Beckenosteotomie nach Chiari

Bei der Beckenosteotomie nach Chiari, wird der Beckenknochen direkt über dem Hüftgelenk durchtrennt, das Gelenk nach innen geschwenkt und die neue Stellung mit Schrauben oder Bohrdrähten fixiert. Es kommt ein neues künstliches Pfannendach zustande, allerdings ohne Knorpelüberzug, das knapp oberhalb des Gelenkes lateral verschoben wird. Die Operation von Chiari bringt die Hüftpfanne sogar in eine steilere Position und zieht dafür das darüberliegende Stück der Beckenwand ohne Knorpel seitlich über den Hüftkopf.

Hiernach ist das Einsetzen einer Endoprothese relativ gut möglich. Durch Medialverschiebung des distalen Fragments um einen Drehpunkt, kann einerseits eine stabile Hüftkopfüberdachung bei Hüftdysplasie, Hüftluxation und Morbus Perthes erreicht und andererseits eine Reduktion der Hüftbelastung durch Verkürzung des Lastarmes erzielt werden. Das Ziel liegt darin, das Pfannendach der Hüfte zu verbreitern. Diese Operation wird vorwiegend bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen durchgeführt.

Vorteile der Beckenosteotomie nach Chiari

Wesentliche Pluspunkte dieser Methode sind eine stabile Überdachung des Hüftkopfes und ein gutes Langzeitergebnis. Auch bei einem sehr steilen und kurzen dysplastischen Pfannendach, ist die Schaffung eines neuen Azetabulums möglich. Ein Hinausschieben des Zeitpunktes eines totalen Hüftgelenksersatzes verschafft dem Patienten noch etwas Zeit.

Es besteht außerdem ein Pfannendachvergrößernder Effekt im Gegensatz zu allen Eingriffen, die durch Positionsänderung des Azetabulums eine Verbesserung der Hüftkopfüberdachung erzielen.

Nachteile der Beckenosteotomie nach Chiari

Es kann zu Bewegungseinschränkung kommen, die aufgrund der Änderung der Beckengeometrie und Interposition eines Teiles der Hüftgelenkskapsel entstehen. Ebenso ein verminderter Langzeiterfolg mit zunehmendem Alter des Patienten, infolge verminderter Adaptationsfähigkeit des Knochens. Bei ausgeprägter Hüftdysplasie mit einem Zentrum-Eckwinkel unter – 10 Grad, kann bei dieser Triple-Osteotomie keine ausreichende Korrektur erreicht werden. Bei außergewöhnlich dünner Gelenkkapsel oder knapper intraartikulärer Osteotomie, droht die Gefahreiner rasch progredienten Arthrose. Es besteht außerdem erhöhtes Risiko einer Infektion, Thrombose oder Embolie.

Operationsablaufbei der Beckenosteotomie nach Chiari

Der Patient liegt in 120° Seitenlage auf den OP-Tisch. Nach der Abdeckung und Desinfektion erfolgt ein ca. 10 cm langer Hautschnitt. Danach werden in das Foramen obturatorium zwei stumpfe spezielle Hohmann- Hebel platziert. Die Haken schützen darüber hinaus die austretenden Nerven und Gefäße. Das Sitzbein liegt nun frei und mit zwei Meißeln wird die Osteotomie durchgeführt. Die Richtung wird so gewählt, dass möglichst zwei große Kontaktflächen entstehen, die auch nach der Pfannenschwenkung für guten Knochenkontakt sorgen. Als erstes wird das Sitzbein mit dem ersten Meißel durchtrennt, und danach wird der zweite Meißel neben dem ersten eingeschlagen. Die Richtung des Einschlagens erfolgt in Richtung der beiden Hohmann – Hebel.  Nun erfolgt schichtweise der Wundverschluss. Bei gleicher Abdeckung wird der Patient steril auf den Rücken gedreht. Durch einen medialen Schnitt erfolgt der Zugang zum Schambein. Nach der Präparation der Subcutis wird das Leistenband dargestellt und angeklemmt. Der Musculus pectineus wird scharf abgelöst. Unter Schonung der Bauchmuskel- und Adduktorenansätze und der Vena femoralis werden spezielle Hohmann- Hebel subperiostal zur Darstellung des Schambeines eingesetzt. Mit dem Meißel wird unter Bildkontrolle die Stelle der Osteotomie markiert. Die Osteotomie wird schräg von medial aus mit der oszillierenden Säge durchgeführt. Anschließend wird die Wunde mit einer feuchten Kompresse abgedeckt. Dann erfolgt der 10 cm lange Kammschnitt um das Darmbein frei zu legen. Unter Bildkontrolle wird zunächst eine Schanz-Schraube ca. 1,5 cm oberhalb des Pfannendaches eingebohrt. Mit dem Einsetzen des breiten Beckenhebels und das Festlegen der Darmbeinosteotomie mit dem Meißel, wird zunächst die Osteotomie mit der oszillierenden Säge durchgeführt, und dann mit der TUKE- Säge kleinste Kreisbewegungen ausgeführt. Durch das Aufsetzen eines Jakobs -T- Griffes auf die Schanz-Schraube, kann die Pfannenschwenkung durchgeführt werden. Die Osteosynthese findet ebenfalls unter Bildkontrolle statt.

Am Ende werden die Wunden schichtweise verschlossen. Nach Einlage der ersten Redondrainage, folgt der Verschluss der Muskulatur und der Faszie. Danach wird die zweite Redondrainage gelegt und das subcutane Gewebe verschlossen. Zuletzt erfolgten die Hautnaht und der sterile Verband.

Fazit

Klinische und radiologischen Ergebnisse, insbesondere im Vergleich mit anderen Studien

sind als gut zu bewerten und erlauben den Schluss, dass die Beckenosteotomie nach Chiari in der Behandlung mit Hüftdysplasie und -luxation beim Jugendlichen und jüngeren Erwachsenen richtig ist.

Nach entsprechender Indikationsstellung bietet die Methode eine geeignete Therapiemöglichkeit und eine weitere Alternative zur Beckenosteotomie nach Salter sowie anderen Operationsmethoden.

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