In Deutschland wird zu viel operiert, kritisieren Experten immer wieder. Dabei stehen besonders Hüftoperationen im Fokus. Denn in kaum einem anderen europäischen Land ist die Zahl dieser Eingriffe so hoch wie bei uns. Doch was kann man tun, um seine Hüften möglichst lange gesund zu halten? Und welche Therapien helfen, auch ohne OP wieder schmerzfrei zu werden?

Physikalische Therapiemaßnahmen der Schmerzlinderung

Schmerzen entstehen, wenn durchziehende Nervenfasern auf schmerzauslösende Reize reagieren und diese Form von Schmerzsignalen an das Schmerzzentrum im Gehirn weiterleiten. Dieser Schmerz ist oft eine größere Belastung, als die zugrundeliegende Erkrankung, da die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt und eingeschränkt wird. Besonders in der akuten Schmerzphase zählen physikalische Therapien zu den Behandlungsbausteinen einer umfassenden Schmerztherapie. Dazu zählen zum Beispiel:

Krankengymnastik:

Eine regelmäßige Krankengymnastik kann den Verlauf einer Hüftarthrose positiv beeinflusst und die Schmerzen lindern. Sie können Fehlhaltungen korrigieren, die Beweglichkeit der Gelenk verbessern und den Muskelaufbau fördern. Nachdem die Übungen einige Zeit unter Aufsicht des Physiotherapeuten durchgeführt wurden, kann der Patient diese auch zu Hause weiter fortführen. Eine notwendige Krankengymnastik wird vom Arzt auf Rezept verschrieben, dadurch muss der Patient nur eine kleine Zuzahlung leisten.

Wärme- und Kälteanwendungen:

Bei Muskelverspannungen im Hüftbereich lindern ein Heiz- oder Arthrodesenkissen, Moorpackungen oder wärmende Salben die Schmerzen. Allerdings empfindet nicht jeder Patient Wärmeanwendungen als hilfreich. Kommt es durch eine Arthrose zu einer Entzündung im Gelenk, helfen meist Kälteanwendungen für eine schnelle Besserung.

Massage:

Massagen empfinden viele Patienten als sehr wohltuend. Natürlich weniger für die Hüfte, sondern für den Rücken, der durch mein schlechtes Gangbild leider auch in Mitleidenschaft gezogen wird. Spezielle Massagetechniken wie die Tuina-Massage helfen bei muskulären Problemen.

Traditionelle Chinesische Medizin:

Die Heilkunst aus Fernost bietet verschiedene Möglichkeiten gegen Hüftschmerzen. Sie betrachtet eine Erkrankung nicht isoliert, sondern mit Blick auf den ganzen Körper und die Lebensumstände eines Patienten. Die Palette der Therapien ist sehr groß und wird je nach individueller Diagnose eingesetzt. Atem- und Bewegungsübungen wie Qi Gong und Tai-Chi bringen Entspannung. Akupunktur und Moxibustion gleichen nach der chinesischen Lehre einen gestörten Energiefluss im Körper wieder aus. Die meisten Behandlungen müssen die Patienten allerdings selbst zahlen. Lediglich die Akupunktur-Behandlung ist bei chronischen Schmerzen der Lendenwirbelsäule oder chronischen Schmerzen im Kniegelenk eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Dabei können Patienten bis zu zehn Akupunktursitzungen in Anspruch nehmen, in Ausnahmefällen auch mehr

Elektrotherapie:

Mit einem NMES-Gerät bekommt man eine Art von elektrischen Stimulationen, dadurch werden Reflexe erzeugt, die eine Muskelkontraktion auslösen und durch gleichzeitiges Anspannen der Muskulatur, den Muskelaufbau unterstützen. Mit einem TENS-Gerät (transkutane elektrische Nervenstimulation) werden gezielt Punkte am Körper stimuliert, wodurch Schmerzen und Beschwerden gelindert werden. Dabei werden am Hüftgelenk über aufgeklebte Elektroden niederfrequente Ströme verabreicht. Sie wirken auf die schmerzleitenden Nerven und führen zu einer Schmerzlinderung. Auch eine Behandlung mit Ultraschall kann in manchen Fällen hilfreich sein.

Hydrotherapie:

Darunter versteht man alle Behandlungen mit und im Wasser, dazu zählt auch die Krankengymnastik im warmen Wasser. Diese Behandlung wird von vielen Patienten, die unter starken Beschwerden leiden, einer „trockenen“ Krankengymnastik vorgezogen. Alle Übungen gehen, durch den Auftrieb des Wassers, leichter und das warme Wasser ist wohltuend. Ideal sind auch Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren.

Medikamentöse Therapie:

Bei starken Schmerzen sind Medikamente meist unumgänglich, denn sie ermöglichen, dass der Patient trotz Schmerzen in Bewegung bleiben kann. Es gibt verschiedene Gruppen von Medikamenten, die der Arzt entsprechend der genauen Diagnose verschreiben wird. Manche Schmerzmittel lindern ebenfalls eine Entzündung und werden bei einer Arthrose auch direkt ins Gelenk gespritzt. Das wird aber erst gemacht, wenn andere Maßnahmen nicht mehr greifen.

Hier stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die auftretende Beschwerden häufig für einen gewissen Zeitraum lindern oder sogar beseitigen. Zum Beispiel: Paracetamol, Ibuprofen, Diclofenac, Metamizol-Tropfen, und zuletzt Tramadol. Da die Wirkungsweise und Stärke von Medikamenten unterschiedlich ist, und auch jeder Körper anders auf ein Medikament reagiert, sollte eine Einnahme nur auf Empfehlung des behandelnden Arztes erfolgen.

Wer eine ganze Zeit mit Schmerzen gelebt habt, weiß alle diese Therapiemöglichkeiten zur Schmerzlinderung zu schätzen. Je nachdem wie stark die Beschwerden sind können diese konservativen (nicht operativen) Behandlungen ausreichend sein, oder einen gewissen Zeitraum überbrücken. Man sollte jedoch berücksichtigen, dass alle diese Maßnahmen nur darauf abzielen, Reizerscheinungen abklingen zu lassen, die Beweglichkeit zu verbessern und Schmerzen zu lindern. Das eigentliche Hüftproblem, sprich die Hüftdysplasie wird dadurch nicht behoben.

Osteopathie:

Osteopathische Behandlungen sin Teil der manuellen Therapie. Nach eingehender Befragung über die medizinische Lebensgeschichte des Patienten (frühere Verletzungen, Stürze, Operation) beginnt der Osteopath mit der Diagnostik und anschließender Therapie. Mit den Händen spürt er Verspannungen, Blockaden oder Dysbalancen im Bauchraum auf und löst diese durch spezielle Handgriffe. Präzise Kenntnis von Anatomie und Physiologie sind die Grundlage eines Osteopathen. Die Behandlung von Hüftschmerzen ist dabei ein häufiges Behandlungsgebiet und Krankenkassen gewähren mittlerweile einen anteiligen Zuschuss für die Kosten.

Zehn Tipps für den Alltag

  1. Versuchen Sie überflüssige Pfunde loszuwerden, denn jedes Kilo zu viel belastet die Hüfte und beschleunigt den Knorpelabbau.
  2. Bewegung „schmiert“ die Gelenke. Schwimmen, Radfahren und bald auch wieder Skilanglauf sind Sportarten, die günstig für Arthrose-Patienten sind.
  3. Schonen schadet. Verursacht Bewegung Schmerzen im Hüftbereich, versucht man die betroffene Region unwillkürlich zu schonen. Doch das kann oft zu weiteren Fehlhaltungen und Verspannungen führen. Versuchen Sie sich trotzdem ein bisschen zu bewegen.
  4. Achten Sie Ihrer Hüfte zuliebe auf Ihre Körperhaltung. Stehen Sie möglichst gleichmäßig auf beiden Beinen. Stellen Sie die Füße etwa hüftbreit auseinander.
  5. Schlagen Sie die Beine im Sitzen nicht übereinander. Das Gewicht sollte möglichst gleichmäßig auf die Sitzknochen verteilt werden.
  6. Prüfen Sie Ihr Schuhwerk, ob die Absätze einseitig abgetreten sind. Solche Fehlhaltungen in den Füßen können sich bis in die Hüfte ziehen.
  7. Bei Fehlstellungen in den Füßen sollte man sich Einlagen oder orthopädische Schuhe verschreiben lassen.
  8. Schmerzt die Hüfte dauerhaft, erleichtern Sitzerhöhungen auf der Toilette und Stühlen den Alltag.
  9. Wird ein Gehstock benötigt, dann setzen Sie ihn immer auf der Gegenseite des erkrankten Gelenks ein.
  10. Tauschen Sie sich mit anderen Betroffenen aus. Und lassen Sie den Kopf nicht hängen, wenn die bisherigen Therapien nicht angeschlagen haben.

Ernährung, Bewegung und die Psyche spielen eine Rolle

Die Hüfte ist ein zentrales Gelenk, daher werden eher Therapien erfolgreich sein, die das Problem von vielen verschiedenen Seiten gleichzeitig behandeln. Die Palette der Herangehensweise ist groß, wobei man auch die Ernährung beachten sollte. Ausreichend Flüssigkeit und eine ausgewogene Kost mit einem hohen Anteil an Gemüse, tun dem Körper gut und damit auch den Gelenken. Wer bereits Probleme mit den Gelenken hat, sollte den Genuss von Bier und hochprozentigen Alkohol meiden. Denn diese Getränke fördern die Ablagerung von Harnsäurekristallen in den Gelenken, Muskeln und Sehnen.

Auch Spazierengehen, Schwimmen und jede Art von Bewegung wirkt sich positiv auf die Durchblutung der gelenkumgebenden Muskeln und Knorpeln aus. Bewegung ist wie das natürlichste Medikament für gesunde Gelenke. Studien haben gezeigt, dass die Muskeln auch im höheren Alter noch aufgebaut werden, wenn man regelmäßig Sport betreibt.

Manchmal kann die Ursache für Hüftschmerzen auch im emotionalen Bereich liegen. Auch wenn man normalerweise davon ausgeht, dass große Erschöpfung, Sorgen in Beruf oder Familie vor allem Rückenschmerzen verursachen, kann auch ein Hüftschmerz Ausdruck einer seelischen Überforderung sein.

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