Imhäuser Osteotomie – einfach erklärt

Medizin

Eine Imhäuser Osteotomie ist ein operatives Verfahren zur Behebung einer Verschiebung beziehungsweise Fehlstellung (Dislokation) des Kopffragments des Oberschenkelknochens (Femur) infolge einer Epiphysenlösung des Femurkopfes. Der medizinische Fachbegriff dazu lautet Epiphyseolysis capitis femoris.

Wie kommt es zu dieser Erkrankung und was passiert bei der OP?

Eine Epiphyseolysis capitis femoris kommt häufig infolge einer Wachstumsstörung während der Pubertät vor und ist möglicherweise anlagebedingt. Ein Unfall kommt nach bisherigen Erkenntnissen eher nicht als Ursache infrage. Jungen ab dem 9. Lebensjahr sind, mit 3:1 Fällen, häufiger betroffen als Mädchen. Nicht selten leiden sie gleichzeitig unter Übergewicht oder einer besonderen Form von Hochwuchs. Letzterer kann beispielsweise beim Klinefelter Syndrom, einer angeborenen Chromosomenstörung der Fall sein. Anstelle 46, XY Cromosomen beträgt der Satz 47, XXY und kommt ausschließlich bei Jungen vor. Ihnen kann bei frühzeitiger Diagnose eine Testosterontherapie helfen.

Man unterscheidet zwei Formen der Epiphyseolysis capitis femoris:

1. die akute Epiphyseolyse (Epiphysiolysis capitis femoris acuta) oft mit vollständiger Ablösung der Epiphyse (Endstück des Röhrenknochens)

2. die schleichend verlaufende Form (Epyphysiolysis capitis femoris lenta)

Bei der akuten Form ist das Risiko für eine nachfolgende Hüftkopfnekrose hoch. Bei der schleichenden Verlaufsform kommt es eher selten zur kompletten Lösung. Die Epiphysenfuge wird allmählich breiter, aber die Epiphyse verbleibt im Acetabulum. Jedoch verschiebt sich dabei der Schenkelhals in eine ungünstige Position. Im Verlauf der Lenta-Form kann es zur Verschiebung und Verdrehung des Hüftkopfes kommen. Bestenfalls kommt es unter der Behandlung mit Testosteron aber auch zum Stillstand der Epiphysenablösung beispielsweise wenn die Epiphysenfugen zunehmend verknöchern. In allen anderen Fällen ist eine zeitnahe Operation sinnvoll, um eine Nekrose (Absterben) des Femurknochens zu verhindern.

Wie äußert sich die Epiphyseolyse?

Oft beginnt die Fehlstellung im Oberschenkelgelenk zunächst mit Schmerzen im Knie und vorne am Oberschenkels. Manchmal können Hüftschmerzen parallel dazu vorkommen, sind aber nicht unbedingt typisch. Häufig strahlen die Schmerzen in die Leisten aus. Bei einer Dislokation besteht außerdem eine leichte Beinverkürzung, die zu einem hinkenden Gang führen kann. Betroffene Patienten versuchen, zur Schmerzlinderung das entsprechende Bein nach außen gedreht zu halten.

Wie wird die Krankheit diagnostiziert?

Der Arzt wird zunächst in gebeugter Form des Knies vom Patienten herausfinden, ob die Rotation des Hüftgelenkes nach innen möglich ist. Wenn das Hüftgelenk bei diesem Versuch nach Außen ausweicht, wird das sogenannte Drehmann-Zeichen als positiv bewertet. Zur Sicherstellung des Befundes werden zudem Röntgenbilder des Beckens angefertigt, in denen das ganze Ausmaß der dorsalen Dislokation der Epiphyse gut zu erkennen ist.

Die Operation nach Imhäuser

Bei der akuten Form wird zunächst durch Zug versucht, die verschobenen Knochen in ihre ursprüngliche Position zu bringen. Diese Stellung wird danach mit mitwachsenden Kirschner-Drähten von lateral fixiert. Bei der schleichenden Form kommt es auf den Schweregrad an. Leichtere Verschiebungen werden durch Kirschner-Drähte oder Zugschrauben fixiert, während größere Verschiebungen ein umfangreicheres Management erfordern. An dieser Stelle kommt normalerweise die Imhäuser-Operation zur Anwendung. Bei dieser korrigierenden Ostetomie wird der Hüftkopf unterhalb des Trochanters major derotiert und flektiert (gebeugt). Als Ergänzung dazu wird das Ganze mit Platten und Zugschrauben stabilisiert. Dadurch heilen die Knochenfragmente durch Osteosynthese in der richtigen Position wieder zusammen.

+ Trochanter major ist die lateinische Bezeichnung für den großen Rollhügel, der Knochenvorsprung am Oberschenkelkochen in der Nähe des Hüftgelenks ist gleichzeitig Ansatzpunkt für verschiedene Gesäß- und Hüftmuskeln.
+ Osteotomie bezeichnet die gezielte Durchtrennung von Knochenstrukturen
+ unter derotiert versteht man in diesem Fall die Beseitigung der Fehlstellung des Oberschenkelknochens

Risiken der Imhäuser Osteotomie

Für diese Operationsmethode gelten die üblichen Risiken, die alle Operationen ebenfalls in sich bergen. Außerdem kann es zu einer Hüftnekrose kommen. Das kann jedoch bei einer Nichtbehandlung genauso der Fall sein. Wenn die Fehlstellung nicht korrigiert wird, kann es zur Arthrose kommen mit erheblichen Bewegungseinschränkungen und Schmerzen. Darüber hinaus ist eine Knorpelauflösung möglich.

Fazit: Solltest Du oder jemand aus Deiner Familie unter einer Fehlstellung der Hüfte beziehungsweise des Oberschenkelknochens leiden, ist die OP-Methode oft das Mittel der Wahl, aber letztendlich sollte Dein behandelnder Arzt die Entscheidung über die richtige Methode fällen. Wir können Dich nur grob darüber informieren. Weitere Methoden sind eventuell „natural course“ oder die „In-situ-Fixation“.

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