Dem Labrum des Hüftgelenks wird in den letzten Jahren zunehmend mehr Bedeutung geschenkt. Das Labrum ist ein knorpeliger Verstärkungsring (Lippe) der Hüftpfanne, der durch Verletzungen oder bei Überbeanspruchung einreißen kann. Eine Labrumläsion bedeutet daher ein Riss der Gelenklippe (Labrum).

Die Rolle des Labrums, besteht hauptsächlich aus Kollagenfasern. Beim gesunden Menschen umgibt eine dicke Ausstülpung aus Fasergewebe die Hüftgelenkpfanne. Das Labrum dient als Abdichtungsfunktion, die verhindern soll, dass bei Belastung des Gelenks keine Gelenkflüssigkeit austritt. Es wird ihm auch die Funktion der Gelenkdämpfung zugesprochen. Durch die glatte Oberfläche des Labrums wird das Gleiten des Oberschenkelkopfes in die Gelenkpfanne ermöglicht. Ist das Labrum jedoch gerissen, wird eine normale Bewegung des Hüftgelenks erschwert.

Bei einer Störung des Kopf-Schenkelhals-Überganges führt eine ständige Beugung zu einem frühen und verstärkten Kontakt, daher kann das Labrum mit der Zeit beschädigt werden. Am Anfang bilden sich oberflächliche Risse aus, die sich bei wiederkehrender Belastung vergrößern und dann eine vorzeitige Alterung der Lippe (Degeneration) nach sich ziehen. Nicht nur die Gelenklippe ist dabei betroffen, sondern auch der Knorpel. In der Folge führt die Ablösung des Labrums vom Pfannenrand zu einer Freilegung des Knorpels der Hüftpfanne, der damit vermehrten Scherkräften ausgesetzt ist. Diese Bewegungseinschränkung eines Labrumrisses kann unbehandelt und auf Dauer sogar zu einer Hüftarthrose führen.

Laprumriss

Was sind die Ursachen für einen Labrumriss?

Labrumläsionen im Hüftgelenk sind schon seit Jahrzehnten bekannt und treten ganz selten alleine auf. Labrumläsionen entstehen meist bei körperlicher Aktivität, besonders bei Sportarten mit sich immer wiederholenden Bewegungen, wie etwa Ballsportarten. Es kommen neben traumatischen Läsionen auch Dysplasien oder femuracetabuläre Impingements in Frage. Normalerweise finden sich Labrumläsionen bei allen fortgeschrittenen Koxarthrosen, die langfristig und nachhaltig den Knochen oder Knorpel des Hüftgelenks schädigen. Sie können aber auch durch Verletzungen oder Krankheiten hervortreten, die den Knochen oder Knorpel des Hüftgelenks in Mitleidenschaft ziehen. Es kann auch bei einer Hüftdysplasie zu Veränderungen des Labrums kommen. Bei kleineren Läsionen sind oft Symptome zu bemerken, jedoch wird meist ein klemmender oder stechender Schmerz im Gelenk während bestimmten Bewegungen wahrgenommen. Diese Bewegungen verursachen dann Schmerzen und können so den alltäglichen Bewegungsumfang des Gelenks einschränken.

Frühere wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass ein erhöhtes Auftreten von Labrumläsionen, bei älterer Menschen vorzufinden ist. Da Labrumrisse häufig im Endstadium der Hüftgelenksarthrose auftreten. Umso alarmierender sind daher Labrumläsionen bei jungen Menschen, da es sich um ein Warnsignal für eine beginnende Knorpelschädigung handeln kann. Derzeit besteht eine Häufigkeit von etwa 10-15 % bei jungen Menschen mit Labrumläsionen.

Wie erfolgt die Diagnosestellung bei der Labrumläsion?

Bei den meisten Labrumverletzungen wird bei bestimmten Bewegungen ein einklemmender oder stechender Schmerz im Hüftgelenk (zwischen Knochenpfanne und Schenkelhals) wahrgenommen, der den normalen Bewegungsumfang des Gelenks beeinträchtigt. Manche Patienten sprechen über unspezifische Hüftschmerzen, deren Ursache auch im Röntgenbild nicht erkennbar ist. Zusätzlich zu den Schmerzen werden auch plötzlich auftretende Blockierungen im Gelenk sowie ein spürbares Klicken beschrieben. Die Computertomographie oder Magnetresonanz- Tomographie der Hüfte kann manchmal ungenaue Ergebnisse liefern. Zudem ist die Symptomatik bei Verletzungen des Labrums am Hüftpfannenrand in einigen Fällen schwer von einem Leistenschmerz zu unterscheiden.

In einigen Fällen lässt sich die Symptomatik bei Verletzungen des Labrums am Hüftpfannenrand schwer von Leistenbeschwerden unterscheiden, da Patienten auch über plötzlich eintretende Leistenschmerzen klagen. Die Anamnese eines Rotationsmechanismus unmittelbar vor Auftreten der ersten Beschwerden, sowie ein positiver Schmerzprovokationstest, sind die effektivsten Methoden einer genauen Diagnose. Dabei wird die Hüfte des Patienten auf 90 Grad gebeugt und nach innen gedreht. In der Arthroskopie ist ein Labrum-Einriss sicher zu diagnostizieren. Für eine präoperative Diagnose empfiehlt sich eine MR- Arthrographie, besonders dann empfehlenswert, wenn ein operativer Eingriff ansteht. In der MR-Arthrographie (MRA) kann zwischen Labrumdegeneration (Stadium I), Labrumeinriss (Stadium II) und Labrumabriss (Stadium III) unterschieden werden. Leichte Labrumveränderungen zeigen im MRA eine Signalanhebung im Zentrum des Labrums, ohne dass eine Beziehung zur gelenkseitigen Labrumoberfläche besteht. Diese Veränderung ist nachweisbar und entspricht einer Rückbildung. Mittelgradige Labrumveränderungen zeigen eine einfache zur gelenkseitigen Labrumoberfläche reichende Signalanhebung. Hochgradige Labrumveränderungen weisen eine komplette Unterbrechung des Labrums auf, das auf einen vollständigen Labrumabriss hindeutet. Eine rechtzeitige Behandlung des Labrums, kann eine Arthrose des Hüftgelenks vorbeugen.

Vorgehensweise bei einer Operation

Haben sich degenerativ bedingte Labrumeinrisse gebildet, können sie körperschonend entfernt werden. Ist die biologische bzw. mechanische Qualität des Labrums noch gut, lässt sich dieses vorzugsweise wieder annähen bzw. reparieren. Erfolgt eine Arthroskopie an der Hüfte, kann eine Teilresektion des Labrums vorgenommen werden ohne dass ein Eingriff am Oberschenkelhals erfolgen muss. Dabei macht der Chirurg zwei oder drei kleinere Zugänge und bringt durch diese ein optisches System sowie spezielle medizinische Instrumente in den Körper ein. Im Anschluss daran wird das Labrum teilweise herausoperiert oder in seine Ursprungsposition gebracht und befestigt, was für den Patienten nur wenig belastend ist.

Ist bei einem jungen Patienten zu wenig guterhaltenes Labrum mehr vorhanden, wird der Hüftexperte versuchen, dies durch ein körpereigenes Transplantat aus einem mehreren Zentimeter breiten Sehnenstreifen des Oberschenkels, zu ersetzen. So werden die Versorgung des Gelenkknorpels und die Funktionsfähigkeit des Labrums wiederhergestellt.

Die Prognose bei einer Labrumläsion hängt von dem Ausmaß und der Schwere der Hüfterkrankung ab. In vielen Fällen gilt die Labrumläsion, besonders bei chirurgischen Eingriffen, als gut behandelbar und endet meist erfolgreich für den Patienten. Doch je früher ein chirurgischer Eingriff durchgeführt wird, desto geringer sind die Folgeschäden eines Labrumdefekts.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus beträgt oft nur wenige Tage und ist vom Schwellungszustand und Mobilität des Patienten abhängig. Die Nachbehandlung richtet sich nach dem durchgeführten Eingriff. Die Behandlungsmöglichkeiten bei Labrumläsionen reichen von physikalischer Therapie, über intraartikuläre Injektionen, entzündungshemmende Medikamente bis hin zu arthroskopischen Operationen. Abhängig vom Verletzungsgrad der Hüftgelenklippe, kann im Rahmen einer Arthroskopie das Labrum entweder geglättet, entfernt oder in manchen Fällen sogar wieder komplett angenäht werden. Ziel des operativen Eingriffs ist die Schmerzlinderung und ein Fortschreiten der Knorpelabnützung möglichst lang hinauszögern.

In der Regel lässt sich die Labrumläsion erfolgreich behandeln, so sind die Heilungsaussichten nach einem operativen Eingriff sehr optimistisch einzuordnen. Doch bis zur vollkommenen Genesung ohne Schmerzen, kann es bis zu einem Jahr dauern. Nur in seltenen Fällen bleiben geringe Restbeschwerden zurück. Etwa 4-6 Wochen nach dem Eingriff, wo die Heilung des Knochens stattfindet, sollten Stützhilfen wie Krücken, zur Entlastung verwendet werden. Anschließend können auch wieder sportliche Aktivitäten mit einer gewissen Vorsicht unternommen werden. Starke und intensive Belastungen sind jedoch nach einer Entfernung der Gelenklippe nicht empfehlenswert. Rechtzeitig angewendet, ist die Naht der Gelenk-Lippe durch eine Hüftarthroskopie ein direkt wirkender operativer Eingriff. Durch eine Labrumnaht kann einer Hüftarthrose effektiv vorgebeugt werden.

Zusammenfassend ist die Mobilisation und Aktivität nach dem Eingriff abhängig vom durchgeführten Eingriff, daher erhält jeder Patient ein individuell abgestimmtes krankengymnastisches und physiotherapeutisches Übungsprogramm.

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