Osteotomie bedeutet Knochenschnitt und kommt aus dem griechischen, wobei „osteon“ der Knochen und „tome“ der Schnitt ist. Das heißt im übertragenen Sinne, dass bei einer Osteotomie – Operationen, eine Knochendurchtrennung erfolgt. Bei der 3-Fach-Beckenosteotomie handelt es sich um ein bewährtes und bereits vielfach durchgeführtes Operationsverfahren, um die Fehlbildung der Hüfte zu korrigieren. Diese Operationsmethode wird in vielen orthopädischen Kliniken Deutschlands, zur Therapie der Hüftgelenksdysplasie durchgeführt und hat sich vor allem im europäischen Raum verbreitet. Ziel der Operation ist es, durch ein Herauslösen der Hüftpfanne, diese in die richtige Stellung über den Hüftkopf anzubringen, um die biomechanischen Verhältnisse im Hüftgelenk zu verbessern.

Operationsverlauf bei einer Triple – Beckenosteotomie

Das Operationsverfahren wird in Seitenlage durchgeführt, wobei der Patient für die Scham- und Darmbeinosteotomie auf den Rücken gedreht wird. Das Becken wird an drei Stellen (Darmbein, Schambein, Sitzbein) durchtrennt und so geschwenkt, dass die Hüftpfanne den Hüftkopf optimal überdeckt. Zur Stabilisierung wird Metall eingesetzt, das etwa ein Jahr später wieder herausgenommen wird. Bei diesem Operationsverfahren handelt es sich um eine Technik, bei der ein komplexes Wissen und ein großer Erfahrungsschatz des Operateurs gefragt ist. Da es sich hier um ein großes Risiko des Patienten handelt und auftretende Komplikationen möglichst gering zu halten sind. Die 3-fach-Beckenosteotomie ist ein ideales Korrekturverfahren bei angeborenen Hüftpfannenfehlstellungen, wie der Hüftdysplasie oder der Hüftpfannenrotationsfehlstellung. An diesen 3 bereits genannten Stellen wird das Pfannendach gelöst, um es in die richte Stellung zu platzieren und anschließend mit einzelnen Schrauben zu stabilisieren. An dieser Schraube kann der Chirurg das Pfannenfragment unter Röntgenkontrolle so weit drehen, bis die Pfanne die gewünschte Lage erreicht hat.  Danach erfolgt die Befestigung des Darmbeins an das Pfannenfragment mit Schrauben oder Drähten. Eine Osteosynthese des Schambeins ist nicht nötig, trägt aber stark zur gesamten Stabilität bei. Je nach Schweregrad und der Verformung, muss sich die Rekonstruktion auch an die gegebenen Umstände anpassen.

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Erfahrungen einer der 3-Fach-Beckenosteotomie

Langzeiterfahrungen zeigen, dass durch die Korrektur der Hüftpfannenfehlstellung ein Verschleißen des Gelenkes unterbunden werden kann. Bei der Berichtigung der Fehlstellung, ist das primäre Ziel der Operation, eine vollständige Schmerzbefreiung des Patienten. bzw. deutliche Verringerung. Die Triple-Osteotomie ist kein Universalverfahren, dass für jeden Menschen, egal welchen Alters geeignet ist. Deshalb sollte der Eingriff erst durchgeführt werden, wenn alle Wachstumszonen komplett verschlossen sind. Sogar bei Kindern, die noch im Wachstum stecken, hat die Triple-Osteotomie gute Ergebnisse erzielt und dadurch Fehlstellungen verhindert. Die Ansichten der Ärzte gehen hier sehr auseinander, ab welchem Alter eine solche Operation durchgeführt werden kann. Es wurden schon Kinder ab dem siebten Lebensjahr mit diesem Verfahren erfolgreich behandelt und geheilt. Jedoch ist es mit so jungen Jahren empfehlenswert, durch einfachere und unkompliziertere Operationstechniken, ähnliche Erfolgsergebnisse zu erzielen. In der Regel wird das vollständige Verschließen der Wachstumsfugen in der Hüfte, im Alter von 12 und 14 Jahren erreicht. Geht man nach den Experten, sollte dies auch die Untergrenze für eine Therapie sein. Nach oben sind die Altersgrenzen viel schwieriger zu setzen. Sofern keine Kontraindikationen bestehen, können Patienten auch noch im Alter von 50 Jahren mit einer 3-Fach-Beckenosteotomie behandelt werden. Entscheidend dafür sind der Abnutzungsgrad als auch der allgemeine körperliche Zustand des Patienten. Bei diesem Operationsverfahren ist jedoch darauf hinzuweisen, dass es sich um einen schweren und körperlich belastenden Eingriff handelt. Eine lange und anstrengende Rehabilitation liegt vor den Patienten, jedoch bei erfolgreichem Eingriff kann einem die Hüftprothese erspart bleiben.

Welche Komplikationen können entstehen?

So wie bei jeder Operation, kann es auch hier zu Blutungen oder Organverletzungen kommen. Daher wird allgemein mit einem Autotransfusionssystem gearbeitet. Bei einem Verlauf ohne schwer auftretende Komplikationen, ist mit etwa einem Liter Blutverlust zu rechnen.

Spezielle intraoperative Komplikationen:

Eine Verletzung des Hüftgelenks selbst, ist äußerst selten und kann man nicht gerade als Komplikation betrachten. Frakturen im Beckenbereich, wie etwa Verschraubungen, können vorkommen, werden aber bereits während der Operation sofort behandelt. Ab und zu kann es vorkommen, dass es beim Präparieren des Schambeins, zu kleinen Verletzungen kommt. In Folge dessen, können anhaltende Sensibilitätsstörungen im Bereich der Leiste auftreten. Bei Männern kann es zu einer Verletzung des Samenstranges, oder naheliegender Gefäße und Nerven kommen. Die Präparation zum Sitzbein verläuft sehr nah am Nervus ischiadicus, welcher dabei verletzt werden kann. Bei der Schambein- Präparation kann es jedoch zu Verletzungen der Vena femoralis kommen.

Postoperative Komplikationen:

Eine typische Frühkomplikation nach Knocheneingriffen, ist das Versagen von Schrauben oder Drähten. Komplette Ausbrüche von Schrauben aus dem Knochen, sind aber selten. Wie nach jedem Knocheneingriff kann es auch bei dieser Operation zu Knochennekrosen oder Knochenheilungsstörungen kommen. Allgemeine Frühkomplikationen sind zum Beispiel, Wundheilungsstörungen, Thrombosen, Embolien, Gerinnungsstörungen oder Wundinfektionen. Spätinfektionen entstehen gelegentlich durch einen Entzündungsherd, der sich im Körper ausbreitet. Bei Operationen die sich nahe einem Gelenk befinden, kann es manchmal zu postoperativen Bewegungseinschränkungen kommen. Die Schambein-Pseudarthrose ist jedoch eine häufig auftretende Spätkomplikation, wo beide Schambeinfragmente nicht knöchern, sondern bindegewebig zusammenwachsen. Diese Pseudarthrose sollte unbedingt berichtigt werden, indem der Patient noch einmal auf den Operationstisch muss, da sonst nicht genügend Stabilität im Becken erreicht wird.

Wie gestaltet sich die Nachbehandlung und Rehabilitation

Die Schwerpunkte der Nachbehandlung sind in den ersten vier bis sechs Wochen, eine Schmerztherapie und Mobilisierung des Patienten. Das operierte Bein sollte in dieser Zeitspanne nicht, oder nur sehr selten belastet werden. Unterarmgehstützen oder anderer Gehhilfen, helfen dabei zu gehen. Weiters lernt der Patient unter physiotherapeutischer Anleitung, wie man am besten sitzen und aufstehen kann. In den darauffolgenden Wochen wird die Belastung des betroffenen Beines, langsam und stetig aufgebaut, um die Muskulatur wieder zu kräftigen. Das Steigen von Treppen und andere stärkere Bewegungen, werden bis zur vollen Belastungsfähigkeit, wieder neu einstudiert. Zur Kontrolle des Heilungsprozesses der Knochen, werden in regelmäßigen Abständen weitere Röntgenaufnahmen des Beckens angefertigt. Nach Entlassung aus dem Krankenhaus, haben die Patienten die Möglichkeit, eine gewisse Zeit physiotherapeutisch betreut zu werden. Die ist gegebenenfalls auch im Rahmen einer stationären Anschlussheilbehandlung möglich.

Die vollständige Rehabilitationsdauer ist aber sehr unterschiedlich und hängt von vielen Faktoren, Einflüssen und vor allem von der eigenen Person ab. Speziell eine Kräftigung und ein Koordinationstraining sind nach dieser schwerwiegenden Operation wichtig. Eine Physiotherapie ist für ca. 4 Monate erforderlich, wobei ein stationärer Reha-Aufenthalt ebenso möglich ist. Die Osteosynthese-Materialien werden nach etwa einem Jahr entfernt. Einflussfaktoren, die den postoperativen Verlauf negativ beeinflussen oder erschweren können, sind z. B. Übergewicht, Rauchen und eine schlecht trainierte Muskulatur.

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