Beckenschiefstand

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Das Becken verbindet die Wirbelsäule mit den Beinen, das aus den beiden Hüftbeinen und dem Kreuzbein bestehen. Diese zusammen bilden den Beckengürtel. Das Becken spielt eine wichtige Rolle für die gesamte Körperhaltung. Normalerweise befindet es sich in einer annähernd waagerechten Position. Wie viele Menschen unter einem Beckenschiefstand leiden, ist nicht genau bekannt. Schätzungen zufolge sollen etwa zwei von drei Menschen in den westlichen Industrienationen einen Beckenschiefstand aufweisen. Ist der Beckenschiefstand nur gering vorhanden, fällt er meist nicht auf und führt somit auch nur selten zu Problemen. Denn ein leichter Beckenschiefstand wird vom Körper ausgeglichen, dadurch ist eine Behandlung selten erforderlich.
Ist der Beckenschiefstand jedoch stärker ausgeprägt, muss sich die Wirbelsäule stark verkrümmen, um diese Fehlhaltung auszugleichen. Experten sprechen dann von einer sogenannten Skoliose. Ein Beckenschiefstand und eine damit verbundene Skoliose verursachen zunächst meist keine Schmerzen. Erst im Laufe der Zeit kann es nach längerem Sitzen oder Stehen im unteren Rücken zu Beschwerden kommen.

Diagnose eines Beckenschiefstands

Um einen Beckenschiefstand festzustellen, bedarf es in der Regel keiner aufwändigen Diagnose. Einen deutlichen Beckenschiefstand kann der Arzt durch Abtasten der Beckenknochen und der Wirbelsäule erkennen. Dabei betrachtet er das Becken von hinten im Stehen und vergleicht die Höhen der äußeren Beckenknochen miteinander. Um einen möglichen Beckenschiefstand genauer beurteilen zu können, ist eine Röntgenuntersuchung von vorne und von der Seite erforderlich. Auf den Röntgenbildern lässt sich genau erkennen, ob eine Beinlängendifferenz für den Beckenschiefstand verantwortlich ist.
Anhand einer 3D-Wirbelsäulenmessung kann der Orthopäde den Beckenschiefstand genau ermitteln. Hierbei handelt es sich um ein neues Untersuchungsverfahren, bei dem der Körper des Patienten mit Lichtstrahlen vermessen wird. Dabei projiziert der Arzt mit einem Lichtprojektor mehrere, parallele Messlinien auf den Rücken des Patienten. Eine Kamera erfasst den Verlauf der Linien und gibt die Daten an einen Computer weiter, der sie anschließend verwertet. So ergibt sich auf dem Computer ein genaues dreidimensionales Bild der Wirbelsäule und des Beckens. Weil bei der 3D-Wirbelsäulenmessung keine Röntgenstrahlung zum Einsatz kommen, kann der Arzt das Verfahren beliebig oft wiederholen, was gerade bei Kindern ein großer Vorteil ist.

Symptome eines Beckenschiefstands

Hier können verschiedene Symptome dafür verantwortlich sein:

♣ Rückenschmerzen,
♣ Nackenschmerzen,
♣ Schulterschmerzen,
♣ Knieschmerzen,
♣ Kopf- oder
♣ Zahnschmerzen

Die wenigsten Menschen haben ganz exakte Beinlängen. Somit muss nicht bei jedem ein Beckenschiefstand zu Grunde liegen. Oft ist eine Beinlängendifferenz die Folge muskulärer Verspannungen von Gesäß-und Rückenmuskulatur. Hier weicht das Becken sozusagen aus, um Schmerzen zu vermeiden.
Oder wenn eine Körperhälfte besser trainiert ist als die andere, kann das Becken aus dem Gleichgewicht kommen. Bei diesem muskulären Ungleichgewicht, hat es oft den Anschein, dass ein Bein länger ist als das andere, obwohl das nicht der Fall ist. Experten sprechen dann von einer sogenannten „funktionellen Beinlängendifferenz“. Nur in wenigen Fällen steckt eine tatsächliche Beinlängendifferenz hinter dem Beckenschiefstand.

Ursachen eines Beckenschiefstands

Ein Beckenschiefstand kann verschiedene Ursachen haben, wie etwa eine verkrümmte Wirbelsäule, unterschiedlich lange Beine oder verspannte Muskeln. Bei einem Beckenschiefstand hängt der Verlauf vor allem von der Ursache und von dem Ausmaß der Fehlstellung ab. Ebenso spielt auch das Alter der Betroffenen eine entscheidende Rolle. Besonders häufig kommt ein Beckenschiefstand bei jungen Menschen vor, die sich noch im Wachstum befinden. Da die einzelnen Knochen des Menschen nicht immer im gleichen Tempo wachsen. Wächst ein Bein schneller als das andere, stellt sich zumindest kurzfristig ein Beckenschiefstand ein. Im weiteren Wachstumsverlauf gleichen sich die unterschiedlichen Beinlängen meist wieder aus.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen einem strukturellen und funktionellen Beckenschiefstand.

Struktureller Beckenschiefstand:

Wenn man sich gerade hinstellt und beide Beine gleich lang sind, befindet sich das Becken in einer waagerechten Position. Ist jedoch ein Bein länger als das andere, kippt das Becken im Stehen zu einer Seite. Sind unterschiedlich lange Beine für den Beckenschiefstand verantwortlich, spricht man von einem strukturellen Beckenschiefstand.

Funktioneller Beckenschiefstand:

Bei einem funktionellen Beckenschiefstand liegt keine echte Beinlängendifferenz vor. Vor allem muskuläre Verspannungen oder einseitig trainierte Muskeln führen dazu, dass das Becken in Schieflage gerät.

Wer jedoch im Alltag viel und lange sitzen muss, sich in der Freizeit wenig bewegt
und beim Sport oder im Alltag vor allem eine Körperseite belastet, trainiert sein Muskelsystem ungleichmäßig oder nur mangelhaft. Auf Dauer können sich dann sogenannte Muskeldysbalancen entwickeln, die unter Umständen Haltungsschwächen wie beispielweise einen Beckenschiefstand hervorrufen. Darüber hinaus können Bewegungsmangel und Fehlhaltungen zu Muskelverspannungen führen. Insbesondere Menschen, die viel oder falsch vor dem Computer oder im Auto sitzen, haben häufig mit verspannten Rückenmuskeln zu kämpfen. Bei Muskelverspannungen ist der Spannungszustand im Muskel erhöht, dadurch verkürzt sich der Muskel und fühlt sich hart an.

Wenn sich die Rücken- und Gesäßmuskeln nur auf einer Körperhälfte verspannen und verkürzen, kann dies einen Beckenschiefstand zur Folge haben. Löst sich die Verspannung, kehrt das Becken meist wieder in seine ursprüngliche Position zurück.

Therapiemaßnahmen bei einem Beckenschiefstand

Verschiedene Maßnahmen können dabei helfen, einen Beckenschiefstand zu beheben

♣ Chirotherapie,
♣ manuelle Therapie und
♣ Krankengymnastik, Physiotherapie

Wenn Muskelverspannungen oder muskuläre Dysbalancen der Grund für den Beckenschiefstand sind, können Kraft-oder Entspannungsübungen dazu beitragen, die Schieflage zu verbessern. Diese Trainings können dabei helfen, die Rückenmuskulatur sowohl zu dehnen als auch zu stärken.
Wer im Alltag oder im Sport vor allem eine Körperhälfte belastet, trainiert auch seine Muskulatur nur einseitig, was einen Beckenschiefstand begünstigt. Darüber hinaus führt dauerhaftes Sitzen zu Rückenschmerzen und Haltungsschäden, das ebenfalls einen Beckenschiefstand zur Folge haben kann. Mit speziellen Übungen zur Kräftigung des Rückens, können Muskeldysbalancen ausgeglichen und somit eine aufrechte, symmetrische Haltung gefördert werden. Sobald sich die Verspannungen lösen, kehrt das schiefe Becken wieder in seine ursprüngliche waagerechte Position zurück.
Lässt sich der Beckenschiefstand auf unterschiedliche Beinlängen zurückführen, verordnen Ärzte meist eine Sohlenerhöhung, sprich spezielle Einlagen für die Schuhe. Beinlängendifferenzen von bis zu einem Zentimeter lassen sich gut mit einer Ferseneinlage ausgleichen. Bei einem Unterschied von bis zu drei Zentimetern, muss zusätzlich der Absatz, oder die komplette Schuhsohle erhöht werden.

Falls sich die Beinlängen jedoch um mehr als 3 Zentimeter unterscheiden, kann eine operative Beinverlängerung oder -verkürzung infrage kommen. Eine Operation kommt bei einer Beinlängendifferenz und einem daraus resultierenden Beckenschiefstand aber nur selten infrage.
Eine operative Beinverlängerung ist eine langwierige Behandlung und kann je nach Ausmaß mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Bei dieser Methode bohrt der Orthopäde den Knochen an, sodass eine künstliche Wachstumsfuge entsteht. Anschließend fixiert er das Bein mit einem Gestell, das den Knochen ganz leicht auseinanderzieht. Im Laufe der Zeit wächst der Knochen wie bei einem Kind nach, nur etwas schneller.

Einem Beckenschiefstand vorbeugen

Einem Beckenschiefstand kann man nur bedingt vorbeugen. Vielmehr ist es ratsam, mit regelmäßiger Bewegung den Rücken zu stärken und so für eine aufrechte Haltung zu sorgen. Speziell wenn man im Alltag oft und lange vor dem Computer sitzt, ist es wichtig, die Muskeln zu trainieren.
Dazu muss man nicht gleich im Fitnessstudio Gewichte stemmen. Oft reicht es aus, wenn man sich im Alltag etwas mehr bewegt, wie etwa:

♣ die Treppe statt dem Aufzugs nehmen
♣ regelmäßig spazieren gehen
♣ häufiger mit dem Fahrrad fahren

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