Die verschiedenen Hüftfehlstellungen im Überblick

Die meisten Menschen inklusive vieler Orthopäden, sind der Meinung, dass Fehlstellungen einzelner Körperteile auf anatomische Anomalien, Abnutzungserscheinungen oder Muskelschwäche zurückzuführen sind. In der körpertherapeutischen Praxis hat sich jedoch erwiesen, dass Fehlhaltungen (bis auf ganz wenige Ausnahmen knöcherner Deformationen) auf die ständige Kontraktion der Muskulatur und dem Bindegewebe zugrunde liegen. So gesehen sind Fehlhaltungen als bestimmte Spannungsmuster der Muskulatur zu sehen, die die Knochen dauerhaft in bestimmten Stellungen halten. Es handelt sich um unwillkürliche, im wahrsten Sinne des Wortes eingefleischte Gewohnheiten. Fehlhaltungen sind demnach etwas, was man tut, nicht etwas, was man hat. Fehlhaltungen liegen sehr vielen sensomotorischen Störungen (also Schmerzen, anderen Missempfindungen und Bewegungseinschränkungen) zugrunde, wie umgekehrt Schmerzen und andere Missempfindungen zu Fehlhaltungen im Sinne von Schonhaltungen Anlass geben können.

Hier die verschiedenen Hüfterkrankungen im Überblick:

Hüftdysplasie

Bei der Hüftdysplasie handelt es sich um eine meist angeborene Krankheit der Hüfte bzw. des Beckens, bei der der Hüftpfannenerker nicht vollständig ausgebildet ist. Die in knorpeliger Form angelegte Hüftpfanne verknöchert nicht rechtzeitig, das Beckengewebe bleibt zu weich und kann daher den Hüftkopf nicht festhalten. Die Folge: Der Oberschenkel rutscht aus seinem natürlichen Lager heraus. Springt der Hüftkopf gänzlich aus der Pfanne, spricht man von einer „Luxation“ – das Gelenk ist ausgerenkt. Schon in jungen Lebensjahren kann sich ein solcher Verschleiß der Gelenke abzeichnen. Die Folgen machen sich erst im späteren Leben bemerkbar, sie sind dann aber viel schwieriger zu korrigieren, wie vorzeitige Arthrose oder schwere Gehbehinderungen.

Äußerlich ist eine Hüftdysplasie bei Kleinkindern, meist durch die etwas unterschiedliche Beinlänge und die auf beiden Seiten unterschiedlich ausgeprägten Pofalten zu erkennen. Bei älteren Kindern macht sich ein Watschelgang und ein ausgeprägtes Hohlkreuz bemerkbar. Eine Ultraschalluntersuchung der Hüften wird im Rahmen der Kontrolluntersuchungen beim Neugeborenen durchgeführt werden. Je früher mit der Behandlung begonnen wird, umso kürzer und einfacher ist sie.

Hüftimpingement

Schmerzen im Bereich der Hüfte entstehen häufig durch Abnutzung des Hüftgelenks. Gerade bei jungen Erwachsenen liegen die Ursachen aber auch in einer ungenauen Passform von Hüftkopf des Oberschenkels und der Hüftpfanne. Sind die Formen der beiden nicht genau aufeinander abgestimmt, so schlägt der Oberschenkelknochen an den Rand der Pfanne. Daher kommt auch der Fachausdruck „Impingement“ was so viel wie Anschlag bedeutet. Unter Hüftimpingement versteht man also die schmerzhafte Einklemmungserscheinung am Hüftgelenk.

Es ist nicht genau bekannt, wie viele Menschen eigentlich mit einem Hüftimpingement leben. Bei vielen Betroffenen spielt eine Bewegungseinschränkung des Hüftgelenks im Alltag keine große Rolle, da sie den Bewegungsspielraum selten ausreizen. Das Hüftimpingement wird in Fachkreisen auch als femoroacetabuläres Impingement (FAI) bezeichnet. Erst in den Jahren von 2003-2004 wurde das Hüftimpingement eindeutig als eine der wichtigsten Ursachen für eine Hüftarthrose identifiziert.

Fehlstellung des hüftnahen Oberschenkelknochens

Hierbei handelt es sich um Achsfehlstellungen zwischen Hüftkopf und Oberschenkelschaft im Bereich des Schenkelhalses. Die Steilstellung des Schenkelhalses wird als Coxa valga, die Abflachung des Schenkelhalses als Coxa vara. bezeichnet. Ist die Schenkelhalsebene vermehrt nach vorne gerichtet, wird dieses als Coxa antetorta, bei nach hinten gerichteter Fehlstellung als Coxa retrotorta bezeichnet. Die Achsfehlstellungen können angeboren, ein- oder doppelseitig sein. Des Weiteren können sie durch Stoffwechselstörungen, fehlverheilte Knochenbrüche, durch Durchblutungsstörungen in der Kindheit und durch Ablösen der Wachstumsfuge im Kindesalter entstehen.

Durch die Fehlstellungen des hüftgelenknahen Oberschenkelknochens im Bereich des Schenkelhalses, kommt es neben Gelenksfunktionsstörungen auch zu einer Fehlbelastung des Hüftgelenkes. Dies kann zu vorzeitigen Verschleißerscheinungen im Hüftgelenk führen. Um dem vorzubeugen, können die Fehlstellungen operativ korrigiert werden. Nach genauer Analyse der Fehlstellung wird der Oberschenkelknochen durchtrennt, die Fehlstellung korrigiert und der Knochen in richtiger Stellung mittels einer Metallplatte fixiert. Die Operation wird bei einem stationären Aufenthalt von ca. 10 Tagen durchgeführt. Die Mobilisation erfolgt ab dem 1. Tag nach der Operation, mit Hilfe der Krankengymnastik an Unterarmgehstützen. Das operierte Bein darf für 3 Wochen nicht vollbelastet werden. Hier ist eine zeitweise Teilbelastung an Unterarmgehstützen einzuhalten. Für diesen Zeitraum ist eine medikamentöse Thromboseprophylaxe erforderlich. Nach der stationären Entlassung sollte die Krankengymnastik weiter fortgesetzt werden. In der Regel ist nach einer Korrektur des Oberschenkelknochens, mit einer Rehabilitation von 12 Wochen zu rechnen.

Morbus Perthes

Obwohl die Ursache des Morbus Perthes nicht bekannt ist, dürften Knocheninfarkte in bestimmten Bereichen des Hüftkopfes relevant zu sein. Es scheint anlagebedingte Faktoren zu geben, wobei häufig betroffen Kinder mit einer verlangsamten Knochenentwicklung daran erkranken. Bei vielen Kindern mit Morbus Perthes ist die Skelettentwicklung im Vergleich zu ihren Altersgenossen vorübergehend verzögert. Wobei die Wirbelsäule und untere Extremitäten, in dieser Zeit nicht im richtigen Verhältnis proportioniert sind. Dies kann dazu führen, dass Blutgefäße eingeengt und behindert werden. Möglicherweise tragen auch wiederholte kleinste Verletzungen dazu bei, um Morbus Perthes auszulösen. Doch umso jünger das Kind bei Auftreten der Erkrankung ist, desto besser ist die Prognose. Entscheidend für den langfristigen Verlauf ist der Grad der Deformität nach Ende des Wiederaufbaus.

Forscher diskutieren verschiedene Theorien darüber, wie Morbus Perthes entstehen könnte. So führen möglicherweise Gefäßanomalien dazu, dass die Durchblutung des Hüftkopfs vermindert ist. Aber auch eine erhöhte Zähflüssigkeit des Blutes könnte die Durchblutung stören.

Die Erkrankung verläuft häufig ohne wirklich eindeutige Symptome. Gelegentlich finden sich zu Beginn belastungsabhängige Beschwerden im Bereich der Leiste und des Oberschenkels. Manchmal berichten die kleinen Patienten auch von Schmerzen im Kniegelenk. Gelegentlich beobachten die Eltern ein auffälliges Hinken ihre Kinder. Vielfach findet sich bei der klinischen Untersuchung eine erhebliche Bewegungseinschränkung des Hüftgelenkes.

Insbesondere bei leichten Verlaufsformen von Morbus Perthes ist es nicht immer möglich, eine korrekte Diagnose zu stellen. Denn oft kann der Kinderorthopäde bei der Untersuchung keine Auffälligkeiten feststellen, obwohl das Kind krank ist. Zunächst prüft der Kinderarzt, wie beweglich die Hüfte des Kindes ist. Ist diese eingeschränkt, kann dies ein erster Hinweis auf Morbus Perthes sein. Eine einfache Untersuchungsmethode, bei der die Beweglichkeit des Hüftgelenks getestet wird, ist das sogenannte Viererzeichen. Der kleine Patient legt sich dabei auf den Boden und soll ein Bein um etwa 45 Grad beugen sowie gleichzeitig das Kniegelenk um 90 Grad abspreizen – so, dass die Außenseite des Knies den Boden berührt. Von oben betrachtet sieht das Ganze bei einem gesunden Menschen wie eine liegende „4“ aus. Bei Morbus Perthes sind die Kinder nicht in der Lage, diese Position nachzustellen.

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