Intertrochantäre Femurosteotomie (ITO), Varisationsosteotomie

Intertrochantäre Femurosteotomien sind Bestandteile einer rekonstruierenden, gelenkerhaltenden Operation am Hüftgelenk. Sie betreffen nicht nur das ausgewachsene, sondern insbesondere auch das noch wachsende Skelett eines Kindes. Die ITO ermöglicht mehrdimensionale Veränderungen mit dem Ziel, die Gelenke zu verbessern und eine frühzeitige Coxarthrose zu verhindern. Die Varisationsosteotomie kann in einer medial schließenden oder in einer lateral öffnenden Technik durchgeführt werden. Intertrochantäre Femurosteotomien kommen im Rahmen einer Hüftdysplasie-Behandlung, als Ergänzungseingriff zum Einsatz. Rotationsfehlstellungen lassen sich damit zuverlässig behandeln und minimieren.  Der pfannenverbessernde Effekt wird speziell durch die Operation erreicht, da eine postoperativ noch bestehende Dysplasie kaum nachreift. Die durchgeführte Varisierung des Femurendes, geht bis zum Verschluss der Y-Fuge vollständig durch den Revalgisierungsprozess verloren. Intertrochantäre Femurosteotomien sind bei geeigneter Ausgangssituation, ein wertvoller Bestandteil der gelenkerhaltenden Chirurgie, mit sehr guten Langzeitergebnissen.

Vorgehensweise und Operationsablauf

Nach einer Beurteilung der Hüftstellung am Röntgenbild und der Belastungsverhältnisse, wird ein geeigneter Operationsplan festgelegt. Die Operationsmethode nennt sich Osteotomie (Korrekturosteotomie, Umstellungsosteotomie, intertrochantäre Osteotomie). Bei der Varisationsosteotomie wird der Oberschenkelknochen am oberen Ende beim Rollhügel durchtrennt. Dabei wird ein keilförmiges Knochenstück aus dem hüftnahen Oberschenkelknochen herausgetrennt. Indem ein Knochenkeil entfernt wird, erreicht man eine stärkere Kippung des Schenkelhalses, so wird der Hüftkopf besser in der Pfanne verankert. Je nachdem, ob beim Betroffenen eine Drehung nach innen oder nach außen notwendig ist, kann dies an der inneren (Varisationsosteotomie) oder der äußeren Seite (Valgisationsosteotomie) des Knochens durchgeführt werden. Der Oberschenkelknochen wird bei der Operation kurz unterhalb des Oberschenkelhalses durchtrennt und entsprechend der Fehlstellung, zwischen Oberschenkelhals und Knochenschaft korrigiert. Der Hüftkopf wird dadurch tief in die Hüftpfanne verlagert und der durchtrennte Oberschenkel mit Schrauben stabilisiert.

Varisationsosteotomie 1Varisationsosteotomie 2

Vor-und Nachteile dieses Verfahrens

Die intertrochantäre Varisationsosteotomie war lange die favorisierte Methode zur operativen Containment-Verbesserung beim M. Perthes. Doch dieser technisch einfache Operationseingriff hat auch seine Nachteile. Durch die Varisation kommt es zu einer Verkürzung des proximalen Femurs, sie führt zu einem Trochanterhochstand, sowie zu einer Vergrößerung des Offsets. Vorteile dieser Methode sind die relativ geringe Komplikationsrate, sowie der Umstand, dass der eigene Hüftkopf erhalten werden kann. Bei jüngeren Patienten (7. Lebensjahr) führt das weitere Längenwachstum zu einer Revalgisierung des Schenkelhalses und somit wird die Gefahr des persistierenden Trochanterhochstands verringert. Deshalb sollte eine alleinige IVO nur im entsprechend jungen Alter erfolgen, um die Glutealinsuffizienz durch den Trochanterhochstand zu minimieren. Die Erfolgsaussichten dieser Verfahren sind jedoch nicht immer abzuschätzen und es erfordert eine aufwendige Nachbehandlung. Diese physiotherapeutischen Anweisungen müssen konsequent vom Patienten durchgeführt werden, um einen positiven Therapieerfolg zu erzielen. Aufgrund der Operation kommt es zu einer „künstlichen Beinverkürzung“ auf einer Seite, die mit entsprechenden Maßnahmen ausgeglichen wird.

Wo kommt die Operation zur Anwendung?

Häufig werden gelenkerhaltende Operationen bei jüngeren Betroffenen angewandt. Daher wird ein gelenkerhaltender und operativer Eingriff in der Regel bei Betroffenen angewendet, deren Leiden auf verschiedene Präarthrosen in der Kindheit zurückführen sind. Bei starker Dezentrierung und sekundärer Pfannenbeteiligung, sollte die intertrochantäre Varisationsosteotomie mit einem Beckeneingriff kombiniert werden, um eine genügende Eindämmung zu erzielen. Bei Hüftgelenksarthrosen im Anfangsstadium, kann durch dieses Verfahren ein Fortschreiten der Krankheit für längere Zeit verhindert werden. In den meisten Fällen gelingt es die Patienten schmerzfrei zu bekommen und auch auf dem Röntgenbild ist eine Verbesserung erkennbar. Beim Morbus Perthes dienen sie zur Verbesserung des Containments, während bei der Epiphyseolysis capitis femoris die Entstehung einer Coxarthrose deutlich verzögert werden kann. Doch trotz des medizinischen Fortschrittes, hält ein künstliches Hüftgelenk heutzutage „nur“ etwa 15 Jahre. Deshalb versucht man, eine Totaloperation so lange wie möglich zu vermeiden. Falls später dann eine erneute Operation nötig ist, hat man noch alle Möglichkeiten der Versorgung.

Nachbehandlung bei einer Intertrochantäre Femurosteotomie

In der Therapiephase darf das Hüftgelenk für mindestens drei bis sechs Wochen nicht belastet werden. Nach der Operation wird das Becken meist mit einer Gipsschale ruhiggestellt. Von Beginn der Rehabilitationsphase an, gehören krankengymnastische Übungen zum Alltag und müssen konsequent eingehalten werden. Bei einem komplikationsfreien Verlauf, kann der Patient die vorgeschriebenen Übungen, nach Rücksprache mit dem Therapeuten und Arzt, in einem Bewegungsbad ausführen. Nach drei Wochen kann das Hüftgelenk zunehmend mehr belastet werden. Für die weiteren sechs bis acht Wochen, bekommt der Patient Unterarmgehstützen, um das Gehen wieder zu üben.

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