Was versteht man unter Hüftdysplasie?

Bei der Hüftdysplasie handelt es sich um eine meist angeborene Krankheit der Hüfte bzw. des Beckens, bei der der Hüftpfannenerker nicht vollständig ausgebildet ist. Somit ist der Hüftkopf nicht ausreichend überdacht und Hüftgelenkluxationen können auftreten. Eine schwerwiegende Komplikation der Hüftdysplasie ist die Ausbildung einer Coxarthrose. Hüftdysplasie wird von Ärzten auch als angeborene oder entstandene Fehlbildung der Hüftgelenkpfanne bezeichnet. Eine Hüftdysplasie ist in Deutschland, neben der Hüftluxation, die am häufigsten angeborene Fehlstellung bei Neugeborenen. Sie tritt mit einer Wahrscheinlichkeit von 2 bis 5 Prozent bei Kleinkindern auf. Eine Hüftluxation, mit einer Häufigkeit von etwa 0,2 Prozent ist deutlich seltener. Dabei sind Mädchen häufiger betroffen als Jungen. Bei dieser Missbildung findet der noch knorpelige weiche Hüftkopf des Oberschenkels, keinen stabilen Halt in der Hüftgelenkpfanne. Bleibt die Fehlbildung unbehandelt, kann es zu einer dauerhaften Schädigung von Hüftkopf oder Gelenkpfanne kommen. Mögliche Folgen sind eine später auftretende Gehbehinderung und frühzeitige Abnutzungserscheinungen. Hüftdysplasie kann sowohl bei einem als auch bei beiden Gelenken auftreten. Wobei das rechte Hüftgelenk viel häufiger betroffen ist, als das linke.

Diagnose einer Hüftdysplasie

Falls ein berechtigter Verdacht auf eine Hüftdysplasie besteht, wird zunächst die Stabilität des Hüftgelenks kontrolliert. Bei der Untersuchungsmethode nach Ortolani, wird das Hüftgelenk durch Druck aus dem Hüftkopf ausgekugelt. Beim Versuch den Hüftkopf wieder in die Pfanne zurückspringen zu lassen, wird ein hörbares Einklicken wahrgenommen. Diese Methode ist jedoch sehr umstritten, da die Hüftpfanne, als auch die Blutversorgung des Hüftkopfes beeinträchtigt werden kann.

Für die Erkennung der Hüftdysplasie im Säuglingsalter hat die Röntgendiagnostik keine Bedeutung mehr. Anders verhält es sich mit der Sonographie, da hier anhand spezifisch ausgemessener Winkel an Hüftkopf und Hüftpfanne, eine Hüftdysplasie im Säuglingsalter nachgewiesen werden kann. Das hat den Vorteil, dass diese Behandlungsmethode sehr schonend für das Kind ist, da es zu keiner Strahlenbelastung kommt.

Das kindliche Hüftgelenk kann nur bis zum Ende des zweiten Lebensjahres nachreifen. Eine korrekte und frühzeitige Diagnose ist die wesentlichste Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung. Mittels körperlicher Untersuchung kann nur ein Teil der Hüftgelenkserkrankungen von der Kinderärztin/dem Kinderarzt festgestellt werden.

Äußerliche erkennbare Anzeichen sind:

  • unterschiedlich lange Beine,
  • seitenunterschiedliche Falten am Oberschenkel oder
  • eine verminderte Abspreizmöglichkeit der Hüftgelenke.

Eine spezielle Untersuchungsmethode ist das Ortolani-Zeichen, wobei es sich hier um eine Art Schnappgeräusch handelt. Dies entsteht in den ersten Lebenswochen, wenn sich der Hüftkopf durch die Ausübung von Druck aus der Pfanne herausbewegen lässt. Seit etwa zwei Jahrzehnten wird als Diagnosegerät das Hüftultraschallgerät herangezogen, da es für Babys nicht belastend und schmerzfrei ist. Bei dieser Untersuchung wird das Verhältnis von Hüftkopf und Hüftpfanne erkundet und gemessen.

Im Mutter-Kind-Pass ist der erste Hüftultraschall bereits in der ersten Lebenswoche vorgesehen. Dieser wird üblicherweise noch im Spital durchgeführt. Nach einer Hausgeburt können sich die Eltern für diese Untersuchung an den Kinderarzt oder Orthopäden wenden. Der zweite Hüftultraschall erfolgt im Alter von sechs bis acht Wochen. Bei einem auffälligen Befund oder nichttypischen Verlauf der Behandlung, sollten zur Absicherung regelmäßige Kontrollen vom Arzt durchgeführt werden.

Bei Erwachsenen nimmt die Verknöcherung von Hüftkopf und Hüftpfanne im Lauf der Jahre deutlich zu.  Somit wird die Aussagekraft des Ultraschalls gemindert, weil die Ultraschallwellen die bereits vollständig verknöcherten Knochen nicht mehr durchdringen können. Deshalb wird als Beurteilung des Krankheitsverlaufes ab dem zweiten Lebensjahr, eine Röntgenuntersuchung gegenüber dem Ultraschall vorgezogen.

Symptome einer Hüftdysplasie

Eine Hüftdysplasie verursacht am Anfang zumindest noch keine Schmerzen. Wenn sie aber nicht frühzeitig erkannt wird, kann es zu bleibenden Schäden an Hüftpfanne oder Hüftkopf kommen. Von einer Hüftluxation ist dann die Rede, wenn der Hüftkopf, sprich der Kopf des Oberschenkelknochens, aus der Gelenkpfanne herausspringt. Tritt dieser Fall ein, kann das Neugeborene die Füße nur noch ganz abspreizen. Dabei erscheint der Fuß auf der betroffenen Seite kürzer als der andere. Die Beinverkürzung und die Faltenasymmetrie können aber bei einer beidseitigen Hüftgelenksluxation fehlen. Als Folge der Hüftluxation, kann sich die Gelenkpfanne im Laufe der Zeit auch verändern. In manchen Fällen lässt sich der Kopf des Oberschenkelknochens, nicht mehr in die ursprüngliche Stellung einrenken. Ältere Kinder können aufgrund dieser Entwicklung, manchmal ein Hohlkreuz oder einen watschelnden Gang bekommen. Bei diesen oder ähnlichen Anzeichen ist es ratsam, wenn die Eltern mit ihrem Kind sofort einen Kinderarzt oder Orthopäden konsultieren.

Ursachen und Risikofaktoren von Hüftdysplasie

Die Hüftdysplasie wird durch eine unzureichende Verknöcherung der Hüftpfanne ausgelöst, was den Muskelzug nachträglich beeinträchtigen kann. Daraufhin wird der Hüftkopf immer mehr von der Hüftpfanne weggedrängt. Wird eine Hüftdysplasie nicht behandelt, kann das im schlimmsten Fall dazu führen, dass der Hüftkopf aus der Pfanne herausrutscht. Die Folge davon ist eine Hüftluxation. Wenn die Missbildung rechtzeitig erkannt wird, steht einem erfolgreichen Heilungsprozess nichts mehr im Wege. Genaue Ursachen, wie eine Hüftdysplasie entsteht, oder was sie auslöst sind nicht bekannt. Es gibt jedoch Risikofaktoren, die eine Entstehung dieser Fehlbildung hervorrufen könnten, wie:

  • Geborene Babys die In Steiß- oder Beckenendlage zur Welt kommen, weisen etwa 25-mal öfter eine Hüftdysplasie auf als jene, mit normaler Geburtslage.
  • Beengende Verhältnisse im Mutterleib, wie bei einer Mehrlingsschwangerschaft
  • Hormonelle Faktoren: Das Schwangerschaftshormon Progesteron bewirkt vermutlich stärkere Lockerung der Hüftgelenkskapsel
  • Fehlbildungen im Bereich der Wirbelsäule und Beine
  • Neurologische oder muskuläre Erkrankungen wie offener Rücken
  • Fehlhaltung der Hüftgelenke nach der Geburt
  • eine straffe Bauchmuskulatur und Gebärmutter bei Erstschwangerschaften
  • Bei einer Steißlage, wodurch die Hüften in der Gebärmutter stark gebeugt werden
  • eine geringe Fruchtwassermenge
  • eine Frühgeburt

Genetische Faktoren einer Hüftdysplasie:

Bei Kindern, wo die Eltern an einer Hüftdysplasie leiden, besteht ein 5- bis 10-fach erhöhtes Risiko ebenfalls daran zu erkranken. Grunderkrankungen, wie Trisomie 18, können zu einer Hüftdysplasie führen.

Behandlungsmethoden bei einer Hüftdysplasie

Eine therapeutische Behandlung von Hüftdysplasie, hängt vorwiegend vom Schweregrad der Fehlbildung ab. Dabei können sowohl konservative, als auch operative Maßnahmen in Betracht gezogen werden.

Konservative Behandlung:

Die konservative Behandlung einer Hüftdysplasie oder Hüftluxation, besteht aus drei Therapie-Methoden: Ausreifungsbehandlung, Reposition und Retention.

Ausreifungsbehandlung:

Wird bei der Geburt eine Instabilität im Hüftgelenk festgestellt, die aufgrund einer Reifungsverzögerung zu Grunde liegt, bildet sich diese bei normaler Entwicklung in 80 Prozent der Fälle, innerhalb von zwei Monaten von allein zurück. Hier reicht als ärztliche Maßnahme, eine Überwachung mittels Ultraschall vollkommen aus. Mit extra breiten Windeln, kann die Ausreifung durch festes Wickeln des Babys unterstützt werden. Bei einer schwerer liegenden Hüftdysplasie, bei der der Hüftkopf noch in der Gelenkpfanne verankert liegt, wird dem Kleinkind eine Spreizhose angepasst. Die Dauer der Behandlung ist hier ganz individuell und hängt vom Schweregrad der Missbildung ab. Diese Therapie wird so lange durchgeführt, bis sich die Ausbildung der Hüftgelenkpfanne normalisiert. Dabei wird die Behandlung in regelmäßigen Abständen mit einem Ultraschall überprüft und überwacht. Der Arzt fertigt, sobald die Hüftgelenkpfanne mit zwölf Lebensmonaten ausgereift ist, ein Röntgenbild der Hüfte an. Hier kann er genau erkennen und feststellen, ob der Hüftkopf und die Hüftpfanne gut geformt sind. Dabei werden verschiedene Hilfsmittel zur Fehlstellungskorrektur eingesetzt.  Zum Beispiel wird mit Hilfe einer speziellen Spreizhose das Hüftgelenk stark auseinandergespreizt und gebeugt. So befindet sich der Hüftkopf tief in die Hüftpfanne und wird in dieser Lage belassen. In dieser fixierten Position können Hüftkopf und Hüftpfanne nachreifen und ausheilen. Zusätzlich wird der Genesungsprozess zwischen den Hüftgelenksteilen und dem Verknöcherungsprozess, durch Bewegung positiv beeinflusst.

Reposition und Retention:

Wenn bei einem Kind der Hüftkopf aus der Gelenkpfanne herausrutscht (Luxation), muss er in die Pfanne „eingerenkt“ (Reposition) und anschließend dort gehalten werden (Retention). Bei Kleinkindern mit einem Maximalalter von neun Monaten, kann unterstützend dazu eine Repositionsbandage angebracht werden. So können sich die Hüftgelenke durch das Strampeln wieder spontan einrenken und der Verband kann längere Zeit in dieser Position zur besseren Stabilisation beitragen.

Eine weitere Variante bietet das manuelle Einrenken des heraus gerutschten Hüftkopfes. Hier wird ein Gipsverband in Sitz-Hock-Position über mehrere Wochen angebracht. Dadurch bleibt der Hüftkopf stabil und dauerhaft fixiert in der Hüftgelenkpfanne verankert. Somit kann durch das Wiedereinrenken von Kopf und Pfanne eine normale Entwicklung stattfinden. Wenn das Einrenken nicht geklappt hat oder das Kind schon älter ist, wird meist eine Extensionsbehandlung angewendet. Diese Behandlung eignet sich dafür, um das Hüftgelenk zu lockern und die verkürzte Muskulatur zu dehnen.

Wenn keine dieser konservativen Behandlungsmaßnahmen erfolgreich waren, oder die Missbildung schon zu weit fortgeschritten ist (ältere Kinder, Jugendlichen oder Erwachsenen) wird eine Operation notwendig. Dafür gibt es verschiedene operative Verfahren, die hier zur Anwendung kommen. Wie bei jeder Operation kann es auch hier zu Risiken kommen. Wie etwa Wachstumsstörungen des Schenkelhalses oder ein Absterben des Hüftkopfes, um nur wenige zu nennen.

Krankheitsverlauf und Prognose bei Erwachsenen

Die Sonographie hat bei der Erkennung der Hüftdysplasie von Erwachsenen jedoch keine Bedeutung. Da die Knochen im Erwachsenenalter bereits völlig verknöchert sind, Kommt hier die Röntgenübersichtsaufnahme des Beckens als diagnostisches Mittel zum Einsatz. Wenn eine Hüftdysplasie zu spät behandelt wird, kann es zu schweren Folgenschäden kommen. Je früher die Hüftdysplasie behandelt wird, umso leichter lässt sie sich beheben und dadurch vergrößern sind die Chancen auf eine Heilung. Leider wird eine Hüftdysplasie bei Erwachsenen oft nur sehr spät erkannt, da meist erst im Erwachsenenalter die Beschwerden auftreten. Oft merkt man die Schmerzen beim Sport oder bei starken Belastungen in der Leiste. Ebenso sind plötzlich auftretende Blockaden in den Gelenken, oder ein unsicherer Stand, erste Anzeichen für eine Hüftdysplasie. Bleibt die Hüftdysplasie unbehandelt, kann das zur Folge haben, dass beim Hüftgelenk eine dauerhafte Schädigung zurückbleibt. Denn durch die falsche Belastung der Gelenkflächen, kann das Gelenk sehr schnell unter Abnutzungserscheinungen leiden. Dies kann im schlimmsten Fall schon vor dem 40. Lebensjahr zu einer schmerzhaften Hüftgelenksarthrose führen. Anzeichen dafür sind starke Schmerzen schon bei kleinsten Belastungen, wie langes Sitzen oder Stehen. Dazu kommt meist, eine Bewegungseinschränkung der Hüfte, was die Gehfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Häufig sind die Betroffenen in ihrem Alltag stark eingeschränkt und auf verschiedene Medikamente zur Schmerzlinderung angewiesen. Falls die Hüftdysplasie unbehandelt bleibt, kann womöglich der Kopf des Oberschenkelknochens aus der Gelenkpfanne rutschen.

Krankheitsverlauf und Prognose bei Kindern

Heutzutage wird in Deutschland jedes Kind in den ersten Tagen nach der Geburt, im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung auf Hüftdysplasie untersucht. Damit man auch sicher eine Missbildung ausschließen kann, wird dies durch eine Ultraschall Untersuchung abgesichert. Spätestens in der 12. bis 16. Woche Lebenswoche kann man sich sicher sein, dass alles passt und sich normal entwickelt. Eine Röntgenuntersuchung ist bei dieser Art der Feststellung normalerweise nicht nötig. Falls das Baby die Beine nicht ganz abspreizen kann, verstärkt sich jedoch der Verdacht auf eine Hüftdysplasie. Ein Anzeichen für diese Missbildung ist auch, wenn das Bein auf der betroffenen Seite kürzer aussieht als das andere, oder die Gesäßfalten ungleich erscheinen. Die Hüftdysplasie allein verursacht zunächst dem Säugling jedoch noch keine Schmerzen. Falls sie aber nicht rechtzeitig erkannt oder behandelt wird, können Schäden an Hüftpfanne und Hüftkopf oder eine Hüftluxation auftreten.

Eine Selbsthilfe ist in diesem Fall nicht möglich und wird auch nicht von alleine wieder heilen. Falls die Missbildung unbehandelt bleibt, kann es beim Kind zu einer dauerhaften Fehlstellung der Gelenkpfanne kommen oder zu einer Gehbehinderung führen. Die Behandlungsmethoden und Therapien sind von Patient zu Patient ganz unterschiedlich, da es hier vorwiegend auf den jeweiligen Schweregrad der Fehlbildung ankommt. Ist die Dysplasie beim Neugeborenen nur leicht ausgeprägt kann ein breites Wickeln ausreichen, da es sich hier nur um eine Entwicklungsverzögerung handelt. Etwa in der sechsten Lebenswoche sollte die Hüftgelenkpfanne völlig ausgereift sein. Bei höhergradigen Veränderungen wird dem Kind eine Spreizhose oder Schiene angepasst. Der Heilungsprozess beträgt etwa drei Monate und wird in regelmäßigen Abständen mittels Ultraschall überprüft und kontrolliert. Nach erfolgreicher Behandlung der ersten Lebenswochen und Lebensmonaten, entwickeln sich die Hüftgelenke bei ca. 90 Prozent der betroffenen Kinder ganz normal.

Kann man einer Hüftdysplasie vorbeugen?

Eine Hüftdysplasie lässt sich leider nicht vorbeugen oder verhindern. Für eine vollständige Heilung ist es unbedingt notwendig, dass eine Missbildung frühzeitig erkannt wird. Je früher die Therapie beginnt, desto kürzer ist sie und umso geringer ist die Gefahr, dass der Hüftkopf oder die Gelenkpfanne geschädigt werden.

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