Die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten bei Hüfterkrankungen

Durch Fortschritte in der Diagnostik und neue Studien, haben sich die Behandlungsmaßnahmen von Hüfterkrankungen in den letzten Jahren maßgeblich weiterentwickelt. Musste der Arzt früher die Patienten mit einem künstlichen Hüftgelenk vertrösten, stehen heute bei einzelnen Hüfterkrankungen mehrerer Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Diese können den Ersatz eines künstlichen Gelenks hinausschieben, oder sogar verhindern.

Konservative Therapie

In leichten Fällen hilft Krankengymnastik, die Beweglichkeit zu verbessern und beteiligte Muskeln zu kräftigen. Physikalische Maßnahmen wie Wärme- oder Kälteanwendungen, Massagen, Elektrotherapie und Bäder ergänzen das Therapiespektrum. Gehhilfen, z. B. ein Stock, Unterarmstützen oder ein fahrbarer Gehwagen (Rollator) erhalten die Mobilität. Oft erleichtern orthopädische Einlagen oder Schuhzurichtungen die Fortbewegung, wie gummigepufferte Absätze, Erhöhungen des Schuhaußenrands oder Erhöhungen der Ferse. Orthopädische Stützapparate können das Gelenk führen und entlasten. Im Alltag bringen Keilkissen, Sitzerhöhungen, Strumpfanzieher und andere Hilfsmittel oftmals eine große Erleichterung.

Insgesamt besteht die Rehabilitation aus einer gezielten Heilgymnastik, sowie in der Teilentlastung mit Krücken für wenige Wochen, um das Einheilen des Implantates im Knochen nicht zu stören. Die intensive Nachbehandlung einer Operation, soll dabei helfen die Muskulatur wiederaufzubauen. Die hüftumgebende als auch die gesamte Bein- und Rückenmuskulatur, hat sich im Laufe der Erkrankung verändert. Eine schonende Haltung ist jetzt notwendig, um das veränderte Zusammenspiel der Muskeln wieder zu erlernen. Dies wieder zu normalisieren oder zumindest in den bestmöglichen Zustand zu bringen, ist Aufgabe des Physiotherapeuten in Zusammenarbeit mit dem Patienten.

Medikamente

Bei Schmerzen und einer begleitenden Entzündung wird meist gut auf entzündungshemmende Medikamente (NSAR) reagiert. Injektionen mit Kortisonpräparaten, die direkt in das Gelenk injiziert werden, vermindern die Nebenwirkung von NSAR auf den Organismus, da sich so die Dosis deutlich senken lässt. Allerdings bergen Kortisonspritzen das Risiko von Nekrosen, wenn nicht der freie Gelenkraum, sondern der Knorpel getroffen wird. Der Nutzen von Medikamenten zum Knorpelaufbau ist fraglich. Wenn dann können Gelenkspritzen die Gleiteigenschaften des erkrankten Gelenks etwas verbessern.  So etwa eine Substanz, die natürlicherweise im Knorpel vorkommt -die Hyaluronsäure. Hier eine Auflistung verschiedenster Medikament zur Linderung bei Hüftschmerzen.

  • Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)
  • COX-2-Hemmer
  • Kortison (Glucocorticoide)
  • Opioide:

Beckenumstellungen

Periacetabuläre Beckenosteotomie:

Die periacetabuläre Beckenosteotomie dient zur Behandlung von mechanischen Präarthrosen. Dieser Eingriff wird bei Impingementsymptomen der Hüfte durchgeführt. Die Indikation wird insbesondere bei komplexen Situationen gemacht, wo ein arthroskopischer Eingriff nicht möglich ist. Die PAO wird herangezogen, wenn der Schaden im Gelenk noch relativ gering ist und die Beschwerden minimiert oder weitere Schädigungen verhindert. Ziel einer Beckenosteotomie ist es, den Hüftkopf besser zu überdachen, um die natürliche Belastung des Hüftgelenkes wiederherzustellen. Die operative Umsetzung erfolgt über eine Mobilisation der Gelenkpfanne (Osteotomie), damit diese zur besseren Überdachung weiter über den Hüftkopf geschwenkt werden kann. Hierbei handelt es sich um einen technisch sehr anspruchsvollen Eingriff, der eine Herausforderung für den Chirurgen und den Patienten darstellt. Die Beckenosteotomie bietet jedoch ein hohes Korrekturpotential und die gesamte Operation erfolgt durch einen einzigen Zugang, mit einer Hautschnittlänge von max. 20 cm.

3-Fach-Beckenosteotomie:

Bei der 3-Fach-Beckenosteotomie handelt es sich um ein bewährtes und vielfach durchgeführtes Operationsverfahren, um die Fehlbildung der Hüfte zu korrigieren. Diese Operationsmethode wird in vielen orthopädischen Kliniken Deutschlands, zur Therapie der Hüftgelenksdysplasie durchgeführt und hat sich vor allem im europäischen Raum verbreitet. Ziel der Operation ist es, durch ein Herauslösen der Hüftpfanne, diese in die richtige Stellung über den Hüftkopf anzubringen.

Die 3-fach-Beckenosteotomie ist ein ideales Korrekturverfahren bei angeborenen Hüftpfannenfehlstellungen, wie der Hüftdysplasie oder der Hüftpfannenrotationsfehlstellung. An diesen 3 bereits genannten Stellen wird das Pfannendach gelöst, um es in die richte Stellung zu platzieren und anschließend mit einzelnen Schrauben zu stabilisieren.

Hüftarthroskopien

Die Arthroskopie oder Gelenkspiegelung gehört seit Jahrzehnten zu den orthopädischen Standardoperationen. Das Hüftgelenk ist aufgrund der umgebenden Muskulatur und der Kugelform im Gegensatz zum Knie- und Schultergelenk jedoch wesentlich schwieriger zugängig. Durch die Entwicklung geeigneter Instrumente und die Verbesserung mit speziellen Traktionsvorrichtungen, ist die Spiegelung des Hüftgelenkes sicherere geworden. Sie wird daher in den letzten Jahren immer häufiger zum Wohl der Patienten, sehr erfolgreich eingesetzt. Denn anhand einer Gelenkspiegelung, ist es möglich, minimal-invasiv Erkrankungen des Hüftgelenkes zu diagnostizieren und zu therapieren.

Voraussetzung für eine Spiegelung ist ein auf dem Röntgenbild noch erhaltener Gelenkspalt. Andernfalls ist die Arthrose zu weit fortgeschritten, um die Therapieziele wie Schmerzfreiheit bzw. Schmerzreduktion zu erreichen. Auch bei starkem Übergewicht oder fortgeschrittener Bewegungseinschränkung, sollte offen operiert werden. Bei tiefen Pfannen, einer Kombination aus Labrumläsion und Störung des Kopf-Hals-Übergangs, sowie des Pfannenrands ist eine offene Operation sinnvoller.

Eine Hüftgelenksspiegelung kann bei folgenden Erkrankungen eingesetzt werden:

Femoroacetabuläres Impingement:

Das Impingement Syndrom ist eine anatomische Variante des Hüftkopfes oder des Pfannendachs. Bei bestimmten Bewegungen kann der Hüftkopf an das Pfannendach anschlagen, was Schmerzen verursacht. Die Kontur des Pfannenrandes wird durch Abfräsen, unter arthroskopischer Kontrolle wiederhergestellt.

Läsion der Hüftgelenkslippe:

Knochenauflagerungen am Rand des Hüftkopfes können das Labrum schädigen und bereits in frühen Jahren Schmerzen und eine rasche Abnutzung des Knorpels auslösen. Der Labrumschaden führt zu plötzlich auftretenden, stechenden Leistenschmerzen. Arthroskopisch kann das Labrum wiederhergestellt werden, doch in manchen Fällen ist nur noch die Entfernung möglich.

Knorpelverletzungen:

Unfälle können lokalisierte Knorpelverletzungen verursachen, unbehandelt führen diese Knorpelschäden meistens zu einer Arthrose. Im Rahmen einer Arthroskopie kann der Knorpeldefekt behoben werden, indem die Bildung von Ersatzgewebe angeregt wird, oder eine Knorpeltransplantation durchgeführt wird.

Freie Gelenkkörper:

Bestimmte Erkrankungsbilder an der Hüfte sind mit einer Vielzahl von freien Gelenkkörpern assoziiert. Die Arthroskopie ist bestens geeignet die freien Gelenkkörper zu entfernen.

Hüftgelenksinfektionen:

Infektionen können mittels Arthroskopie minimal- invasiv gespült werden, Antibiotikaträger werden eingebracht und die Gelenkschleimhaut im selben Eingriff entfernt.

Komplementärmedizin

Wärmeanwendungen wie feuchtkalte Wickel oder erwärmte Heublumensäckchen lindern die Beschwerden im chronischen Stadium. Wegen ihrer muskelentspannenden und durchblutungsfördernden Wirkung, sind auch Vollbäder mit Badezusätzen wie Schwefel, Sole oder Fichtennadeln empfehlenswert. Bei einer Arthrose stehen dagegen Kälteanwendungen wie kalte Umschläge oder Quark- bzw. Moorpackungen im Vordergrund, die mehrmals täglich auf die Hüfte aufgetragen werden.

Häufig eingesetzte standardisierte Pflanzenextrakte, die auf Heilpflanzen basieren, wirken durch ihre durchblutungsfördernde sowie schmerzlindernde Wirkungen wohltuend. Allen voran Brennnesselblätter, Ackerschachtelhalmkraut und Löwenzahn.

Homöopathie:

Individuell abgestimmte Konstitutionsbehandlung sowie einige standardisierte Komplexmittel sind hilfreich zur Linderung von Gelenkabnutzungsbeschwerden. Bei fortgeschrittenem Gelenkverschleiß und den damit verbundenen Schmerzen ist eine Kombination mit anderen Therapieformen anzuwenden.

Neuraltherapie:

Lokale Injektionen oder Quaddelungen, z. B. mit Misteln, rund um die betroffene Hüfte, sollen helfen, Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit zu verbessern.

Magnettherapie:

Es gibt Hinweise, dass die Magnettherapie den Knorpelaufbau stimuliert bzw. einen knorpelregenierenden Effekt hat.

Entspannungstherapien:

Yoga, Autogenes Training oder die progressive Muskelrelaxation, haben sich schon bei vielen chronischen Schmerzen des Bewegungsapparats zur Linderung bewährt.

Selbsthilfe und Vorbeugung

Primäre Koxarthrosen kommen am häufigsten vor, hier ist die Ursache nicht bekannt. Insofern lässt sich eine Hüftgelenksarthrose nicht gezielt verhindern, jedoch ein Fortschreiten verzögern. Im Vordergrund steht dabei eine regelmäßige sportliche Betätigung.

Der therapeutische Nutzen einer Gewichtsreduktion bei Übergewicht zur Linderung von Beschwerden ist wissenschaftlich belegt. Was eine angemessene Ernährung betrifft, so profitieren Arthrosepatienten besonders von einer ausgewogenen fleischarmen Kost. Dabei wird ein hoher Anteil an Fisch, wegen seiner Omega-3-Fettsäuren, eine entzündungshemmende Wirkung zugeschrieben. Außerdem ist es wichtig, jegliche Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen, um anlagebedingte Fehlstellungen der Hüfte möglichst früh zu entdecken und behandeln zu können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.