Neue sowie laufend verfeinerte Diagnosemöglichkeiten und Behandlungsverfahren, stellen im Bereich der Hüfterkrankungen immer wieder Herausforderungen an Ärzte und Therapeuten dar. Die Sensitivität der Orthopäden im Bereich der Hüftprobleme hat sich seit Beginn des neuen Jahrtausends wesentlich gewandelt. Waren es bis Ende der 90er Jahre neben den eher seltenen schwerwiegenden Lehrbuchdiagnosen wie Morbus Perthes, Epiphysiolyse, Dysplasie, Hüftkopfödem/-nekrose oder Coxarthrose, noch hauptsächlich unspezifische Diagnosen wie Adduktorenzerrung, Synovitis (Gelenksschnupfen), so erlangte mit Anfang des letzten Jahrzehnts das sogenannte „Impingement“ einen immer höheren Stellenwert. Die häufigsten Hüftprobleme in der Sportorthopädie sind mit einem Anteil von über 50 Prozent, Symptome die unter den Begriff „femoroacetabuläres Impingement“ fallen. Die Problematik Hüftimpingement ist leider noch immer ziemlich ungenügend erforscht. Viele Physiotherapeuten sind deshalb oft ratlos und legen den Fokus auf die falschen Muskelgruppen. Zudem werden in der Regel nur Muskeln aufgedehnt und die entsprechenden Gegenspieler (Gesäßmuskulatur) nicht aktiv gestärkt. Des Weiteren reichen die verschriebenen paar Sitzungen oft nicht aus, um ein Impingement dauerhaft zu beheben. Dazu ist wie meistens im Leben viel Arbeit und Zeit nötig. Jedoch lohnt es sich die Zeit und Mühe zu investieren.

Konservative Behandlungsmethoden

Nicht jedes FAI muss operativ behandelt werden. Insbesondere bei nur geringen Fehlformen und bei Gelenken, die durch das Impingement noch nicht am Knorpel geschädigt wurden, kann eine gezielte konservative Behandlung erfolgreich sein. Den Schwerpunkt bildet ein konsequentes und regelmäßiges Muskeltrainingsprogramm, welches zum einen Teil aus einer Physiotherapie und zum anderen Teil aus selbstständigen Übungen besteht. Das Ziel ist es, eine ausgewogene Muskelbalance und eine gute Rumpfkraft zu entwickeln, um funktionelle muskuläre Schmerzen zu lindern und die Führung zum Schutz des Gelenkes zu verbessern. Unterstützend können entzündungshemmende Schmerzmittel verordnet und eventuell therapeutische Spritzen (Infiltrationen) in das Hüftgelenk injiziert werden. Die Formveränderung der Hüftkugel oder der Pfanne, kann durch eine konservative Therapie jedoch nicht beseitigt werden. Eine unsachgemäße Physiotherapie hat häufig sogar einen nachteiligen Effekt, da durch manche Bewegungsübungen das Impingement geradezu ausgelöst wird. Bei höhergradigen Fehlformen, bestehender oder beginnender Gelenkschäden und einer nicht erfolgreichen konservativen Therapie, sollte ein Hüftimpingement chirurgisch behandelt werden. Ein frühzeitiger Eingriff ist für die Erhaltung eines gesunden Hüftgelenks empfehlenswert

Sportphysiotherapie beim Hüftimpingement

Die Rehabilitation verletzter oder operierter Athleten gestaltet sich in den Grundzügen ähnlich wie bei weniger sportlichen Patienten. Die Orientierung an den Wundheilungsphasen der einzelnen verletzten Gewebestrukturen, ist bei beiden Gruppen enorm wichtig. Unterschiedlich sind allerdings die Ausgangssituation mit Trainingszustand, Koordination, Kraft, Ausdauer und vor allem das Ziel, sprich die volle Sportbelastbarkeit in möglichst kurzer Zeit. Daher wird normalerweise bei Leistungssportlern direkt nach der Operation, etwas aggressiver vorgegangen als bei anderen Patienten. Speziell Ausdauersportler haben außerdem etwas kürzere Regenerationszeiten der einzelnen Gewebe, was ein schnelleres Vorgehen zusätzlich rechtfertigt.

Bei den oben beschriebenen Hüfterkrankungen und den daraus resultierenden Rehabilitationsmaßnahmen muss häufig zusätzlich auf einen geschädigten hyalinen Knorpel Rücksicht genommen werden. Es gilt, die Turnover-Zeit (rund zehn Tage) um den eventuell schon vorgeschädigten Knorpel in einer Situation von schlechter Schmierung und Ernährung nicht übermäßig zu belasten. Die einzelnen Phasen der Rehabilitation sind individuell auf den jeweiligen Sportler und deren Sportart abzustimmen. So werden koordinative Skills und Maximalkrafttraining bei Radrennsportler weniger intensiv ausfallen, als beispielsweise bei Basketballspieler. Der (Wieder-)Aufbau der einzelnen sportmotorischen Grundlagen, bedarf einiges an Wissen und Erfahrung auf dem Gebiet der Sportphysiotherapie, sowie Kenntnis und Analysefähigkeit der belastenden Tätigkeiten während der Sportausübung. Aufbauend auf diese Grundlagen wird ein individuell abgestimmtes und Sportartspezifisches Rehabilitationsprogramm erstellt, durchgeführt, evaluiert und angepasst. Zumeist beinhaltet dieses zu Beginn viele koordinative Skills in verschiedenen, erlaubten Ausgangspositionen und Belastungen und anschließend ein Krafttraining. Speziell nach Cam- oder Pincer Resektion, welche unter anderem ein größeres Bewegungsausmaß des Hüftgelenks zum Ziel haben, sind neben den aktiven Übungen gerade in den ersten Wochen passive Maßnahmen zur Verbesserung der Mobilität besonders wichtig.

Nach Erreichen der ersten gesteckten Koordinations-, Mobilitäts- und Kraftziele wird ein Transfer gemacht, um die erworbenen Fähigkeiten und Sportarten spezifisch umzusetzen. Vielseitiges und zielorientierte Krafttraining und gegebenenfalls Übungen, um den ursprünglichen Verletzungsmechanismus wiederaufzubauen.

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