Eine Wechseloperation der Hüftprothese kommt bei Lockerung, Infektion oder Luxationen des künstlichen Gelenkes zum Einsatz. Der Austausch der Hüftprothese ist aufwändiger und anspruchsvoller als die erste Implantation. Außerdem ist sie komplizierter, da meist größere Schäden der Knochensubstanz vorliegen. Ebenso müssen Knochendefekte mit körpereigenem Knochen oder Spenderknochen und Spezialimplantaten bearbeitet werden. Deshalb ist es von größter Wichtigkeit, nur einen äußerst erfahrenen Operateur mit einer Wechseloperationen zu betrauen, wie etwa ein Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie oder der Orthopädie. Die Hüftrevision ist daher keine Anfängeroperation. Zehn Jahre operative Erfahrung im Bereich Hüftendoprothetik und Unfallchirurgie sind eine notwendige Erfahrungsgrundlage für die Revisionsendoprothetik der Hüfte. Einige Gründe für das Auswechseln des künstlichen Hüftgelenkes wurden schon genannt. Am häufigsten muss eine Wechseloperation auf Grund der Lockerung der Hüftprothese durchgeführt werden. Hier unterscheidet man zwischen einer nicht infektiöses Lockerung und einer infektiösen.

Wer ist von der Hüftprothesenrevision betroffen?

Bei der Erstimplantation von Hüftprothesen sind Frauen um etwa 50% stärker betroffen als Männer. Hingegen bei Wechseloperationen haben die Männer einen etwas höheren Anteil als Frauen. Im Jahr 2012 wurden insgesamt 155.332 Hüfprothesenoperationen als Erstimplantationen durchgeführt. Diesen standen 24.136 Prothesenwechsel entgegen. Insgesamt sind das etwa  15%  Wechsel Operationen. Dabei konzentriert sich sowohl die Mehrzahl der Primärimplantate, als auch die Hüftrevisionen, auf den Lebensabschnitt zwischen 70 bis 85 Jahren.

Ein sofortiger Prothesenwechsel muss bei einem Spätinfekt der Hüftprothese umgehend durchgeführt werden. Die Oberflächen von Endoprothesen haben eine geringere Immunabwehr, so dass Bakterienfilme sich auf künstlichen Oberflächen im Körper besonders einfach ansiedeln können. Ein Problem bei Protheseninfekten ist der Übertrag der Infekte auf die umgebenden Weichteile. Das kann Abszessbildung und Sepsis sowie lebensbedrohende Zustände verursachen. Die Infektsanierung hat bei Prothesenfekten also höchste Priorität. Die befallenen Prothesenteile müssen sofort ausgetauscht werden: Manche Bakterien bilden auf den Implantaten einen Film, der auch durch Antibiotika nicht angreifbar ist. Eine Hüftrevision nach Infekt ist daher höchst aufwändig: Zuerst muss die Wunde durch tagelange Behandlung komplett saniert werden, bevor eine Wechselprothese implantiert werden kann. Nur so kann eine sofortige Reinfektion der Prothese verhindert werden.

Diagnose einer Wechseloperation der Hüftprothese

Wenn der Träger eines künstlichen Hüftgelenkes Beschwerden wie Leisten-, Oberschenkelschaft- oder Knieschmerzen hat, muss abgeklärt werden, ob diese tatsächlich im Zusammenhang mit der Hüftprothese stehen oder von anderen Erkrankungen verursacht werden. Zur Diagnosestellung ist eine klinische Untersuchung durch den Arzt, eine Labor- und Röntgenuntersuchung notwendig.

Ähnliche Krankheiten mit diesen Symptomen können zum Beispiel sein:

  • Gonarthrose
  • degenerative Wirbelsäulenerkrankungen oder
  • neurologische Erkrankungen

Lebensdauer von Wechselprothesen

Hüftprothesen sind heutzutage sehr haltbar geworden. Standzeiten von 20 Jahren oder mehr sind die Regel. Hier erhöhen modernste Materialien die Abriebfestigkeit einer Hüftprothese, wie Keramikprothesen (Keramik-Keramik-Gleitpaarung): Auch bei konventionellen Prothesen sorgt das ultrahochvernetzte Polyethylen als Gleitschicht, mit dem die Hüftpfanne ausgekleidet wird, für geringeren Abrieb und längere Haltbarkeit. Kurzschaftprothesen und Geradschaftprothesen werden immer häufiger als einwachsende, Prothesen, also zementfrei, befestigt.

Computergestützte Planungsverfahren erleichtern uns die optimale Planung der Pfannengrößen und der für die Haltbarkeit entscheidenden Geometrie des künstlichen Hüftgelenks. Durch diese Planung können viele Faktoren, die zu früher Lockerung oder Hüftluxationen führen, von Anfang an besser geplant werden. Jede künstliche Hüfte hat eine begrenzte Lebensdauer. Für die meisten Patienten, die ihre Hüftendoprothese erst im höheren Lebensalter erhalten, hält sie lebenslang. Jüngere Patienten im Alter unter 65 Jahren, müssen aber durchaus mit der Möglichkeit eines Prothesenwechsels leben. Nach der Revision einer Hüftprothese, die, verglichen zur Erstimplantation, als Operation nach Prothesenversagens deutlich erschwert sein kann, hat die Wechselprothese meist eine kürzere Lebensdauer. Dabei ist die Komplikationsrate bei Prothesenwechsel stets erhöht.

Im Laufe eines langen Lebens können mehrere Wechseloperationen an derselben Hüftprothese nötig werden. Die Überlebensdauer von gewechselten künstlichen Hüftgelenken ist geringer als von den primär eingebauten. Mit jeder Wechseloperation der Hüftprothese wird es schwieriger, das künstliche Hüftgelenk fest zu verankern.

Antibiotikagabe bei Prothesenlockerung

Es muss zuerst abgeklärt werden, ob eine Infektion vorliegt und ob der Schaft oder die Pfanne gewandert sind. Hat die Infektion zu einer Implantatlockerung geführt oder besteht sie schon seit mehreren Monaten, reicht eine Antibiotikagabe nicht aus und eine Wechseloperation der Hüftprothese muss stattfinden. Denn die Prothesenoberfläche ist schwer zugänglich für Antibiotika. Lediglich unter bestimmten Bedingungen kann von einem Hüftprothesenwechsel abgesehen werden.

Die septische Prothesenlockerung an der Hüfte, die infolge einer bakteriellen Infektion der Hüftprothese entsteht, tritt nur sehr selten auf. Zu einer Infektion kommt es wenn überhaupt nur durch direkte Kontamination während der Erstimplantation. Der heutige Standard in der Endoprothetik, der eine Kombination von Reinraumtechnik und Antibiotikaprophylaxe umfasst, hat die Rate der Infektionen bei Implantation von Hüftendoprothesen über die letzten Jahrzehnte deutlich sinken lassen. Daher, falls es zu Infektion kommt, ist die Prognose heute besser als vor einigen Jahrzehnten. Eine Dauerinvalidität oder eine Amputation sind dahei kaum noch zu befürchten. 

Ablauf der Wechseloperation bei Hüftprothesen

Das Vorgehen bei einer Hüftprothese Wechseloperation unterscheidet sich danach, wie das erste Implantat eingebracht wurde. Wurde die erste Hüftprothese zementiert verankert, so muss der Zement vollständig entfernt werden. Beim Lösen der Hüftprothese aus dem Knochen, wird versucht, möglichst viel intaktes Gewebe- und Knochenmaterial zu erhalten. Der Arzt entscheidet im Einzelfall, ob die neue Hüftprothese zementiert oder zementfrei eingebracht wird. Dabei muss dem Arzt während dem Eingriff eine große Auswahl an verschiedenen Prothesen zur Verfügung stehen, um die passende einbauen zu können. Auch der Zustand der Hüftprothesenverankerung ist zu beurteilen, ob die Pfanne, der Schaft oder beide Komponenten gelockert sind.

Für den Prothesenwechsel können verschiedene Verfahren angewandt werden. Im Rahmen der Operation kann entweder nur die Pfanne oder Schaft, sowie beide Komponenten ausgetauscht werden. Bei einer Infektion kann das künstliche Hüftgelenk in ein oder zwei Sitzungen gewechselt werden. Falls ein zweizeitiger Wechsel nötig ist, können zwischen den beiden Sitzungen mehrere Wochen oder Jahre liegen. Beim ersten Eingriff wird die bakterielle Prothese entfernt, das Gewebe ordentlich gereinigt und einstweilen ein Platzhalter eingesetzt. Dieser wird bei der zweiten Operation durch eine dauerhafte Hüftprothese ersetzt.

Neben einem Revisionsverfahren muss der Zeitpunkt der Wechseloperation genau überlegt werden. Bei einem akuten Infekt oder einer Luxation der Prothese, sollte möglichst zeitnah operiert werden.

Die größten Schwierigeiten bei Hüftprothesenrevisionen

Die erhöhte Schwierigkeit eines Hüftprothesenwechsels entsteht immer aus der im Vergleich zur ersten OP deutlich erschwerten Verankerung der Prothese im Knochen. Für diese Erschwernis kommen einige Ursachen in Frage:

  • Die Immunreaktion des Körpers auf den Prothesenabrieb einer Metall-oder Plastikprothese kann die Knochensubstanz schwächen und dadurch die Verankerung erschweren.
  • Bei jüngeren, aktiven Patienten führt die größere Belastung und hohe Lebenserwartung zum Verschleiß und Abrieb der Gleitpaarungen.
  • Bestimmte Grunderkrankungen, wie z.B. Osteoporose können die Lebensdauer von Hüftprothesen begrenzen und den Einbau einer Ersatzprothese erschweren.
  • Die Anatomie bzw. Form des Hüftgelenks kann durch Vorerkrankungen, Knochenschwund und Voroperationen verändert sein.
  • Das Entfernen der alten Prothese aus der knöchernen Verankerung ist eine weitere Erschwernis für die Prothesenwechseloperation. Im Oberschenkel muss dafür der Röhrenknochen aufgesägt und der Länge nach geöffnet werden.
  • Eine periprothetischen Fraktur, sowie ein Knochenbruch an Becken oder Oberschenkel in unmittelbarer Nachbarschaft der Prothese, wird oft durch Stürze älterer Prothesenträger ausgelöst. Bei dem Prothesenbruch entsteht die Herausforderung, zugleich die evtl. gelockerte Prothese zu wechseln und den Knochenbruch in der Nachbarschaft der Hüftprothese zu versorgen.
  • Septische (bakterielle) oder aseptische (nichtbakterielle) Osteolyse kann die Knochensubstanz abbauen, sodass alternative Verankerungsmethoden für die tragenden Prothesenbestandteile gefunden werden müssen.
  • Die Schwäche des prothesentragenden Knochens kann den Aufbau mit Knochenersatzstoffen erforderlich machen, um eine sichere Verankerung zu erzielen.
  • Bei Protheseninfektionen können schwierig zu behandelnde multiresistente Keime beteiligt sein. Die Sanierung des Protheseninfektes als Voraussetzung für einen sicheren Einbau wird durch MRSA-Keime deutlich erschwert. Diese Fälle müssen in besonderen Prothesenzentren der Maximalversorgung versorgt werden, die über entsprechende Einrichtungen verfügen.

Diese beschriebenen Gründe für das Versagen einer Hüftprothese, stellen ein komplexes Fachgebiet innerhalb der Hüftendoprothetik dar. Daher muss man hier bei Material und OP-Technik sehr häufig über die Standardlösungen hinausgehen und sich auf die individuellen Begebenheites des Patienten einstellen.

Prognose und mögliche Komplikationen nach Wechseloperationen

Im Vergleich zur primären Endoprothetik hat eine Wechselopration mehr Komplikationen. Zu den wesenltichen Komplikationen gehören Protheseninfekte, Hüftluxationen und Beinlängenunterschiede. Je nach operativem Zugang besteht das Risiko einer bleibenden Muskelschwäche. Beim Protheseninfekt liegt die Erfolgsrate bei etwa 85%-90%, dass die Hüfte nach der Behandlung infektfrei bleibt und eine Sanierung gelungen ist.

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