Hüftdysplasie bei Kindern

Etwa 3-5 % aller Neugeborenen kommen mit einer Hüftdysplasie zur Welt. Dies ist eine angeborene mangelhafte Ausbildung und Reifungsstörung, wo der Hüftgelenkkopf nicht richtig ausgeformt ist und keinen stabilen Halt in der Hüftgelenkpfanne findet. Im schwersten Fall kann der Kopf vollständig aus der Pfanne rutschen. Hüftdysplasie tritt bei Mädchen sechsmal häufiger auf, als bei Buben. Sie ist zudem die häufigste angeborene Skelettfehlentwicklung, wobei bei vierzig Prozent der Babys beide Seiten betroffen sind. Ohne entsprechende Therapie kann es bei Babys und Kindern zu einer Fehlentwicklung des Hüftgelenks führen. Da bei Babys keine offensichtlichen Symptome erkennbar sind, wird bei allen Neugeborenen bei den Vorsorgeuntersuchungen, ein Ultraschall der Hüfte durchgeführt. Frühzeitig erkannt und richtig behandelt, heilt die Hüftdysplasie meist problemlos aus. Doch es kann auch vorkommen, dass unter besonderen Umständen eine Operation nötig ist.

Was sind die Ursachen für eine Hüftdysplasie?

Die genauen Ursachen sind nicht bekannt. Es gibt aber Risikofaktoren, die die Entstehungsweise einer Fehlstellung beeinträchtigen:

  • Der Fötus liegt nicht richtig im Mutterleib, wie bei einer Steißlage.
  • Beengende Verhältnisse im Mutterleib (z. B. Mehrlingsschwangerschaft)
  • Genetische Veranlagung
  • Missbildungen im Bereich der Wirbelsäule, Beine und Füße
  • Neurologische oder muskuläre Erkrankungen

Diagnostik und Behandlung bei Kindern mit Hüftdysplasie

Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung (dritter bis zehnter Lebenstag) wird bereits jedes Kind auf eine Hüftdysplasie untersucht. Diagnostiziert wird diese mit einer Ultraschall-Untersuchung, kurz nach der Geburt, oder in der 12. bis 16. Woche. Bei Neugeborenen wir in der Regel eine Ultraschalluntersuchung vorgenommen, da diese am besten zur Diagnose einer Hüftdysplasie geeignet ist. Denn hier kann man die Entwicklung der noch knorpeligen Hüfte am besten beurteilen. Ab dem 1. Lebensjahr lässt sich das Gelenk wegen der zunehmenden Verknöcherung besser auf einem Röntgenbild abbilden.

Eine Arthrografie wird dann notwendig, wenn sich beim Säugling die Hüfte nicht wieder einrenken lässt. Dann wird ein Kontrastmittel in das Gelenk injiziert und aus mehreren Winkeln Röntgenbilder angefertigt. So lässt sich erkennen, ob etwa eine Sehne ein Einrenken verhindert.

Behandlung mit einer Spreizhose:

Besteht nur eine Hüftdysplasie ohne Luxation (Typ II), kann diese durch eine Spreizhose, Schiene oder Bandage therapiert werden. Diese hält das Bein konstant in einer gebeugten und abgespreizten Stellung. So kann der Hüftkopf wieder in die Pfanne gedrückt werden und die Reifung des Gelenks wird damit unterstützt. So eine Schiene muss einige Wochen bis Monate rund um die Uhr getragen werden.

Einrenkung der Hüfte mittels Overhead-Extension:

Bei einer Luxation (Typ III und IV) muss die Hüfte sofort wieder eingerenkt werden. Eine Methode davon ist die Overhead-Extension. Die Behandlung besteht darin, den Hüftkopf wieder einzurenken und in der Gelenkpfanne zu befestigen. Dies geschieht mit Hilfe eines so genannten Extensionsapparats.  Hier werden die Beine des Kindes mit einem Gipsverband auseinandergespreizt, um den Hüftkopf stabil und dauerhaft in der Hüftgelenkpfanne zu halten. Durch den wieder hergestellten Kontakt können sich Kopf und Pfanne normal entwickeln. Bei dieser Variante werden die Beine in einer abgespreizten Stellung, an einer befestigten Konstruktion gehalten. Anhand dieses Zugs wird der Hüftkopf innerhalb einiger Tage bis Wochen in die richtige Position hineinrutschen.

Anschließend erfolgt die Ausreifung der Hüfte mit Hilfe von Schienen, wo die Beine des Kindes in einer Spreizhaltung gehalten werden. Die Behandlungsdauer beträgt etwa zwölf Wochen, bis sich das Gelenk im Ultraschall ausgedreht hat. Zusammen beträgt die Behandlung einer Hüftluxation zirka sieben Monate.

Welche Anzeichen für eine Hüftdysplasie gibt es?

Bei Babys mit einer angeborenen Hüftdysplasie lassen sich keine Symptome erkennen, weil sie noch nicht laufen und so keine Schmerzen haben. Außer es liegt eine Luxation der Hüfte vor, dann können erste Anzeichen erkannt werden. Dies macht sich bemerkbar, indem der Hüftkopf meist nach oben aus der Pfanne rutscht und es zu einer optisch erkennbaren Verkürzung des betroffenen Beines kommt. Außerdem ist meist eine Asymmetrie der Falten am Oberschenkel und am Gesäß zu sehen. Einige Säuglinge zeigen zudem eine haltensauffällige Stellung der Beine. Doch grundsätzlich zeigen sich Symptome einer Hüftdysplasie erst dann, wenn die Kinder mit dem Laufen anfangen. Typisch für eine Luxation der Hüfte, ist ein schiefes Becken und ein watschelnder oder hinkender Gang. In manchen Fällen kippt das Becken nach vorne, dessen Folge ein starkes Hohlkreuz ist. Zusätzlich ist eine Bewegungseinschränkung der Hüfte meist vorprogrammiert. Hüftschmerzen sind allerdings untypisch für eine Hüftdysplasie, da die Kinder stattdessen über Schmerzen im Knie oder in der Leiste klagen.

Typisches Anzeichen einer Hüftluxation ist das Trendelenburgzeichen. Dies macht sich bemerkbar, indem es im Einbeinstand auf dem betroffenen Bein, zu einer Abkippung des Beckens zur gesunden Seite kommt. Falls es bereits zu einer Hüftluxation gekommen ist, kann das Kleinkind die Beine nur minimal abspreizen. Das Bein auf der betroffenen Seite erscheint somit kürzer als das andere, und die Gesäßfalten wirken ungleich. Wird die Hüftdysplasie nicht rechtzeitig erkannt, können Schäden an Hüftpfanne und Hüftkopfkopf, oder eine Hüftluxation entstehen. Falls die genannten Anzeichen auftreten, sollten Sie umgehend einen Kinderarzt oder Orthopäden kontaktieren.

Wie sehen therapeutische Maßnahmen bei einer Hüftdysplasie aus?

Konservative Behandlungsmöglichkeiten bei einem Kleinkind sind bis etwa zum 18. Lebensmonat vertretbar. Bei einer Hüftdysplasie wird im Normalfall nur der 3. Behandlungsschritt, die Nachreifungstherapie, durchgeführt. Hier bekommt das Baby eine Stabilisierung, die Positionsveränderungen nur in einer geringen Beuge-Spreizstellung ermöglichen. Durch diese stabile Stellung wird das Hüft-Pfannendach, vom Druck des Hüftkopfes entlastet und so kann das Pfannendach entwickeln. Solche Hilfsmittel zur Behandlung einer Hüftdysplasie werden normalerweise über der Kleidung getragen und sollten nur zum Wickeln, Baden oder Umziehen des Säuglings kurzzeitig abgenommen werden. In der restlichen Zeit ist ein ständiges Tragen zu empfehlen, da sich das Kind so schneller daran gewöhnen kann. Anhand einer konsequenten Therapie mit einer Nachreifungsorthese, kann die unterentwickelte Hüfte schnellstmöglich nachwachsen und bereits nach wenigen Wochen beendet werden.

Eine Selbsthilfe ist bei dieser Erkrankung nicht möglich! Wird die Hüftdysplasie nicht behandelt, kann es zu einer Missbildung der Gelenkpfanne und folglich zu einer Gehbehinderung kommen. Die Therapie ist individuell abhängig vom Krankheitszustand und den Fehlbildungen der Hüfte. Bei einer leichtgradigen Dysplasie ist schon ein breites Wickeln ausreichend, da es sich hier nur um eine Entwicklungsverzögerung handelt. Bereits sechs Wochen nach der Geburt sollte die Hüftgelenkpfanne vollständig ausgereift sein. Bei stärkeren Missbildungen wird dem Kind wie bereits oben beschrieben eine Spreizhose oder Schiene angepasst. Dieser Prozess wird in gewissen Abständen mittels Ultraschall regelmäßig kontrolliert.

Nur wenn diese Maßnahmen erfolglos bleiben oder die Fehlstellung zu spät erkannt wird, ist eine Operation notwendig.

Operationsmaßnahmen bei Kindern mit Hüftdysplasie

Falls die Hüftdysplasie zu spät erkannt wurde, um konservative Therapiemöglichkeiten durchzuführen, muss der Hüftkopf durch einen operativen Eingriff wieder in die Hüftpfanne gebracht werden. Zur operativen Behandlung können zahlreiche Operationsverfahren angewendet werden. So wird etwa bei Kindern im Alter von 2-8 Jahren, die Salter-Osteotomie, zur mechanischen und orthopädischen Verbesserung des Hüftkopfes angewendet. Sie gilt als bewährte Methode der 3-fach Beckenosteotomie. Die Hüftpfanne wird dabei vollständig vom Hüftbein abgetrennt und in eine normale überdachte Stellung gebracht. Je nach Ausprägung und Schweregrad der Erkrankung, kommen verschiedene Hüftgelenks-Endoprothesen zum Einsatz. Im Rahmen der technischen Entwicklung in der Orthopädie, werden immer wirksamere Methoden entwickelt, um so wenig wie möglich Knochenmaterial während einer Hüftoperation zu zerstören.

Kann man einer Hüftdysplasie vorbeugen?

Einer Hüftdysplasie lässt sich leider nicht vorbeugen. Jedes Neugeborene wird in der Regel bei der Vorsorgeuntersuchung, laut Mutter-Kind-Pass daraufhin untersucht. Für eine vollständige Heilung ist es notwendig, dass die Hüftdysplasie frühzeitig erkannt wird. Je früher man mit der Therapie beginnt, desto kürzer ist sie und umso geringer ist die Gefahr, dass der Hüftkopf oder die Gelenkpfanne dauerhaft geschädigt werden.

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