Die physiotherapeutische Begleitung bei der Behandlung des Morbus Perthes, ist sehr entscheidend und wichtig für den Genesungsverlauf. Sie hat die Aufgabe, die Beweglichkeit des Gelenkes zu erhalten bzw. wieder zu erlangen. Muskeln, Bänder und Sehnen sollen in ihrer Aktivität möglichst erhalten bleiben und durch Bewegung ohne Belastungsdruck, kann das Gelenk die nötigen Maßnahmen zur Regeneration bilden. Zweimal pro Woche sollte man eine Therapie bei einem professionellen Physiotherapeuten in Anspruch nehmen. Dabei müssen die Eltern täglich mit ihren Kindern, die vorgeschriebenen Übungen zu Hause machen, die der Physiotherapeut ihnen gezeigt hat. Man sollte es aber mit den Übungen nicht übertreiben, sonst wehren sich die Kinder dagegen und es ist der Heilung nicht unbedingt förderlich.

Bei einem Gelenkerguss (schmerzhafte Entzündung im Hüftgelenk) sollte die Physiotherapie und sportliche Aktivitäten ausgesetzt werden. Unterstützend dazu werden entzündungshemmende Medikamente vom Arzt verordnet. Während der Entzündung die etwa 14 Tage beträgt sollte der Patient sich sehr wenig bewegen.

Morbus Perthes -Physiotherapeutischer Behandlungsleitfaden

Da sich die Erkrankung über 2 -3 Jahre erstreckt ist es entscheidend, den Eltern eine möglichst weitgehende Selbstständigkeit im Management der Erkrankung zu geben. Sie müssen jedoch über die Auswirkungen der Erkrankung genauestens informiert und im Erkennen von Symptomen und der Therapiemaßnahmen geschult werden. Die Aufgabe der Physiotherapie ist insbesondere die Hilfe zur Selbsthilfe. Die Erkrankung führt während des Zerfalls und des anschließenden Wiederaufbaues des Hüftkopfes zu einer vorübergehenden Belastbarkeitsverminderung im betroffenen Hüftgelenk.

Während der Erkrankung sind folgende Richtlinien zu beachten:

  • Extrembelastungen meiden, das heißt nicht Springen, kein Schlittschuh laufen, keine Kräftigung der Hüftmuskeln, kein Inline-Skaten und die Befreiung vom Schulsport
  • Bewegungen unter reduzierter Belastung fördern die Situation, wie Schlingenaufhängung zur hubfreien Flexion und Abduktion, oder Bewegungen im Wasser

Zeigt das Kind Überlastungssymptome, sollte das Gelenk bis zum Abklingen der Symptome vorübergehend (teil-)entlastet werden. Es gilt die Regel: Soviel Entlastung wie nötig, soviel Alltag wie möglich! Sind die klinischen Symptome rückläufig, können auch die Entlastungsmaßnahmen entsprechend reduziert werden. Um den Eltern die Möglichkeit zu geben den Reizzustand des Gelenkes zu beurteilen, müssen sie die Beweglichkeitsprüfung des Hüftgelenkes erlernen und in regelmäßigen Abständen durchführen. Erforderliche Maßnahmen beim Auftreten von Überlastungssymptomen:

  • Schritte sparen und unnötige Gehstrecken meiden, kein Fahrradfahren,
  • Unterarm-Gehstützen, evtl. Rollstuhl für bestimmte Tagesabschnitte. Je größer die Einschränkung, umso konsequenter muss entlastet werden.
  • Verordnung einer Heim-Traktionsvorrichtung (1-5 x täglich, mindestens 20 Minuten). Je größer die Einschränkung, umso häufiger muss geübt werden!
  • Mobilisation des Hüftgelenkes

Die Eltern erlernen ein physiotherapeutisches Bewegungsprogramm in die Abduktion und in die Extension, dass sie täglich mehrmals mit dem Kind durchführen. Die Intensität und Quantität der Übungen, sowie die Anzahl der Übungseinheiten sind wiederum vom Grad der aktuellen Beweglichkeit des Hüftgelenkes abhängig. Je größer die Einschränkung, umso intensiver und häufiger muss geübt werden. Bewegungen „in den Schmerz“ dürfen nur in Ausnahmen und nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

Nach dem Wiederaufbau des Hüftkopfes und der Wiedererlangung der Vollbelastbarkeit ist es notwendig den Trainingszustand des Kindes bezüglich Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit zu überprüfen und Defizite auszugleichen. Entlastungsmaßnahmen sind dann nicht mehr weiter notwendig und sollten auch nicht beibehalten werden.

Übungsplan bei einem kleinen Kind mit Morbus Perthes

  • In Rückenlage beide Füße aufstellen, ein Bein ausstrecken und den Fuß nach außen bewegen.
  • Das betroffene Bein gestreckt nach außen bewegen und bis zur Mitte zurück
  • Das betroffene Bein 90° anwinkeln und leicht von außen dagegen drücken, das Bein soll sich nicht bewegen.
  • Das Knie des betroffenen Beines nach oben herausschieben.
  • Beide Beine anwinkeln und einen Ball über die Beine auf den Bauch rollen lassen.
  • Beide Knie auf die rechte und linke Seite bewegen.
  • In Seitenlage das betroffene Bein angewinkelt abheben und nicht absinken.
  • In Seitenlage das betroffene Bein anwinkeln und anschließend das Knie nach außen bis zur Mitte und zurückbewegen.
  • Wenn möglich nicht im Kniestand sitzen, sondern auf einem Hocker.

Wichtig: Die Übungen sollten keine Schmerzen verursachen, wenn möglich jeweils 5 Wiederholungen.

Physiotherapieanleitungen (1 x täglich mind. 45 Minuten)

Rotieren:

Rückenlage, Bein anwinkeln (90 Grad), Unterschenkel locker halten und mit der anderen

Hand am Knie halten, das Bein locker nach außen kreisen lassen.

Flexion:

In Rückenlage das gesunde Bein gestreckt halten, das betroffene Bein beugen und strecken.

Innen- und Außenrotation:

Mit beiden Händen oberhalb und unterhalb vom Knie nach innen und außen walken. Bei dieser Übung, gleich den angespannten Innenschenkelmuskel mit dem Handballen locker massieren.

Abduktion (Abspreizung):

Griff unter den Unterschenkel, Fuß liegt in der Ellenbogenbeuge auf, Bein gerade nach außen

Ziehen und dabei das Becken fixieren.

Außenrotation:

Bein 90 Grad anwinkeln, Arm unter den Unterschenkel und unter dem Knie festhalten. Das Becken

Fixieren und nach außen rotieren.

Innenrotation:

Bein 90 Grad anwinkeln, Arm unter den Unterschenkel und unter dem Knie festhalten. Das Becken

Fixieren und nach innen rotieren.

Außenrotation:

In Bauchlage das betroffene Bein anwinkeln, das andere bleibt gestreckt. Den Fuß als Hebel benutzen, das Becken fixieren (nach unten drücken) und nach außen rotieren.

Innenrotation:

In Bauchlage das betroffene Bein anwinkeln, das andere bleibt gestreckt. Den Fuß als Hebel benutzen, das Becken fixieren (nach unten drücken) und nach innen rotieren.

Extension (Streckung):

In Bauchlage das Bein anwinkeln, Fuß auf dem Arm in der Ellenbogenbeuge ablegen und mit der Hand unters Knie greifen. Becken fixieren (nach unten drücken), und Bein/Knie nach oben anheben/ strecken.

Dehnung des Hüftbeugers:

In Rückenlage den Unterschenkel im 90 Grad-Winkel über die Kante der Liege herabbaumeln lassen.

Das betroffene Bein anwinkeln und Knie Richtung Brust schieben/drücken, anderes Bein (Griff am Knie) sanft nach unten drücken.

Physiotherapie-Behandlung nach der Methode Vojta

Das komplexe Diagnostik- und Therapiesystem wurde in den 60er Jahren von dem Kinder- und Erwachsenenneurologen Dr. Vojta, der seit 1975 im Kinderzentrum München tätig ist, entwickelt.

Das System beruht auf empirischen Beobachtungen von Bewegungsabläufen der motorischen Entwicklung im 1. Lebensjahr. Im Fortbewegungsprinzip VOJTA werden in bestimmten Ausgangslagen (Rückenlage, Seitenlage, Bauchlage) über definierte Zonen am Rumpf und an den Extremitäten Reize gesetzt. Diese bewirken Haltungs- und Bewegungsmuster, die den ganzen Körper, einschließlich der Hände, Füße und des Gesichts erfassen: das Reflexkriechen und das Reflexumdrehen. Sie beinhalten die für jede Fortbewegung untrennbaren Komponenten: die Aufrichtung gegen die Schwerkraft, die zielgerichtete Bewegung und die dynamische Anpassung der Körperlage. Neben der physiologischen Einstellung der Wirbelsäule und der Kugelgelenke, sowie einer differenzierten Muskelarbeit, sind eine Vertiefung der Atmung und eine Aktivierung des Kreislaufes zu beobachten.

Das Fortbewegungsprinzip VOJTA ist als Basistherapie in allen klinischen Bereichen (Kinderheilkunde, Orthopädie, Chirurgie, Neurologie, u.a.) unabhängig vom Alter des Patienten einsetzbar.

Über diese Therapieform werden ohne zu trainieren und zu üben, grundlegende Voraussetzungen geschaffen, auf die andere Therapieformen aufbauen können. Die Behandlung ist durch Kombination und Variation der Zonen und den Möglichkeiten des Patienten anzupassen. Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist die konsequente Therapie von 3- bis 4-mal täglich. Der Therapeut ist für den individuellen Aufbau der Behandlung sowie für die Anleitung der Eltern verantwortlich.

 

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