Hüftdysplasie Spätfolgen

Als Hüftdysplasie bezeichnen Mediziner eine angeborene oder erworbene Fehlbildung der Hüftgelenkpfanne. Sie tritt bei etwa zwei bis drei von 100 Neugeborenen auf, vor allem bei Mädchen.
Die Hüftdysplasie beim Erwachsenen ist dank des eingeführten Neugeborenen- Screenings selten geworden. Dennoch gibt es nach wie vor Patienten, die auch im Erwachsenenalter unter der Hüftdysplasie und den damit verbundenen Folgen leiden. Da die Hüftdysplasie unbehandelt zu Gelenk,- Muskel- und Bandveränderungen führt, sind betroffene Patienten in ihrer Bewegung stark eingeschränkt und leiden zudem unter starken Schmerzen. Aufgrund der Deformitäten können nur operative Eingriffe die Beschwerden lindern. Neben der Osteotomie erhalten viele Patienten ein künstliches Hüftgelenk, da die arthrotischen Veränderungen zu weit fortgeschritten sind.

Spätfolgen durch eine unbehandelte Hüftdysplasie

Erkennt man die richtige Diagnose nicht oder unterlässt aus anderen Gründen eine konsequente Behandlung, bilden sich mit der Zeit unterschiedliche Fehlformen der beteiligten Knochen, Bänder und Muskeln. Langfristig resultiert aus der anatomischen Fehlposition der Gelenkanteile, ein vorausgehender Knorpel- und Gelenkverschleiß und eine Arthrose des Hüftgelenkes. Diese Patienten benötigen dann bereits in jüngeren Jahren ein künstliches Hüftgelenk und müssen dabei eine höhere Lockerungsrate als ältere Patienten hinnehmen.

Wird eine Hüftdysplasie erst spät erkannt, lässt sich eine Operation meist nicht vermeiden und es droht eine Hüftluxation. Unbehandelte Fehlbildungen leichterer Ausprägung der Hüftgelenke, können später zu vorzeitigem Verschleiß führen. Der Hüftkopf ist nicht hinreichend überdacht und deswegen nach oben ausgewandert. Hieraus resultiert eine Beinverkürzung. Im Laufe der Zeit kann es zu einer massiven Entrundung des Kopfes kommen. Der Gelenkspalt ist dabei fast ganz aufgehoben und das Hüftgelenk wird steif und bewegungsunfähig. Durch die Fehlform des Hüftgelenkes und die mangelnde Überdachung des Hüftkopfes entstehen belastungsabhängige stechende Leistenschmerzen, sowie seitliche Hüftgelenksschmerzen. Wird die Hüftdysplasie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, kann das Hüftgelenk einen bleibenden Schaden nehmen. Es können arthrotische Veränderungen des Hüftgelenks entstehen, welche starke Schmerzen bei kleinsten Belastungen, langem Sitzen oder Stehen hervorrufen. Hierdurch sind die Patienten in ihrer Bewegung im Alltag stark eingeschränkt. Oft stellt schon eine Gehstrecke von 20 Metern eine schwere Hürde dar. Um den Alltag zu bewältigen müssen die betroffenen Patienten in den meisten Fällen regelmäßig Schmerzmittel einnehmen.

Unbehandelt kann daher die Hüftdysplasie zu einer dauerhaften Schädigung von Hüftkopf oder Gelenkpfanne führen. Eine spätere Gehbehinderung sowie vorzeitige Abnutzungserscheinungen, sind die möglichen Folgen. Nicht erkannte Hüftdysplasien führen bei Kindern mitunter zu einem Hohlkreuz. Zudem entwickeln sie manchmal einen entenartigen Watschelgang. Werden Hüftdysplasien nicht korrigiert, kommt es zu fortschreitenden Veränderungen der Hüftgelenke und des Oberschenkelkopfes. Diese gehen mit Gehbehinderungen (Hinken), Bewegungseinschränkungen und häufig starken Schmerzen einher.

Eine frühzeitige Therapie ist unter anderem wichtig, weil durch eine Hüftdysplasie das Gelenk schneller verschleißt und sich im Erwachsenenalter oft früh eine Arthrose entwickelt. Zudem kann ohne ausreichende Behandlung aus der Hüftreifestörung eine Hüftluxation werden – das heißt, der Hüftkopf rutscht vollständig aus der Gelenkpfanne. Wird eine Hüftdysplasien aber übersehen oder nicht korrigiert, drohen im Laufe der Jahre ernste Folgeschäden. Das sind Gehbehinderungen, mitunter starke Schmerzen, Hüftgelenkarthrose und am Ende nicht selten künstliche Hüftgelenke. In seltenen Fällen geschieht dies sogar schon vor der Geburt: Etwa eins von 1.000 Babys wird mit einer Hüftluxation geboren.

Vorbeugen einer Hüftdysplasie

Es gibt keine Maßnahme, mit der Sie einer Hüftdysplasie generell vorbeugen können, denn die Ursachen und Risikofaktoren der Hüftreifestörung, zum Beispiel familiäre Veranlagung, weibliches Geschlecht oder ungünstige Positionen des Ungeborenen im Mutterleib, lassen sich nicht beeinflussen. Am häufigsten sind Hüftdysplasien, wenn das Neugeborene sich im Endstadium der Schwangerschaft in einer Steißlage befindet. Offenbar wird die gesunde Entwicklung des noch leicht formbaren Gewebes von Oberschenkelkopf und Hüftgelenkpanne durch diese Lage gestört. Auch beengte Platzverhältnisse bei Mehrlingsschwangerschaften können Fehlbildungen der Hüftgelenke begünstigen.
Zur unterstützenden Therapie von Hüftdysplasien und zur Vorbeugung von Hüftluxationen können Eltern beitragen, indem sie:

♣ die Beine von Neugeborenen nicht dehnen oder strecken.
♣ Neugeborene in den ersten Lebenswochen nicht auf den Bauch legen.
♣ die Kinder richtig positioniert in einem Tragetuch tragen (mit Steg, der eine Abspreizung der Beine von beidseits je 35-45 Grad ermöglicht, Po tief und Kniekehlen in Nabelhöhe)
♣ so wickeln, dass die Beine des Kindes immer gebeugt bleiben.

Sie können jedoch den Folgen einer Hüftdysplasie vorbeugen, denn unbehandelt besteht die Gefahr, dass sich die Hüftgelenke bereits in jungen Jahren abnutzen. Um eine gesunde Entwicklung der Hüftgelenke bei Ihrem Kind zu fördern, empfehlen Experten, Babys in einer „Anhock-Spreizstellung“ zu tragen. Der Fachhandel bietet hierzu eine Vielzahl an Tragesystemen und Tragetüchern an. Allerdings gewährleisten nicht alle Tragehilfen die gewünschte Position. Um sicher zu sein, dass Ihr Kind sich in der richtigen Stellung befindet, fragen Sie am besten Ihre Hebamme oder Ihren Kinderarzt.

Für die vollständige Heilung einer Hüftdysplasie ist es entscheidend, ob diese früh genug erkannt wird. In den meisten Fällen lässt sich eine Hüftdysplasie mit verschiedenen Maßnahmen, wie etwa bestimmten Wickeltechniken, Spreizhosen oder Schienen gut behandeln. Je früher die Therapie beginnt, desto besser lässt sich die Form des Hüftgelenks noch beeinflussen. Deswegen gehört eine Ultraschall-Untersuchung der Hüften in Deutschland zur vorgeschriebenen Vorsorgeuntersuchung U3, die in der vierten bis sechsten Lebenswoche stattfindet. In der Regel reicht eine gründliche Anamnese in Kombination mit einer konventionellen Röntgen- Beckenübersichtsaufnahme aus, um die Diagnose einer Hüftdysplasie zu stellen. Hierbei wird das Becken mit den Hüftgelenken von vorne nach hinten geröntgt. Dabei wird die Überdachungsstellung des Hüftkopfes durch die Hüftpfanne und die Stellung des Hüftkopfes im Gelenk beurteilt. Dennoch gibt es nach wie vor Patienten, deren Hüftdysplasie nicht im Neugeborenen-Screening frühzeitig erkannt wurde. Gründe hierfür sind unzureichende Frühdiagnostik in anderen Ländern, oder fehlerhafte Diagnose durch Unerfahrenheit des Untersuchers.

Kommentare sind geschlossen.