Die Hüftregion ist sowohl bei Kindern, als auch bei Erwachsenen Ausgangspunkt zahlreicher Erkrankungen. Bei einer Hüftluxation bzw. Hüftgelenksluxation handelt es sich um eine Ausrenkung des Hüftgelenks. Sie kommt im Vergleich zu anderen Luxationen nur bei ca. 4 Prozent aller Gelenkverrenkungen im Hüftgelenk vor. Die Überdachung des Hüftkopfes durch die Hüftpfanne, eine dicke Gelenkkapsel, sowie kräftige Bänder und Muskeln stabilisieren dabei den Kopf in der Pfanne. Deshalb sind zur Luxation des Hüftgelenks erhebliche Kräfte notwendig, wie sie z.B. bei einem Verkehrsunfall auftreten können. Die Versorgung des Hüftkopfes erfolgt im Wesentlichen durch Blutgefäße, die von der Gelenkkapsel in den Kopf ziehen. Bei einer Luxation besteht die Gefahr, dass diese Blutgefäße zerreißen oder abgequetscht werden, was zum Absterben des Hüftkopfes führt.

Je nach Ursache wird unter folgenden Luxationen unterschieden:

  • Traumatische Hüftluxation zeigt sich durch eine schmerzhafte und bewegungseingeschränkte Hüfte nach dem Unfall.
  • Kongenitale Hüftluxation ist eine angeborene Ausrenkung des Hüftgelenks, meist begleitend mit einer Fehlbildung der Hüftpfanne (Hüftdysplasie).
  • Teratologische Hüftluxation ist mit anderen Missbildungen verbunden, die seit der Geburt bestehen und ohne Operation nicht korrigierbar
  • Lähmungsluxationen treten bei Muskel- und Nervenerkrankungen wie Poliomyelitis und Zerebralparesen auf.

Symptome einer Hüftluxation

Bei der traumatischen Hüftluxation zeigt sich eine schmerzhafte und bewegungseingeschränkte Hüfte nach dem Unfall. Anhand einer Röntgenaufnahme des Beckens lässt die Luxation deutlich erkennen. Diese sollte dann so schnell wie möglich eingerenkt bzw. reponiert werden. Dabei ist ein Ausschluss von knöchernen Begleitverletzungen am Becken und Oberschenkel wichtig. Denn falls keine Fraktur vorliegt, handelt es sich um eine klassische Luxation. Bei Frakturen sollte zur besseren Beurteilung und zur Therapieplanung immer eine Computer Tomographie durchgeführt werden.

Die kongenitale Hüftluxation ist in der Regel durch eine Ultraschalluntersuchung im Rahmen der Neugeborenen-Untersuchung, in der ersten Woche nach der Geburt gut zu erkennen. Ansonsten sind hier dieselben Zeichen wie bei der Hüftdysplasie zu sehen. Bei einer angeborenen Hüftluxation ist beim Baby ein instabiles Hüftgelenk, eine Ungleichheit der Gesäßfalten, die Schonung eines Beines mit gehemmter Abspreizung oder eine Längendifferenz der Beine zu erkennen. Im Verlauf der Krankheit treten weitere Symptome, wie verspätetes Gehen, Schmerzen im Leistenbereich und leichtes Einsinken der betroffenen Hüftseite auf. Bei einer traumatisch bedingten Hüftgelenksluxation leidet der Patient unter starken Schmerzen im Gesäß- oder Leistenbereich. Das betroffene Bein ist meist stark gebeugt und bewegungsunfähig. 

Diagnose einer Hüftluxation

Eine angeborene Hüftluxation ist immer die Folge einer Hüftdysplasie. Daher sind die Diagnoseverfahren ziemlich gleich. Beim Neugeborenen wird zunächst bei Verdacht auf Hüftgelenksluxation die Stabilität des Hüftgelenks überprüft. Dabei wird das Hüftgelenk durch Druck aus dem Hüftkopf ausgekugelt. Beim Versuch den Hüftkopf wieder in die Pfanne zurückspringen zu lassen wird, falls es sich um eine Hüftluxation handelt ein Schnappen wahrgenommen. Die Untersuchung ist jedoch sehr umstritten, da die Hüftpfanne und die Blutversorgung des Hüftkopfes in Mitleidenschaft gezogen werden können.

Bei einer Sonographie werden die knorpligen Anteile des Pfannendachs und die knöcherne Hüftpfanne gut dargestellt. Dieser Diagnosevorgang ist bis zur Beendigung des ersten Lebensjahres ziemlich aussagekräftig. Da die Ultraschallwellen das knorpelige Hüftgelenk nicht durchdringen können, sind sie nur bis zum ersten Lebensjahr aussagekräftig.

Eine Röntgenuntersuchung dagegen erlaubt bei Erwachsenen eine sehr genaue Aussage über die Verknöcherung des Hüftgelenks, daher kann eine angeborene und traumatische Hüftluxation sehr gut festgestellt werden. Bei Kleinkindern kommt Sie aufgrund der hohen Strahlenbelastung, nur sehr selten zum Einsatz.

Behandlung einer Hüftluxation

Die traumatische Hüftluxation sollte schnellstmöglich in Narkose eingerenkt werden, damit keine Durchblutungsstörung des Hüftkopfes auftritt. Bei stabilen Gelenken ohne weitere Luxationstendenz, ist anschließend eine konservative Therapie von etwa 8 Wochen durchzuführen. Bei instabiler Situation mit erneuter Luxation, wird eine Extensionsbehandlung mit einer operativen Versorgung durchgeführt.

Bei kongenitaler Hüftluxation muss eine Reposition oft durch eine Dauerextension oder Operation in Angriff genommen werden. Wenn diese erfolgreich waren wird mit einem Gipsverband und anschließend mit einer Spreizhose weiter behandelt. Die therapeutischen Maßnahmen sind bei der Hüftgelenksluxation von Ausprägung und Alter des Kindes abhängig. Bei einer frühzeitigen therapeutischen Behandlung kann eine Hüftluxation vollkommen ausheilen.

Die verschiedenen konservativen Maßnahmen werden unterschieden in:

Ausreifungsbehandlung:

Eine Therapieform bei der verschiedene Hilfsmittel zum Einsatz kommen, um etwaige Fehlstellungen zu korrigieren. Beispielsweise wird mit dem Einsatz der Spreizhose das Hüftgelenk abgespreizt und stark gebeugt. Der Hüftkopf stellt sich tief in die Hüftpfanne ein und wird in dieser Position fixiert. Hüftkopf und Hüftpfanne können nachreifen und der Berührungsreiz zwischen den Hüftgelenksanteilen, der für den Verknöcherungsprozess verantwortlich ist, wird durch Bewegung positiv beeinflusst.

Reposition:

Ist die Hüftluxation weiter ausgeprägt, wird der Hüftkopf zurück in die Hüftpfanne gebracht. Das geschieht manuell oder mittels Bandagen und Apparaturen. (Pavlik-Bandage, Extensions-Repositionsgerät) Bei älteren Kindern wird das Hüftgelenk unter Vollnarkose eingerenkt.

Fixierung:

Um die Reposition zu stabilisieren, kann eine unterstützende Fixierung mit Gips oder Schienen notwendig werden.

Operative Therapie zur Behandlung einer Hüftluxation

Wurde die Hüftgelenksluxation zu spät erkannt, um konservative Therapiemöglichkeiten durchzuführen, oder ist sie zu stark ausgeprägt, kann der Gelenkskopf nur mehr durch einen operativen Eingriff wieder in die Hüftpfanne gebracht werden. Bei Kindern wird dabei die orthopädische Operationstechnik Salter-Osteotomie, zur mechanischen Verbesserung der Hüftkopfüberdachung angewendet. Im Erwachsenenalter wird die 3-fach Beckenosteotomie nach Tönnis als bestens bewährte Methode eingesetzt. Die Hüftpfanne wird dabei vollständig vom Hüftbein gelöst und in eine normale Überdachungsstellung gebracht. Sind die Veränderungen zu weit fortgeschritten, kommt eine Hüftgelenk-Endoprothese in die nähere Auswahl. Je nach Ausprägung und Krankheitsgrad, können verschiedene Hüftgelenk-Endoprothesen eingesetzt werden. In der technischen Orthopädie-Entwicklung werden immer wieder neue Prothesenmodelle entwickelt. Diese haben alle ein gemeinsames Ziel: so wenig Knochenmaterial wie nur irgendwie möglich während der Hüftoperation zu zerstören.

Heilungsaussichten nach einer Hüftluxation

Die Heilungsaussichten nach einer traumatischen Hüftgelenksluxation, sind bei rascher Reposition als mäßig bis gut zu beurteilen. Bei etwa 10 % der Luxationen kommt es im weiteren Verlauf zu Durchblutungsstörungen des Hüftkopfes mit entsprechenden Folgeproblemen. Bei ca. 20 Prozent der Fälle kann es zu einem vorzeitigen Gelenkverschleiß kommen. Etwas häufiger treten Verkalkungen um das Gelenk auf. Wie bei schwereren Begleitschäden von Nerven, Gefäßen oder größeren Knorpelschäden, kann es zu keiner vollständigen Wiederherstellung kommen.

Je früher man eine kongenitale Hüftluxation erkennt und behandelt wird, desto günstiger sind die Heilungsaussichten. Damit eine Hüftgelenksluxation so bald wie möglich zu erkennen, ist die Sonographie der Hüfte bei Neugeborenen heutzutage eine Standarduntersuchung.

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