Herkömmliche Prothesen reichen mit ihrem Stiel weit in den Markraum des Oberschenkels und werden als diaphysäre Hüftprothesen bezeichnet. Die oberen Abschnitte des Knochens werden vom Druck entlastet und der Knochen bildet sich etwas zurück. Dies ist im Allgemeinen unbedenklich, doch falls es im Lauf der Jahre zu der Notwendigkeit einer Erneuerung des Gelenkes kommt, kann die Knochenqualität im oberen Abschnitt des Oberschenkels so schlecht werden, dass eine neue Prothese nur unter Schwierigkeiten verankert werden kann. Für jüngere Patienten, die mit einiger Wahrscheinlichkeit eine Erneuerung der prothetischen Versorgung benötigen, haben sich seit längerem Prothesen bewährt, die eine Entlastung des gelenknahen Knochens konstruktionsbedingt vermeiden. Diese werden mit einem kurzen Schaft im Bereich des Oberschenkelknochens fixiert. Die Kurzschaftprothese ist sozusagen als „Vorprothese“ anzusehen. Für Patienten über 65 Jahren stellen die bisherigen Hüftprothesen ausgezeichnete und sichere Implantate dar.

Die Kurzschaft-Hüft-TEP ist eine abriebarme Versorgung mit Keramikkopf, für jüngere Patienten mit Hüftarthrose. Die Kurzschaftprothese oder Oberflächenersatz, ist eine Knochensparende Hüftprothese die zementfrei implantiert wird. Sie kommt vorwiegend bei Hüftarthrose zum Einsatz. Sie wird durch Druck im elastischen Knochen verklemmt und stützt sich am intakten Schenkelhals ab. In den kommenden Wochen wächst der Knochen in die Oberfläche der Prothese ein und es kommt zu einer großflächigen Verzahnung mit dem Implantat. Auch bei Wechseloperationen ist die einwachsende Prothese einfacher auszutauschen, als eine zementierte Prothese.

Bei jüngeren Patienten ist häufig eine Formabweichung des Hüftgelenks die Ursache der Hüftarthrose. Eine Hüftkopfnekrose kann den Ersatz des Hüftkopfes erzwingen, wenn die gelenkerhaltende Behandlung nicht gelingt. Auch eine gelenknahe Fraktur des Hüftgelenks kann eine Prothesenversorgung erforderlich machen. Bei älteren Patienten über 65 Jahren kommt meist die konventionelle Geradschaftprothese zum Einsatz. Die finale Entscheidung für oder gegen die Kurzschaftprothese, sollte im Einzelfall mit dem operierenden Arzt besprochen werden.

Kurzschaftprothese im Vergleich zur klassischen Hüft-TEP

Die Kurzschaftprothese hat, wie der Name schon sagt, im Vergleich zur Standard-Hüft-TEP, einen deutlich verkürzten Prothesenschaft. Im Vergleich zur Standard-Hüfttotalendoprothese, wird der Oberschenkelknochen weniger ausgehöhlt. Dabei bleiben große Teile des Schenkelhalses erhalten, was im Gegensatz zu einer Geradschaftprothese nicht möglich ist. Noch weniger Knochenverlust hat nur die Kappenprothese des Hüftgelenks. Die Kurzschaftprothese ist nach bisherigen Erkenntnissen ähnlich gut haltbar, wie die bewährten zementfreien Geradschaftprothesen.

Die Kurzschaftprothese hat im Vergleich zur klassischen Hüft-TEP einen stark verkürzten Prothesenschaft. Dieser Schaft wird stets zementfrei als einwachsende Prothese in den Oberschenkel implantiert. Für ein haltbares Ergebnis der Kurzschaftprothese, benötigt der Patient eine gute Knochenqualität. Daher ist eine Osteoporose eine Kontraindikation für die Verwendung der Kurzschaftprothese. Die computergestützte Prothesenplanung berücksichtigt all diese Faktoren. Daher wird vor jeder Operation eine entsprechende Planung mit Computersimulation durchgeführt, um ein geeignetes Prothesenmodell festzulegen.

Vorteile der Kurzschaftprothese

Die langfristige Verbindung lebenden Knochens mit künstlichen Materialien ist aus verschiedenen Gründen zeitlich begrenzt. Materialverschleiß oder Umbauvorgänge in der lebenden Substanz führen langfristig zur Lockerung der eingesetzten Kunstgelenke. Wenn ein Wechsel des Kunstgelenkes erfolgen muss, sind die knöchernen Lager der Prothesenteile oft so stark geschädigt, sodass das folgende Kunstgelenk schlechtere Zukunftsaussichten besitzt. Kurzschaftprothesen führen meist nicht zu diesen Veränderungen mit Verschlechterung der Knochenstruktur und es liegen bessere Verhältnisse der knöchernen Strukturen vor, als bei Prothesen mit Stielen.

Immer häufiger werden Patienten unter 50 Jahren wegen fortschreitender Hüftarthrose mit einer Hüftprothese versorgt. Bei diesen jungen Patienten ist wegen des normalen Verschleißes eines Kunstgelenks, eine Wechseloperation der Hüftprothese nach 20 oder 25 Jahren wahrscheinlich. Durch eine Knochensparende Operation der Hüftprothese wird versucht, möglichst gute Voraussetzungen für einen erfolgreichen Prothesenwechsel zu schaffen.

Die ersten Ergebnisse dieses Prothesentyps sind sehr viel versprechend. In der funktionellen Nachuntersuchung schneiden Kurzschaftprothesen etwa genauso gut ab, wie die klassischen zementfreien Prothesen. Damit kommen sie, wenn sie für den richtigen Patienten ausgewählt wurde, unter Hinblick der günstigeren Bedingungen für eine Wechseloperation in Frage. Bei guter Knochenqualität ist die Hüft-TEP mit Kurzschaft sehr sicher und erzielt gute Prognosen.

Der wesentliche Vorteil einer Kurzschaftprothese ist, dass anhand des kürzeren Schafts weniger vom Oberschenkelhalsknochen ausgehöhlt werden muss, um die Prothese im Anschluss einbringen zu können. So bleibt ein großer Anteil des Knochens erhalten, die dadurch funktionell und anatomisch mehr dem ursprünglichen, gesunden Oberschenkelhalsknochen entsprechen. Das sind optimale Voraussetzungen, falls eine zweite Operation für einen Prothesenwechsel notwendig ist.

Nachteile der Kurzschaftprothese

Kurzschaftprothesen werden erst seit einigen Jahren implantiert, dadurch gibt es noch keine Langzeitstudien und somit nicht genügend Informationsmaterial für diese Methode. Ein Nachteil der Kurzschaftprothesen ist die zementfreie Implantation. Der Einheilungsvorgang sprich die Dauer bis zur vollständigen Belastbarkeit des Patienten, kann länger dauern als bei einer zementierten Prothese oder bei einem zementierten Oberflächenersatz. In der Stabilisierungsphase können gelegentlich Anzeichen von Belastungs- oder Knochenschmerzen auftreten. In seltenen Fällen (bei etwa 3%) kann das Einwachsen und die knöcherne Stabilität ganz ausbleiben, sodass eine erneute Operation oder ein Wechsel auf ein anderes Prothesenmodell notwendig wird. Andererseits bedeutet eine Erfolgsrate von über 95% für junge Patienten eine gute Chance, die herkömmliche Prothese in das hohe Lebensalter hinauszuschieben oder ganz zu vermeiden. Nur sehr selten (< 1%) treten Ermüdungsbrüche im Bereich der Verschraubung des Laschenkopfes auf.

Eine kleine Prothese heißt nicht automatisch auch „kleinere“ Operation. Der Einsatz einer Kurzschaftprothese stellt eine schwierige Operation dar, die nur in speziellen und erfahrenen Kliniken durchgeführt wird. Die Anwendung eines minimalinvasiven Zugangs bei der Operation ist aber prinzipiell möglich. Die Einheilung der Prothese in den Knochen ist ein natürlicher, Zeit benötigender Vorgang. Extreme Belastungen, die zur Verformung des elastischen Knochens führen, können die Einheilung stören und sollten in den ersten 6 bis 8 postoperativen Wochen vermieden werden.

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