Gicht Hüfte

Gicht

Die Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung und die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung (Arthritis) in Industrieländern wie Deutschland. Schätzungen zufolge sind 1 bis 2 % der Bevölkerung betroffen. Wobei Männer ein deutlich höheres Risiko für Gicht haben als Frauen. Sie erkranken ungefähr fünfmal so oft und auch früher. Während Gicht bei Männern meist ab dem 40. Lebensjahr auftritt, kommt sie bei Frauen in der Regel erst nach den Wechseljahren vor. Grund dafür sind hormonelle Einflüsse auf die Nieren. Bei einem akuten Gichtanfall schwellen bestimmte Gelenke innerhalb weniger Stunden an und werden sehr schmerzempfindlich. Auslöser der Entzündung sind winzige, nadelförmige Kristalle aus Harnsäure, die sich vor allem in den Gelenken ablagern. Solche Kristalle können entstehen, wenn sich zu viel Harnsäure im Körper befindet. Normalerweise klingt die Entzündung von selbst innerhalb von ein bis zwei Wochen vollständig ab. Die Schmerzen lassen sich durch entzündungshemmende Schmerzmittel und andere Medikamente lindern. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um diesen Attacken vorzubeugen. Manchen Betroffenen hilft es schon, wenn sie auf bestimmte Lebensmittel und mögliche Auslöser verzichten. Andere wiederrum benötigen Medikamente, die ihren Harnsäurespiegel dauerhaft senken. Sie kommen infrage, wenn sich die Gichtanfälle häufen oder Folgeerkrankungen auftreten. Dann es ist wichtig zu vermeiden, dass die Entzündung chronisch wird und Gelenke geschädigt werden.

Gicht Symptome

Ein akuter Gichtanfall tritt oft nachts oder früh morgens mit einer sehr schmerzhaften Gelenkschwellung auf. Das entzündete Gelenk ist druckempfindlich, überwärmt und gerötet. Meist sind die Schwellung und die Beschwerden von sechs bis zwölf Stunden am stärksten. Dann ist das Gelenk so empfindlich, dass sogar die Last der Bettdecke kaum erträglich ist. Wenn die Schwellung nach einigen Tagen zurückgeht, schält sich die Haut im Bereich des Gelenks etwas ab. In den Hüften treten nur selten akute Gichtanfälle auf. Bei einer chronischen Gicht sind die Gelenke dauerhaft leicht entzündet. Sie können sich mit der Zeit verformen und sind dann in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt.

Gicht Ursachen

Meist sammeln sich die Kristalle in den Gelenken, wo sie einen Gichtanfall auslösen können. Neben einem erhöhten Harnsäurespiegel, der Hauptursache für Gicht, spielen noch andere Faktoren eine Rolle – unter anderem der Flüssigkeitshaushalt in den Gelenken. So bilden sich in Gelenken, deren Gewebe wenig Flüssigkeit enthält, eher Harnsäurekristalle. Auch der Säuregrad (pH-Wert) der Gelenkflüssigkeit und die Gelenktemperatur haben einen Einfluss.
Nur selten entsteht eine Gicht, weil der Körper selbst zu viel Harnsäure produziert. Grund dafür kann zum Beispiel eine Erbkrankheit sein, bei der die Funktion bestimmter Enzyme gestört ist, die mit dem Harnsäure-Stoffwechsel zu tun haben. Auch bei bestimmten Erkrankungen, bei denen viele Zellen abgebaut werden, kann im Körper viel Harnsäure anfallen. Dazu gehören Blutbildungsstörungen oder bestimmte Krebserkrankungen wie Leukämie.
Zu den in wissenschaftlichen Studien nachgewiesenen Risikofaktoren für Gicht gehören:

♣ Medikamente, die den Harnsäurespiegel erhöhen, wie entwässernde Medikamente und bestimmte Arzneien, die nach einer Organtransplantation eingesetzt werden. Auch das Parkinson-Medikament Levodopa und Krebsmedikamente können Gicht begünstigen.
♣ Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte: Diese Lebensmittel enthalten viele Purine, die zwar überwiegend im Körper selbst gebildet werden, wenn aber tierische Lebensmittel in größeren Mengen verzehrt werden, erhöht sich das Risiko.
♣ Alkoholische Getränke fördern die Bildung von Harnsäure und haben eine entwässernde Wirkung. Zudem verringert Alkohol die Ausscheidung von Harnsäure durch die Nieren. Vor allem Bier enthält viele Purine. In Studien hat sich gezeigt, dass Bier und hochprozentiger Alkohol Gicht begünstigen können.
♣ Zuckerhaltige Getränke, die viel Fruchtzucker enthalten, können das Risiko für Gicht erhöhen. Dies gilt für gezuckerte Getränke wie Cola, sowie für Fruchtsäfte.
♣ Übergewicht: Das Risiko, an Gicht zu erkranken, steigt mit zunehmendem Body-Mass-Index.

Gicht Diagnose

Spezielle Blutuntersuchungen können helfen, die genaue Diagnose zu stellen und damit auch eine gezielte Therapie einzuleiten. Bestimmte Rheumawerte wie z.B. das HLA-B27, aber auch die BSG, das CRP und der Harnsäurewert im Serum können die Richtung weisen. Hier hilft neben den Laborbefunden auch die orthopädische Erfahrung des Facharztes, sein anatomisches Wissen, sowie die apparative Beurteilung der Gewebe von Hüfte, Kreuzbein und unterem Rücken mittels Sonographie. Um die Erkrankung eindeutig nachzuweisen, ist eine „Gelenkpunktion“ erforderlich. Dabei wird mit einer feinen Hohlnadel Flüssigkeit aus dem Gelenk entnommen und anschließend im Labor untersucht. Finden sich Harnsäurekristalle in der Flüssigkeit, wird die Diagnose „Gicht“ gestellt. Diagnose und Therapie wie Ernährung/Diät, Medikamente, physikalische und osteopathische Therapien, müssen dem Einzelfall angemessen individuell besprochen und überwacht werden. Eine Gelenkpunktion wird gemacht, wenn die Beschwerden nicht eindeutig sind oder andere mögliche Ursachen ausgeschlossen werden sollen. Nur den Harnsäurespiegel im Blut zu bestimmen, ist zu wenig aussagekräftig, da auch viele Menschen ohne Gicht einen erhöhten Harnsäurespiegel haben. Zudem sinkt der Harnsäurespiegel während eines Gichtanfalls oft in den Normalbereich ab.

Therapiemaßnahmen bei Gicht

Die Behandlung der Gicht stützt sich auf zwei Säulen:

♣ Akut: die Behandlung von Schmerzen bei einem Gichtanfall.
♣ Langfristig: die Vorbeugung von weiteren Gichtattacken, chronischer Entzündung und Gelenkschäden.

Akute Gichtanfälle werden meist mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Naproxen behandelt. Wenn diese Mittel nicht infrage kommen oder keine ausreichende Linderung verschaffen, ist das Gichtmedikament Colchicin eine Alternative. Colchicin muss in den ersten 36 Stunden nach Beginn des Gichtanfalls eingenommen werden. Eine weitere Behandlungsmöglichkeit sind Kortisonpräparate in Form von Tabletten. Wenn ein einzelner Wirkstoff die Schmerzen nicht ausreichend lindert, können die Behandlungen kombiniert werden. Das betroffene Gelenk zu kühlen, hilft wahrscheinlich ebenfalls und wird von vielen Menschen als angenehm empfunden.

Das Ziel der langfristigen Gichtbehandlung ist, den Harnsäurespiegel dauerhaft zu senken. Dies soll weiteren Gichtanfällen vorbeugen und verhindern, dass die Erkrankung chronisch wird. Der Harnsäurespiegel lässt sich durch allgemeine Maßnahmen wie das Vermeiden bestimmter Lebensmittel senken. Es kann aber auch nötig sein, dauerhaft Medikamente einzunehmen. Sie werden zum Beispiel eingesetzt, wenn sich die Gichtanfälle häufen oder bereits Gichtknoten entstanden sind. Wenn man eine langfristige medikamentöse Behandlung beginnt, wird der Harnsäurespiegel alle zwei bis drei Monate gemessen. Dadurch soll sichergestellt werden, dass er sich unter dem Wert befindet, ab dem sich Kristalle bilden könnten.

Leben und Alltag mit Gicht

Die Schmerzen bei einem Gichtanfall können sehr einschränkend sein und viele Alltagsaktivitäten unmöglich machen. Gehen, Fahrradfahren, Schuhe anziehen oder etwas greifen und halten, können zur Herausforderung werden. Manche Menschen entwickeln aber mit der Zeit ein Gefühl dafür, wenn sich ein Schub anbahnt, etwa, weil das betroffene Gelenk vor dem Schub zwickt, kribbelt oder sich dumpf oder steif anfühlt. Sie bereiten sich dann mit unterschiedlichen Strategien auf den Schub vor. Zum Beispiel erledigen sie bestimmte Tätigkeiten, bevor die Schmerzen stärker werden, damit sie die betroffenen Gelenke während des Anfalls schonen können. Ein Gichtanfall schränkt aber nicht nur körperlich ein. Ein erholsamer Schlaf kann unmöglich sein und die Beschwerden können aufs Gemüt schlagen. Meist ist man nicht in der Lage, zur Arbeit zu gehen oder den Haushalt zu erledigen.
Während eines akuten Gichtanfalls kann jede Art von Druck auf die betroffenen Gelenke schmerzhaft sein, wie körperliche Bewegung und sanfte Berührungen.

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