Die McMinn oder Hüftkappen-Prothese wird als Oberflächenersatz am Hüftgelenk eingesetzt. Im Gegensatz zur Vollprothese, wird bei dem Eingriff der Schenkelhals und Hüftkopf belassen und der arthrotisch veränderte Hüftkopf mit einer Metallkappe überkront. Das Verfahren ist auch vergleichbar mit dem Überkronen eines Zahnes. Am Becken wird eine Hüftpfanne eingesetzt, das mit einer normalen Vollprothese vergleichbar ist.

Der Erfinder Derek Mc. Minn wendet das System bis auf kleine Veränderungen am Implantat 1996, seit 1991 an. In Großbritannien wurden vom aktuellen Typ über 6000 Implantate, mit einer bisherigen Revisionsrate von 0,82% eingesetzt.

Der Einsatz einer McMinn Prothese an der Hüfte wird für folgende Patienten empfohlen:

  • Patienten bis zum 60. Lebensjahr mit schwerer Hüftarthrose.
  • Patienten zwischen 60 und 65 Jahren und wo eine hohe Aktivität vorliegt.
  • Bei Patienten über 65 Jahren eher zurückhaltend, auch bei entsprechendem Wunsch.
  • Bei Frauen wird wegen der meist geringeren Knochendichte ab dem 60 Lebensjahr abgeraten und eine herkömmliche Prothese empfohlen.

Wann kann ein Hüftoberflächenersatz nach McMinn am Hüftgelenk nicht mehr eingesetzt werden?

  • Starke Formveränderungen der gelenkbildenden Oberschenkelknochen
  • Stark veränderte Hüftpfannenform und Hüftpfannenlage
  • Schlechte Knochenqualität im Schenkelhals, wie bei Osteoporose, Hüftkopfnekrose oder Knochenzysten
  • Bei vorliegender Metallallergie, insbesondere Zink, Kobalt und Chrom, können Keramik ummantelte Prothesen erforderlich machen.

McMinn Prothese im Vergleich zur klassischen Hüft-TEP

Speziell bei jungen Patienten unter 55 Jahren, die bei Studien mit normalen Endoprothesen besonders schlecht abschnitten, profitieren von einer Oberflächenersatzprothese des Hüftgelenkes. Diese Hüftkappe stellt heute das Optimum der knochensparenden Operation bei der Hüftarthrose dar und ist eine echte Alternative zur konventionellen Hüftprothese. Denn gerade jüngere und aktivere Patienten sind auf eine lange Haltbarkeit der Hüftprothese angewiesen. Auf Grund der deutlich höheren Bewegungsaktivität dieser Patientengruppe, ist die Haltbarkeit normaler Hüfttotalendoprothesen vermindert. Denn nur 80% dieser Gruppe haben nach 10 Jahren noch eine intakte Hüft-TEP.

Die Oberflächenersatzprothese ist deutlich knochensparender, als die Standard-Hüftprothese. Da bei der herkömmlichen Hüft-TEP, der Hüftkopf immer zusammen mit dem Schenkelhals entfernt wird. Sollte eine Revision der Hüftteilprothese zur Hüftvollprothese erforderlich sein, steht für diesen Eingriff die gesamte Knochensubstanz eines noch nicht operierten Patienten als sogenannte Rückzugsmöglichkeit zur Verfügung. Die Revision einer Oberflächenersatzprothese (McMinn) ist somit einfacher und unkomplizierter zu operieren, als im Falle einer bestehenden Hüftvollprothese. Die Patienten mit einem Oberflächenersatz sind schneller zu mobilisieren als nach normalen Prothesen. Sie können das ersetzte Gelenk früher und intensiver belasten. Die Prothese darf im Normalfall nach dem Eingriff sofort belastet werden. Nur in Ausnahmefällen muss eine Entlastung von 6 Wochen eingehalten werden. Es werden stetig Systemverbesserungen durchgeführt, die eine konstante und exakte Positionierung der Prothesenkomponenten ermöglichen.

Vorteile einer McMinn Prothese

Der Vorteil des Oberflächenersatzes besteht darin, dass der natürliche Schenkelhals und der Kern des Hüftkopfes erhalten bleiben. Damit wird im Vergleich zur normalen Hüftprothese Knochensubstanz gespart. Für eine mögliche Revision der Hüftprothese im späteren Leben, steht dann noch wesentlich mehr Knochenmasse zur Verfügung. Vor allem kann nach Auslockerung eines Oberflächenersatzes als zweiter Schritt eine normale Prothese eingesetzt werden. Beim jungen Patienten ist dieser durch das Operationsverfahren der Hüfttotalendoprothese bedingten Knochenverlustes ungünstig, wenn im späteren Leben eine Wechseloperation notwendig wird. Zusätzlich bleibt die ursprüngliche Schenkelhalsgeometrie des Hüftkopfes erhalten, was dem Patienten ein „natürliches Gefühl“ des ersetzten Hüftgelenkes gibt. Viele Patienten mit McMinn-Prothese vergessen im Alltag sogar häufig, dass sie ein künstliches Hüftgelenk haben. Im wissenschaftlichen Sprachgebrauch spricht man bei diesem Phänomen von einer „forgotten hip“.

Die Oberflächenersatzprothesen neuerer Generationen bestehen vollständig aus Metall, wodurch deutlich weniger Abrieb und vor allem kein Kunststoffabrieb entsteht. Es findet auch bei diesen Prothesen ein Abrieb statt, dieser führt aber normalerweise nicht zu einer Zerstörung des Implantates oder zu einer Knochenzerstörung mit Lockerung. Die Knochensubstanz des Oberschenkelknochens bleibt somit vollständig erhalten.

Zusammenfassung aller Vorteile des Verfahrens mit einer McMinn Prothese:

  • Spätere Revisionsmöglichkeit
  • Kürzere Rehabilitation
  • Knochenschonendes Verfahren
  • Alternative zur Schaftprothese
  • Ermöglicht rasche Rückkehr in den Alltag
  • Schmerzarme Methode
  • Stellt die gesunde und natürliche Physiologie wieder her
  • Das „Vergessen“ der Prothese ermöglicht ein normales Leben

Nachteile einer McMinn Prothese

Der Einsatz eines Oberflächenersatzes am Hüftgelenk wurde in der Vergangenheit bereits mehrfach versucht- jedoch immer mit schlechten Ergebnissen. Grund dafür waren der große Abrieb durch die Verwendung von Kunststoff-Oberflächen und die ungenaue Positionierung der Implantate. Deshalb sind in letzter Zeit Metallprothesen anhand dieser Ergebnisse in Kritik geraten. Doch hier ist genau zu differenzieren, da es sich bei diesen Vorfällen entweder um „Nachahmerprodukte“ oder um Schaftprothesen, denen man Großköpfe aus Metall aufgesetzt hatte, gehandelt hat. Daher besteht bis heute eine erhebliche Skepsis gegenüber dieser Methode.

Die McMinn-Prothese ist nicht für jeden Patienten besser geeignet, als die Hüfttotalendoprothese. Bereits die Erfahrungsbasis von über 200.000 Hüft-TEPs pro Jahr in Deutschland sorgt für einen Erfahrungshintergrund was Materialien, Operationstechniken und Patientensicherheit betrifft, die weit über dem liegen, was für McMinn-Prothesen mittelfristig erreichen können. Neben den unbestrittenen Vorteilen gibt es bei McMinn-Prothesen derzeit auch bekannte Risiken, die Arzt und Patient sorgfältig abwägen müssen. Im Vergleich zu Hüfttotalendoprothesen sind McMinn-Prothesen wegen ihrer allgemein kürzeren Geschichte, als riskantere Operation anzusehen. Der Einsatz dieser Prothese muss also durch einen der oben genannten medizinischen Vorteile aufgewogen werden.

Neben technischen Einschränkungen sind Allergien gegen Metalle wie Kobalt, Chrom und Nickel vor einer Operation zu berücksichtigen. Diese Metallpartikel steigen nach einer Prothesenversorgung insbesondere mit einer Metall-Metall-Gleitpaarung im Blut an und können bisher unbekannte Wirkung im Körper entfalten. Hat der Patient eine Schwächung der Nierenfunktion, dann können sich diese Metalle im Blut anreichern. Eine Versorgung von Frauen mit Kinderwunsch muss wegen der unklaren Wirkung der Metalle, auf den heranwachsenden Embryo im Mutterleib sehr sorgfältig geprüft werden.

Im Laufe des Lebens nimmt die Knochendichte bei jedem Patienten ab. Im Rahmen der Osteoporose treten häufig spontan Brüche am Schenkelhals ein. Wird eine Hüftkappenprothese bei Patienten mit einem geschwächten Schenkelhals verwendet, ist das Risiko für einen Schenkelhalsbruch im Vergleich zur Hüfttotal-Endoprothese deutlich höher. Die konventionelle Hüftprothese ist bei diesen Patienten die bessere Alternative. Auch die langjährige Erfahrung dieses Implantat zu verwenden, ist ein klares Argument, ältere Menschen damit zu versorgen.

Mögliche Nachteile der Oberfächenersatzprothese zusammengefasst:

  • Höherer Metallabrieb als bei Keramik-Prothesen oder Metall-PET-Prothesen
  • Höhere Komplikationsrate bei kleinen natürlichen Oberschenkelköpfen (insbesondere bei Frauen)
  • Mehr Prothesenlockerungen als bei Vollprothesen
  • Geringere Auswahl an klinisch bewährten Prothesenmodellen
  • Keine Langzeittests über mehrere Jahrzehnte
  • Höhere Rate an Oberschenkelhalsbrüchen (bis zu 3% aller Patienten)

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