung der Hüfte dahingehend, dass die Beugung von ungefähr 110° und einer leichten Abspreizung der Hüftgelenke die Haltung des Säuglings in der Gebärmutter nachahmt. Mittels sanfter Drehbewegungen wird die sanfte Reposition des Hüftkopfs in die Gelenkpfanne umgesetzt.

Anders als bei der in anderen Methoden zwanghafte und oftmals auch sehr starke Abspreizung, bei der Komplikationen wie die Hüftkopfnekrose entstehen können, ist bei der Pavlik Bandage eine solche unerwünschte Entwicklung bei korrekter Nutzung nicht gegeben. Säuglinge wie auch Mütter nehmen diese Behandlungsform im Regelfall problemlos an. Die Anwendung kann ab den ersten Lebenswochen bis zum Alter von sechs oder sieben Monaten erfolgen.

Vorteile

– große Bewegungsfreiheit für den Säugling
– sanfte Retention des Hüftkopfs
– sicher in der Wirkung und schonend in der Anwendung
– keine Komplikationen wie Hüftkopfnekrose wie bei anderen Behandlungsmethoden zu befürchten
– anwendbar ab den ersten Lebenswochen

Die Nachteile, die eine Behandlung mit der Pavlik Bandage mit sich bringen kann

Die Pavlik Bandage erfordert mehr Mitarbeit der Eltern als andere Korrekturvarianten. Sowohl beim Wickeln wie auch beim Anziehen entstehen Umstände für Eltern. Dazu darf die Bandage im Regelfall auch nicht entfernt werden, was Mütter gerade in der Anfangsphase der Behandlung als sehr lästig empfinden.

Auch der Zeitaufwand bei dieser Behandlungmethode ist größer, denn es müssen sehr engmaschige Kontrollen erfolgen, um die Bandage immer in optimaler Einstellung zu halten. Dazu müssen Eltern Zeit aufwenden, um sich in den Umgang mit der Bandage einweihen zu lassen.

Gerade bei älteren Säuglingen kann es sein, dass eine Behandlung mit der Pavlik Bandage nicht mehr sehr erfolgversprechend ist und deshalb sofort auf eine andere Methode ausgewichen werden muss. Nutzbar ist die Methode ohnehin ausschließlich bis zum siebten Lebensmonat des Säuglings. Wird die Behandlung zu spät eingeleitet, misslingt die Behandlung nach Pavlik somit. Grundsätzlich ist auch bei besten Voraussetzungen ein Misslingen in rund 10 Prozent der Fälle möglich. Dann muss auf andere Behandlungsvarianten, im Regelfall die Extensionsbehandlung und nur in sehr seltenen Fälle auf die offene Reposition innerhalb einer Operation, zurückgegriffen werden.

Nachteile

– Aufwändiger für Eltern als andere Korrekturbehandlungen
– höherer Zeitaufwand aufgrund der engmaschig notwendigen Kontrollen sowie auch der Einweisung der Eltern in den Umgang
– ältere Säuglinge können seltener mit der Pavlik Bandage als Behandlungmethode einsteigen als das bei Neugeborenen möglich ist
– in 10 Prozent aller Fälle schlägt die Behandlungsmethode trotz optimaler Voraussetzungen nicht an
– eine Eingewöhnungsphase ist für Mütter und Kinder erforderlich

Fazit

Die Pavlik Bandage ist eine Behandlungmethode, die seit den 1950er Jahren andere Methoden der Hüftkorrektur bei Säuglingen abgelöst hat. Grundsätzlich ist die Methode sehr erfolgreich, dazu auch für Eltern und Kind relativ angenehm umsetzbar. Bedingung ist aber, dass die Behandlung im Alter von nur wenigen Lebenswochen einsetzt.

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