Das Hüftgelenk wird aus dem Kopf des Oberschenkelknochens und der Hüftgelenkspfanne gebildet. Beide Strukturen sind mit Knorpel überzogen. Die Knorpelstruktur und Gelenkflüssigkeit sorgen dafür, dass bei Bewegungen keine Reibungen und Schmerzen entstehen. Falls ein Knorpelschaden vorliegt, wie ein Riss im Knorpelgewebe, kann es zu Schmerzen kommen, die unter Umständen behandelt werden müssen. Es kann sich hierbei um einen kleinen Spalt handeln, aber auch deutlich größere Ausmaße annehmen. Problematisch bei einem Knorpelschaden ist, dass der Knorpel nicht, wie die meisten anderen Strukturen in unserem Körper, über eine eigene Blut- oder Nervenversorgung verfügt, sondern größtenteils über die umliegenden Strukturen mitversorgt wird. Falls Knorpelgewebe zu Schaden kommt, ist eine körpereigene Regeneration meist aus diesem Grund nur sehr eingeschränkt möglich. Normalerweise gewährleistet der Aufbau des Knorpels eine schmerzfreie und optimale Bewegung im Gelenk. Durch ihn können die beiden beteiligten Knochen, vom Oberschenkel und der Hüfte, umher gleiten und alltägliche Bewegungen, wie Treppensteigen und Laufen ohne Probleme ausführen. Ohne den Knorpel wären diese Bewegungen undenkbar.

Bei der Knorpeltransplantation handelt es sich um ein innovatives Operationsverfahren, das ermöglicht, Knorpeldefekte mit Hilfe körpereigener Gelenkknorpelzellen zum Ausheilen zu bringen. Versuche mit Knorpel- und Gelenktransplantationen fanden schon Anfang des 20. Jahrhunderts statt. Diese frühen Eingriffe mit Transplantationen von Gelenkknorpelteilen, bezweckten die Wiederherstellung der Gelenkfunktion nach Unfällen oder bei angeborenen Krankheiten. Allerdings war dieses Verfahren eine sehr große Operation, welche mit dem Ausrenken des Hüftgelenks verbunden war. Nur so konnte der Arzt an den inneren Gelenkraum gelangen, in dem die neuen Knorpelzellen platziert werden und anwachsen müssen. Da der Aufwand und die Risiken dieser OP letztlich sogar größer waren als beim Hüftgelenksersatz, hat sich die Technik am Hüftgelenk nicht durchgesetzt.

Heute wird bei einer Knorpeltransplantation nur der Ersatz von Knorpelgewebe vorgenommen, ohne sofort das ganze Gelenk zu ersetzen. In den 1980er Jahren folgten dann erste Versuche mit allogenen Knorpeltransplantationen. Aktuell stehen verschiedene Variationen von Knorpeltransplantationen zur Verfügung, die eine gute Behandlungsoption bei Gelenkschäden haben. Transplantationen von Organen, Geweben oder Zellen von einem Menschen auf einen anderen, werden als allogen bezeichnet, außer wenn Spender und Empfänger eineiige Zwillinge sind.

Beschwerden die eine Knorpelzelltransplantation notwendig machen

Entscheidend für den Behandlungserfolg ist in erster Linie die Kenntnis und Therapie der zugrundeliegenden Ursache des Knorpelschadens. Um diese zu beurteilen ist eine genaue Diagnostik und Analyse durch einen Spezialisten notwendig. Denn es gibt eine Vielzahl von Gelenkschäden, die ein ähnliches Beschwerdemuster hervorrufen können. Oft klagen Patienten über  länger bestehende Probleme, wie ein Knacken im Hüftgelenk, Schmerzen beim Beinanwinkeln oder Probleme beim längeren Sitzen und bei Drehbewegungen.

Vorteile einer Knorpeltransplantation

Der große Vorteil einer Knorpeltransplantation ist, dass nur körpereigene Zellen verwendet werden. Damit besteht erstmals eine Chance auf biologische Knorpelregeneration für Arthrose-Patienten.

Vorteile der Knorpelzell-Transplantation auf einen Blick:

  • Schmerzreduktion
  • Wiederherstellung der Belastbarkeit
  • Verbesserte Beweglichkeit
  • Wiederaufbau der Knorpelschicht
  • Vermeidung von Gelenk- Ersatz

 

Voraussetzungen für eine Knorpeltransplantation

Als Voraussetzung für die Zelltransplantation gilt ein Gelenkknorpeldefekt in der Größe von 2 – 10 cm².  Diese sollte intakten Bandverhältnisse, gerade Beinachsen und ein Alter zwischen 19 und 50 haben. Eine generelle Gelenkabnützung ist nicht unbedingt erforderlich, für die Durchführung einer Knorpelzelltransplantation. Dieses Verfahren kann nur bei teilweise geschädigten Gelenken, wie Hüftarthrose Kniegelenksarthrose und Sprunggelenksarthrose angewendet werden. Voraussetzung für die Knorpeltransplantation ist das Vorhandensein größerer Bereiche funktionierender Knorpelflächen. Insbesondere darf auch die Gegenseite des geschädigten Knorpels keine starken Knorpelschäden aufweisen, sondern muss eine glatte Oberfläche haben. Knorpelzüchtung und nachfolgende Knorpeltransplantation ist also nur bei rechtzeitiger Konsultation des Orthopäden möglich. Wenn die Gelenke und Knochen bereits auf beiden Gelenkpartnern stark geschädigt sind, ist es zu spät für biologische Knorpelregeneration.

Bei einer sehr geringen Schädigung kann unter Umständen mit einem chirurgischen Eingriff noch abgewartet werden. Hier könnte man es zuerst mit einer nicht operativen Therapie probieren. Dazu zählen physiotherapeutische und physikalische Behandlung, sowie einer schmerzlindernden Therapie mit Medikamenten.

 

Vorgehensweise bei einer Knorpeltransplantation

Heute können wir mit der entsprechenden Erfahrung viele Gelenkerkrankungen der Hüfte rein arthroskopisch, also mittels Schlüssellochchirurgie behandeln und durch eine Weiterentwicklung der Technik auch Knorpeltransplantationen arthroskopisch durchführen. Geschulte Operateure können diese Fehlstellung beheben, indem sie den Knochen genau dort etwas vertiefen, wo er an den Hüftknochen anstößt. Dabei werden die körpereigenen Knorpelzellen entnommen und im Labor vermehrt. Doch dazu muss ein gesunder und wenig beschädigter Teil des Gelenks vorhanden sein. Diese Entnahme der fähigen Zellen kann ambulant durchgeführt werden und erfolgt mittels Arthroskopie durch einen minimalinvasiven Eingriff. Hier wird ein Partikel in Größe eines Korns entnommen. Im Labor werden anschließend über einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen, dreidimensionale Knorpelzellkügelchen (Sphäroide) erzeugt, die sich dann um das Vieltausendfache vermehren. Die dabei neu entstehenden Knorpelzellen kleben aneinander und verhalten sich wie natürliche Knorpelzellen.

Die Implantation und Rückführung der körpereigenen Knorpelsubstanz erfolgt wieder minimalinvasiv. Der Eingriff dauert etwa 30-60 Minuten und wird als Arthroskopie unter lokaler Narkose durchgeführt. Dabei werden stark geschädigte Teile des Knorpels komplett entfernt und die neuen Knorpelzellen eingebracht. Sie sitzen bereits nach wenigen Minuten am Untergrund fest, sind aber noch nicht belastbar. Im Anschluss an die Transplantation ist ein 3-tägiger Krankenhausaufenthalt nötig.

Nachbehandlung und Rehabilitation einer Knorpelzelltransplantation

Die passende Therapie für den Knorpelschaden im Hüftgelenk hängt ganz entscheidend von den gegebenen Umständen ab. So kann sich das Knorpelgewebe bei Kindern relativ gut selbst regenerieren, solange der Schaden ein gewisses Ausmaß nicht überschreitet. Der Knorpel von Erwachsenen regeneriert sich kaum von selbst, in diesen Fällen ist meist eine Operation notwendig. Einlagen für die Sport- und Alltagsschuhe können außerdem die Belastung auf das Gelenk etwas reduzieren. Langes Stehen, schweres Heben und das Laufen auf unebenen Boden sollte außerdem vermieden werden. Die Einnahme von Schmerz- und entzündungshemmenden Medikamenten kann außerdem helfen. Damit der Knorpel möglichst gut anwachsen kann, ist natürlich eine intensive Nachbehandlung in Form von Entlastung notwendig. Der frisch transplantierte Knorpel ist noch nicht belastbar und erfordert daher in Abhängigkeit vom betroffenen Gelenk ein spezielles Nachbehandlungsschema mit mehrwöchiger Entlastung. Erst nach etwa 6 Wochen kann mit einer Teilbelastung des Gelenks begonnen werden. Nach drei Monaten ist das Gelenk wieder voll belastbar. Es dauert ungefähr ein Jahr, bis der neue Knorpel in das Gelenk integriert ist und die gewünschte Festigkeit erreicht hat. Ist die Heilung erfolgreich abgeschlossen, so ist die Knorpeloberfläche vollständig regeneriert.

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