AMIS Hüfte

Der Operateur kann verschiedene Operationstechniken für den Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks anwenden: Konventionelle oder Minimalinvasive. Echte minimalinvasive Operationstechniken zeichnen sich durch einen reduzierten Hauteinschnitt aus und die Erhaltung der Muskeln und Sehnen.

Die AMIS-Technik bezeichnet in der Medizin einen speziellen minimal-invasiven Zugang zum Hüftgelenk, um künstliche Hüftprothesen möglichst schonend einzusetzen. AMIS steht dabei für „Anterior Minimally Invasive Surgery“, übersetzt bedeutet das eine minimal-invasive Operationstechnik von vorne. Das Besondere sind dabei zum einen der Zugang zum Hüftgelenk von vorne durch das sogenannte Hueter-Intervall, zum anderen die Verwendung besonderer Instrumente und eines speziellen Beinhalters. Aus diesem Grund ist die AMIS Operationstechnik der ideale Zugang für eine schonende Operation und eine schnelle Genesung.

AMIS Hüfte

Vorbereitung auf die Operation

Vor der Operation, ist es wichtig den Allgemeinzustand im Detail abzuklären, um allfälligen Operationsrisiken vorzubeugen. Zu diesem Zweck können verschieden Blut- und Urintests durchgeführt werden. Ebenfalls kann es notwendig sein, ein Kardiogramm (EKG) zu erstellen. Bei Hautirritationen oder einer Infektion, ist es ratsam vorher den Orthopäden zu kontaktieren.

Falls Zahnprobleme bestehen, können diese mit Infektionen einhergehen. Diese gelangen durch den Blutkreislauf bis zu dem Gelenk und können dort eine schwere Infektion auslösen. In diesem Fall wird vor der Hüftoperation ein Zahnarzttermin empfohlen. Falls eine regelmäßige Medikamenteneinnahme besteht, ist der Arzt darüber zu informieren, um etwaige Risiken vor der Operation abzuklären. Hilfsmittel wie Stützstrümpfe oder Gehilfen werden im Spital zur Verfügung gestellt oder kann man in speziellen Geschäften kaufen.

Operationsablauf der AMIS Hüfte

Die Hüftoperation nach der AMIS-Methode wird in Vollnarkose oder Spinalanästhesie durchgeführt. Der Patient liegt in Rückenlage auf einen speziellen Operationstisch. Es erfolgt ein ca. 8-10 cm langer Hautschnitt vorne seitlich über dem Hüftgelenk. Die Muskeln werden stumpf zur Seite geschoben und nicht durchtrennt oder eingekerbt. Durch den langen Verlauf der angrenzenden Muskeln vom Becken zum Knie ist das Risiko für eine Schädigung der Muskeln minimiert. Nach Darstellung der Hüftkapsel wird diese V-förmig geöffnet und der Hüftkopf entfernt. Im Anschluss wird ein sogenannter Charnley-Rahmen in die Kapsel eingespannt, um das Hüftgelenk offen zu halten. Durch die Hakenlage innerhalb der Hüftkapsel wird das Risiko für Nervenquetschungen und -schädigungen minimiert. Der Operateur hat dann eine hervorragende Übersicht über die Hüftpfanne und kann das Pfannenimplantat einsetzen. Im Anschluss wird das Bein über den Beinhalter nach außen gedreht und gestreckt, sodass der Oberschenkelknochen dargestellt wird. Dies erlaubt das Schaftimplantat einzubringen, sowie den Prothesenkopf aufzusetzen. Durch Anheben und Innendrehen des Beines, wird das künstliche Hüftgelenk in der Pfanne platziert. Die Kapsel kann erhalten und abschließend wieder verschlossen werden. Der Eingriff dauert etwa 1- 1 ½ Stunden.

Die stationäre Pflege und Genesung beginnt bereits am ersten Tag nach der Hüftoperation. Am ersten Tag erfolgt der erste Verbandwechsel, danach dürfen die Patienten sitzen, stehen, im Zimmer gehen, das WC benutzen und die Körperpflege und das Essen selbständig ausführen. Duschen ist frühestens am 2. Tag mit speziellen Duschpflastern möglich. Je nach Verlauf kann zwischen dem 5. und 7. Tag nach der AMIS-Hüftoperation, die Entlassung nach Hause erfolgen. Die Entfernung der Hautnaht ab dem 8. bis 10. postoperativen Tag, erfolgt beim Operateur oder Hausarzt. Dies ist jedoch ein einfacher Vorgang, da der Schnitt nur sehr klein ist, und die Wunde in der Regel problemlos heilt.

Vorteile der AMIS Hüfte

Der Zugang mittels dieser revolutionären Methode zeigt sowohl kurz- als auch langfristig wesentlich bessere Resultate, sowie eine verbesserte Lebensqualität der Patienten. Die Lebensdauer moderner Hüftimplantate beträgt derzeit etwa 20-25 Jahre, abhängig vom Alter, der Knochenqualität und den Belastungen, denen sie stets ausgesetzt sind. Es ist den neuen innovativen Materialien, die den Abrieb verhindern zu verdanken, dass deren Haltbarkeit massiv verlängert werden konnte. Diese bereits mehrtausendfach erfolgreich eingesetzte Hüftoperation, hat für den Patienten folgende Vorteile:

  • Die Patienten dürfen bereits am ersten Tag nach der Hüftoperation aufstehen und müssen nicht mehr länger auf dem Rücken liegen. Der Patient darf nach der Operation auf der Seite liegen. Körperpflege und Essen ist am ersten postoperativen Tag, außerhalb des Bettes erlaubt.
  • Nach der Hüftoperation ist eine schnellere und selbständige Beweglichkeit, sowie kürzere Aufenthaltsdauer von 5 bis 7 Tagen im Spital möglich.
  • Ältere Patienten sind schneller wieder selbständig und die Bewegungen schmerzfreier.
  • Jüngere Patienten können sich schneller in den Arbeitsprozeß integrieren.
  • Die Sportausübung, Wandern, Golfen, Radfahren, Tennis usw. ist nach 6-8 Wochen möglich.
  • Es besteht eine kürzere Tragedauer der Krücken (nur mehr ca. 3 Wochen) und schnelleres Erlernen eines natürlichen Gangbildes. Auch Stiegensteigen ist bereits kurz nach der Hüftoperation wieder sehr gut möglich.
  • Es besteht keine Durchschneidung, Einkerbung oder Quetschung der Muskulatur, seitlich an der Hüfte.
  • Keine Narbenbildung, sowie Heilungsschmerz der Muskeln, die für das Stehen und Gehen verantwortlich sind.
  • Eine kürzere Rehabilitationsphase und früherer Beginn für die Arbeiten im Alltag.
  • Autofahren ist viel früher (etwa 3 bis 4 Wochen) nach der Hüftoperation möglich.
  • Ein längerer Rehabilitationsaufenthalt nach der Hüftoperation in einer externen Rehabilitationsanstalt ist in Einzelfällen auf Wunsch des Patienten nicht erforderlich. Durch die verkürzte Heilgymnastik und Gangschulungsdauer, kann diese jedoch zu Hause ambulant durchgeführt werden kann.
  • Die AMIS Methode hinterlässt nur kleine Narben, weil sie sich durch einen reduzierten Hauteinschnitt auszeichnet.
  • Es besteht ein vermindertes Luxationsrisiko (Ausrenkungsgefahr) weil die AMIS-Operationstechnik von vorne durchgeführt wird und das Ausrenken meist nach hinten passiert.
  • Das Risiko von Beinhinken ist reduziert, da weder Muskeln noch Nerven geschädigt werden.

Nachteile der AMIS Hüfte

Manche Patienten mit Hüftgelenksersatz klagen über Schmerzen in der Region des großen Trochanters. (Knochen seitlich des Oberschenkels) Auch schnelle Ermüdungserscheinungen oder ein Beinhinken nach längerer Belastung nach dem operativen Eingriff, können auftreten. Ein weiterer Nachteil der minimalinvasiven AMIS Methode liegen einerseits in den noch nicht vorhandenen Langzeitergebnissen, die aussagen wie lange ein Hüftgelenk durch so eine Operation halten wird. Der kleinere Schritt bedingt auch die Notwendigkeit eines erfahrenen, mit der Methode sehr gut vertrauten Chirurgen. Da diese dicht auf Becken- und Oberschenkelknochen eingeschränkt ist und bisher Hilfsmittel, wie gebogene Instrumente und Navigation eingesetzt werden müssen, um die Implantate ohne den Muskel zu beeinträchtigen, korrekt einzubauen. Blutverlust und postoperativer Schmerzmittelverbrauch scheinen in den Statistiken bisher geringer zu sein, als bei Standardzugängen.

Die sanfte Chirurgie am Hüftgelenk scheint in verschiedenen Zugangswegen für den Patienten jedoch mehr Vorteile als Nachteile zu haben.

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