Girdlestone Situation – Leben ohne Hüftgelenk

Arztbesuch

Die Girdstone-Situation betitelt die Abwesenheit eine Gelenkes, meistens des Hüftgelenks nach einer operativen Entfernung. Dabei wird keine Gelenkprothese eingebaut. Dies kann beispielsweise durch eine Infektion des Gelenkes notwendig sein.

Diese Operation wurde etwa 1940 entwickelt und ist nach ihrem Erfinder, dem englischen Orthopäden Gathorne Robert Girdlestone benannt. Durch die Entfernung des entzündeten Gelenkes geht die verbleibende Femur eine Verbindung mit dem Acetabulum ein und kann so als eine Art Ersatzgelenk fungieren. So kann der oder die Betroffene zumindest schmerzarm, teilweise aber auch schmerzfrei eine Strecke zurücklegen. Aber Achtung! Hierbei entsteht eine deutliche Beinlängenverkürzung auf der operierten Seite. Diese kann aber durch Absatzerhöhung korrigiert werden. Eine Belastung des betroffenen Beines ist auch erst nach mehreren Wochen nach der Operation überhaupt erst möglich, wenn sich das Narbengewebe gebildet hat und tragfähig ist. Eine physiotherapeutische Behandlung ist absolut notwendig.

Nach einer Operation mit Gelenkersatz muss dieses manchmal nach ca. 20 bis 25 Jahren ausgetauscht werden. Doch dass die Hersteller die Ersatzteile heutzutage gar nicht mehr herstellen, bzw. nur als Sonderanfertigung produziert werden, hatte damals wohl keiner gedacht. Teilweise sind die Hersteller auch schon seit langer Zeit gar nicht mehr existent, so dass die betroffenen Patienten über eine Alternative nachdenken müssen. Was also tun? Ist ein Leben ohne Hüftgelenk möglich? Welche Vor- und Nachteile bringt das den Patienten? Was sonst ist also noch zu beachten?

Ein Leben auch ohne künstliches Hüftgelenk ist durchaus möglich. Zwar kann es hier teilweise zum Muskelabbau kommen. Doch durch spezielle Übungen kannst du dich fit und beweglich halten. So gehen manche Patienten mit dieser Diagnose zum Tanzen oder machen andere Sportarten. Aber zu Beginn ist eine krankengymnastische Therapie absolut sinnvoll und auch nötig. Dein Arzt oder Physiotherapeut wird dir hierbei hilfreich zur Seite stehen. Aber nach solch einem Eingriff ist sicher das schmerzfreie Gehen das erste Ziel.

Grundsätzlich sind im Alltag erhebliche Erschütterungen und starke Drehungen zu vermeiden. Gewöhne dich erst langsam an deine Situation. Lerne deinen Körper neu kennen. Höre in dich hinein, wenn du bestimmte Bewegungen ausübst. Fühlt sich das noch schmerzfrei an? Und überfordere dich nicht, gerade zu Beginn! Schon dich ein wenig und lass dir Zeit.

Tipps, die direkt nach der Operation helfen

– Stocke deine Vorräte auf, z.B. mit Tiefkühlkost oder Konserven. So kannst du dich in Ruhe erholen und musst dich nicht unnötig mit Einkaufstouren belasten. Und wenn du doch mal was brauchst, lass es dir von Anderen mitbringen.
– Wenn du gerne kochst, bereite direkt größere Portionen zu. Teile diese in kleinere Mahlzeiten ein. So musst du es später nur noch aufwärmen.
– Alle Dinge, die du oft benötigst, legst du jetzt in deiner unmittelbaren Nähe ab. In den ersten Wochen wird deine Bewegungsfreiheit nämlich eingeschränkt sein.
– Dinge, wie Haltegriffe im Badezimmer oder ein Ein- und Ausstieg in der Dusche sind jetzt Gold wert.
– Auch wenn es banal klingt: Kreuze nicht die Beine nach der Operation. Das belastet die Hüfte nur unnötig.
– Zu Beginn ist es auch sehr ratsam, sich mit dem Auto fahren zu lassen!
– Auch solltest du dich nicht zu sehr nach vorn beugen. Und vor dem Beugen gehe erst ein wenig in die Knie.
– Schlafe in der Rückenlage. Eine feste Matratze ist hier sehr wichtig.
– Wenn es möglich ist, gehe immer in kleinen Schritten.
– Trage Stützstrümpfe.
– Die Hüfte sollte im Sitzen immer höher als die Knie sein. Ein Keilkissen kann hier Abhilfe schaffen.

Fazit

Insgesamt gilt, wie überall im Leben: Gehe immer mit offenen Augen durch den Tag. Wenn du dich unwohl fühlst oder dir irgendwas auffällt, gehe zu deinem Arzt und lass dich durchchecken. Er wird dir dann die richtigen Tipps und Tricks mitteilen, worauf du achten musst. Überanstreng dich nicht. Übertreib es nicht, wenn es um Bewegung im Alltag geht. Mach lieber mal eine Pause und erledige die anstehenden Aufgaben lieber später oder lass dir am besten von Jemanden helfen. Wenn du dich zu früh belastest, kann es negative Auswirkungen auf deine spätere Bewegungsfreiheit haben. Also mach lieber langsam und achte auf die Zeichen, die dein Körper dir sendet.

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